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Natur und Umwelt

Milch ist gesund – Fakten, die man wissen sollte

Milch ist gesund - Fakten, die man wissen sollte

Milch ist gesund - Fakten, die man wissen sollte

Milch gilt als Symbol für Natürlichkeit und Gesundheit. Milch ist immer verfügbar und aus unserer Gesellschaft nicht mehr wegzudenken. Doch hinter dem Milch-Kaffee und dem Cappuccino auf dem Frühstückstisch steckt eine Industrie, die keine Rücksicht auf die eigentlichen „Produzenten“ der Milch, die Mutter-Kühe, -Ziegen und -Schafe, nimmt. Denn Tiere geben nur dann Milch, wenn sie auch Nachwuchs haben. Zu diesem Zweck werden Milch-Kühe, aber auch Schade und Ziegen, dauerschwanger gehalten.

Noch schlimmer ist, allerdings, dass die Kälber in der konventionellen Landwirtschaft direkt nach der Geburt von ihren Müttern getrennt werden. Kuh und Kalb schreien dann stundenlang. In der ökologischen Landwirtschaft dürfen Kuh und Kalb immerhin bis zu zwei Wochen zusammen bleiben. Eine Ausnahme bildet die Mutterkuhhaltung, die aber nur in der Fleischindustrie vorkommt. Hierbei werden Fleischrassen auf extensiven Weiden gehalten. Die Kälber bleiben nach der Geburt bei der Mutter und werden gesäugt. Sie leben ganz natürlich in Herden auf der Wiese zusammen. Dies dient der Erzeugung von regionalem, hochwertigem Rindfleisch unter Berücksichtigung des Tierwohls.

Milch ist gesund - Fakten, die man wissen sollte Kuh

Große Mengen Milch gewünscht

In der Milchwirtschaft geht es indes darum, ein möglichst hohes Milch-Volumen zu erzielen. Diejenigen, für die Milch eigentlich produziert wird, die Kälber, erhalten nur die erste Milch der Mutter, auch Biestmilch genannt. Diese enthält Immunglobuline, die dem Kalb helfen, sich gegen Krankheiten zu immunisieren. Bis zu acht Wochen erhält das Kalb Milch. Dann wird es abgestillt – auf der Weide werden die Kälber bis zu zehn Monate gesäugt, was wiederum ihrer Gesundheit zugute kommt.

In der Milchindustrie kommt das neugeborene Kalb kurz nach der Geburt mit anderen Kälbern in die Aufzucht, was im schlimmsten Fall Einzelhaltung bedeutet. Das Ganze geschieht nach den Vorgaben der sogenannten Kälberhaltungsverordnung. Und das bedeutet eine Unterbringung in den ersten beiden Lebenswochen in mit Stroh oder ähnlichem Material eingestreuten Boxen in Einzel- oder Gruppenhaltung. Ab der achten Woche ist ausschließlich eine Gruppenhaltung erlaubt. Die Mutter-Kuh lebt derweil den anderen milchgebenden Kühen zusammen und wird in der Regel zwei- bis dreimal täglich gemolken.

Kühe geben nur Milch, wenn sie ein Kalb haben

Im Werdegang der Mutter-Kuh steigt die tägliche Milchmenge nach der Geburt des Kalbes zunächst an und erreicht nach vier bis sechs Wochen ihr Maximum. Damit sich der Zyklus wiederholt, wird die Kuh so schnell wie möglich wieder besamt. Einige Zeit vor der nächsten Kalbung wird die Kuh „trockengestellt“, das heißt, sie wird über einen Zeitraum von acht Wochen nicht gemolken, damit das Euter regenerieren kann.

Aus Sicht der Landwirte sind die Tiere ihr Kapital. Das hat dazu beigetragen, dass sich die Haltungsbedingungen verbessert haben. Statt der früheren Anbinde-Haltung, die allerdings noch immer erlaubt ist (und auch angewandt wird), leben die Tiere vielfach in modernen Laufställen. Sie haben weiche Liegeflächen und automatische Kuhbürsten. Melkroboter übernehmen das Melken, wobei die Kuh vielfach selbst zum Melden geht, wenn sie die Milch drückt. Digitale Sensoren überwachen Aktivität und Gesundheit der Tiere, Erkrankungen können frühzeitig erkannt werden.

Milch ist gesund - Fakten, die man wissen sollte Stall

Bullenkälber gelten als Überschuss

Weibliche Kälber, die zu Milchkühen werden sollen, dürfen nicht zu dünn und nicht zu fett sein. Mit etwa 18 Monaten werden sie besamt. Nach neun Monaten oder genauer 270 bis 290 Tagen kalben sie mit mit etwa 27 Monaten erstmals. Die Milchabgabe beginnt mit der Geburt des ersten Kälbchens, das in der ökologischen Landwirtschaft bis zu zwei Wochen bei der Mutter verbleiben darf. Das Kalb erhält hierbei mindestens 700 bis 800 Kilo Milch und muss mindestens fünf Monate auf dem Geburtsbetrieb gelebt haben, bevor es auf einen Weidemastbetrieb verschoben werden.

Bullenkälber und weibliche Kälber, die nicht zur Zucht verwendet werden, werden gemästet, um nach circa zwölf bis 18 Monaten geschlachtet zu werden. Bullenkälber werden auch „Fresser“ genannt. Sie sind bei den weniger Fleisch ansetzenden Milchviehrassen überflüssig und schädlich für das Kosten-Nutzen-Verhältnis. Darum werden sie zumeist auch schlechter medizinisch versorgt und bald geschlachtet. Besonders dramatisch ist das Enthornen der Kälber. Die Enthornung oder Verödung in Hornanlagen geschieht, um Verletzungen im Stall zu vermeiden. Vielfach wird dies unter Betäubung durchgeführt. Kritiker fordern hingegen horntragende Herden und Stallkonzepte, die Verletzungen verhindern, statt Tiere anatomisch anzupassen.

Gesetzliche Regeln für die Produktion von Milch

Gesetzlich sind klare Regeln gesetzt. Die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung schreibt Mindestflächen und Liegebuchten vor, Eingriffe wie das Enthornen dürfen nur unter Betäubung erfolgen. Bio-Betriebe gehen noch weiter: Weidegang, mehr Platz und strengere Fütterungsrichtlinien gehören dort zur Grundausstattung. Doch trotz aller Fortschritte bleibt die Kritik laut. Besonders die Trennung von Kuh und Kalb kurz nach der Geburt gilt vielen als Symbol für Tierleid.

Mutter und Jungtier werden getrennt, um die Milch für den Verkauf zu nutzen – ein Eingriff, den Tierschutzorganisationen als unnatürlich und belastend beschreiben. Hinzu kommt die Zucht auf Hochleistung: Moderne Milchkühe geben bis zu 10.000 Liter Milch pro Jahr. Diese extreme Beanspruchung geht häufig mit Stoffwechselproblemen, Euterentzündungen und Klauenkrankheiten einher. Viele Tiere erreichen nicht einmal die Hälfte ihrer möglichen Lebenszeit.

Milch ist gesund - Fakten, die man wissen sollte Kalb

Ist die Produktion von Milch nachhaltig?

In Deutschland erzielt die Milch- und Milchverarbeitungsindustrie einen der höchsten Umsätze innerhalb der Ernährungsindustrie und ist führend in der Europäischen Union. Insgesamt ist ein Trend zu größeren Milchproduktionsbetrieben zu beobachten, während kleinere Betriebe verschwinden. Die durchschnittliche Milchleistung pro Kuh ist in den letzten Jahrzehnten stark gestiegen. Bayern und Niedersachsen sind die größten Milcherzeugungsregionen Deutschlands, aber auch Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein gelten als bedeutende Milchproduzenten.

Die Milchwirtschaftsbetriebe berichten von ihrer Nachhaltigkeit, denn Kühe nehmen durch das Fressen von Pflanzen CO2 auf und geben es als Methan wieder ab, welches wiederum von Pflanzen genutzt wird. Die Tiere liefern also auch Dünger für andere Pflanzen, wodurch ein geschlossener Kreislauf entsteht. Doch die Milchindustrie gerät zunehmend unter Druck. Zwischen gesetzlichen Standards, wirtschaftlichem Druck und Forderungen nach mehr Tierwohl tobt eine Debatte, die Bauern, Verbraucher und Tierschützer gleichermaßen betrifft. Jedes Jahr am 1. Juni wird der Internationale Tag der Milch begangen.

Ein Spagat zwischen Akzeptanz und Wirtschaftlichkeit

Die Milchwirtschaft steckt in einem Spannungsfeld. Einerseits ist sie ein zentraler Teil der Lebensmittelversorgung und regionalen Landwirtschaft. Andererseits wächst der gesellschaftliche Druck, Tiere besser zu schützen und Haltungsbedingungen transparenter zu machen. Immer mehr Tierwohlprogramme, Bio-Produkte und regionale Marken drängen auf den Markt. Gleichzeitig gewinnen pflanzliche Alternativen wie Hafer- oder Sojadrinks an Bedeutung. Verbraucher versuchen damit, ethische Bedenken zu umgehen.

Letztlich bleibt die Frage, ob Milch, Joghurt, Käse oder Eis immer und überall verfügbar sein muss. Wäre es nicht möglich, dass unsere Gesellschaft sich damit abfindet, das die Regale auch mal mal leer sind? Ist uns das Tierwohl das nicht wert? Während Bauern ihre Verantwortung und die Fortschritte der letzten Jahre betonen, sehen Tierschützer weiterhin gravierende Missstände. Klar ist: Die Zukunft der Milchwirtschaft hängt von den Entscheidungen der Verbraucher am Kühlregal ab.

von Inga Sprünken
Schlagworte: Gesellschaft, Gesundheit, Rhein-Sieg-Kreis, Rheinland, Tiere
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