Westernstadt – Ranchfest im Wilden Westen in Stromberg
Keine Westernstadt ohne Sheriff-Office und kein Sheriff-Office ohne Zelle. Doch, wenn darin ein Skelett sitzt, wird es gruselig. Wurde hier ein Gefangener vergessen? In Windeck-Stromberg fühlt man sich versetzt in den Wilden Westen zwischen 1740 und 1900. Hier steht man vor einem Saloon, dort neben dem Hotel Hilltown. Ein Stück weiter steht das Town House, das Bank-House und eine mexikanische Cantina. Es ist wie in einer Filmkulisse, wenn man den Holz-Schildern mit dem Hinweis „Ranch“ folgt.
Doch die Häuser sind keine Attrappe, sondern echt. Man kann im Saloon an der Theke sitzen und Whisky trinken, im Bank-House Dollars tauschen und im Hotel wohnen. Aufgebaut hat die Westernstadt der Indianer- und Westernclub Sieben-Ratsfeuer aus Köln – und das schon vor vielen Jahren. „Der Club hat sich 1957 in einem Partykeller in Köln gegründet“, erzählt Fredy Harder. Der erste Vorsitzende des Vereins war zu diesem Zeitpunkt noch nicht geboren.

Die Westernstadt des Westernclubs Sieben-Ratsfeuer
„Der Name des Clubs bezieht sich auf einen Indianer-Stamm“, erklärt der 63-Jährige, dessen Western-Begeisterung sich auch in seiner Kleidung niederschlägt. Den typischen Westernhut, das karierte Hemd, die Jeans und die Westernstiefel (#Anzeige) trägt er nicht nur, wenn er in der Westernstadt ist, sondern immer, wie er sagt. Wie die anderen 24 Vereinsmitglieder lebt Harder sein Hobby, das seinen Ursprung in seiner Kindheit hat.
Denn wer von den Baby-Boomern erinnert sich nicht an Serien wie „Bonanza“, „Shilo Ranch“, und „Die Waltons“? In einer Zeit, als Bud Spencer und Terence Hill sich durch die Saloons prügelten und Charles Bronson, Clint Eastwood und John Wayne auf der Jagd nach Ganoven waren, durften Kinder noch solche Western sehen. Das Indianer-Kostüm war Standard in Karnevalstagen, damals war der Begriff „kulturelle Aneignung“ noch nicht geboren.

Die Gründungsmitglieder stammen aus Köln
Die Gründungsmitglieder stammen überwiegend aus Köln und so wurden die Treffen zunächst auch dort abgehalten – bis die auf einem Gelände genutzten Gebäude abbrannten. Da einer der Western-Fans aus Windeck-Stromberg stammte, wurde man auf einen leerstehenden Bauernhof aufmerksam. Den erkoren sich die Western-Fans als neue Heimstatt aus. „Der Verein konnte ihn pachten. Wo heute der Saloon ist, war der Schweine- und Kuhstall“, erzählt Harder von den Anfängen der „Ranch“ im Jahr 1971.
Alle damals rund 80 Mitglieder packten mit an und so entstand nach und nach die Westernstadt in Eigenregie. Für die Kölner war der Aufenthalt auf dem Gelände ein Wochenend-Ausflug ins Grüne. Und so bauten sie in der ehemaligen Scheune vier und im ehemaligen Wohnhaus drei Wohnungen. Über dem Saloon und im daneben liegenden „Hotel“ wurden zehn Zimmer für die Vereinsmitglieder hergerichtet.

Gemeinschaftsduschen in der Westernstadt
„Alle nutzen aber die Gemeinschaftsdusche und Gemeinschafts-Toiletten“, erzählt Harder, dass es in die Scheune keine Nass-Zellen gibt. „Die Leute kommen aus Düsseldorf, Leverkusen, Köln und Umland und verbringen das Wochenende oder sogar ihre Urlaube hier“, erklärt der erste Vorsitzende. Im Bankhaus gibt es zusätzliche sieben Zimmer für Freunde aus anderen Western-Clubs, denn es ist üblich, dass man sich gegenseitig besucht.
Denn der Indianer- und Westernclub Sieben Ratsfeuer ist einer von vielen Clubs, die sich wiederum in Dachvereinen zusammen geschlossen haben. Viele habe ein bestimmtes Motto. Bei dem Stromberger Club ist das anders. Hier geht es nicht um ein bestimmtes Thema, sondern die 24 Clubmitglieder verkörpern in unterschiedlichen Kostümen als Indianer, Trapper, Cowboys, Mexikaner oder Kavalleristen die Zeit zwischen 1740 und 1900.

In der Westernstadt packt jeder mit an
Doch der Western-Hype überlebte nur bedingt den gesellschaftlichen Wandel. Und so leidet Sieben-Ratsfeuer, wie viele andere Clubs auch, an Mitgliederschwund und Überalterung. Dabei sei das Hobby für die ganze Familie geeignet, so Harder, der sich über zwei Neuzugänge auf Probe freut. „Wir schauen immer, ob es auch für alle passt“, begründet er diese Regelung. Denn jeder, der aktuell zwischen 25 und 84 Jahre alten Mitglieder muss sich auch einbringen.
„Hier gibt es immer etwas zu tun und dazu muss man bereit sein“, sagt Harder. Ansonsten zähle natürlich die Geselligkeit und der Spaß am gemeinsamen Hobby. Einmal im Jahr, immer am dritten Juli-Wochenende, gibt es ein großes Ranch-Fest und im Frühjahr und Herbst jeweils einen gemütlichen Abend im Saloon für die Öffentlichkeit. Ansonsten ist das Gelände zwar für Jedermann zur Besichtigung offen, aber die monatlichen Treffen sind ausschließlich für Mitglieder bestimmt.

Alle kommen im Outfit
An solchen Abenden kommen alle im Outfit (#Anzeige) in den Versammlungsraum im Saloon. „Wir leben in der Zeit zwischen 1730 und 1900“, erklärt Harder, dass die Mitglieder frei in ihrer Entscheidung sind, welche Figur sie auch immer verkörpern. Nur authentisch muss es sein. Darum nähen sich viele ihre Sachen selbst. „Man muss schon country-begeistert sein“, erzählt der Kölner, der dort eine Wohnung ohne Balkon bewohnt. Der Vorstand setzt sich zusammen aus Fredy Harder als erstem Vorsitzenden, Armin Siemund als Schriftführer und seiner Ehefrau Andrea als Kassiererin. Zum erweiterten Vorstand gehören zwei weitere Mitglieder und der Sheriff Peter Selbach. Alle drei Jahre wird neu gewählt.
Früher habe es auch Pferde auf der Ranch gegeben, sagt er mit Blick auf die Kutsche, die heute nur noch als Deko im „Horse Trough“ (Pferdetränke) steht. Und auch eine Line-Dance-Gruppe gab es einmal. „Die wenigsten Vereine haben ein Gelände wie wir“, berichtet Harder von einer Westernstadt in Frankfurt, die professionell geführt wird und in der auch Filme gedreht werden. Sieben-Ratsfeuer möchte so etwas nicht.

Regelmäßige Clubtreffen im Saloon
Jeweils am zweiten Wochenende im Monat treffen sie sich so im Saloon zum Clubabend. Viele von ihnen kommen aus Köln und nutzen dann die von ihnen fest gemieteten Wohnungen und Zimmer in der Westernstadt. Jeder kann kommen und bleiben, solange er möchte. Voraussetzung ist, dass die Arbeiten auf dem Gelände erledigt werden. Dafür können die Mitglieder, zu denen Paare und Einzelpersonen gehören, die Westernstadt auch für private Feiern nutzen.
„Wir wollen in Ruhe unserem Hobby nachgehen“, so Harder, der auch Country-Musik-Fan ist. Die wird live gespielt an diesem Wochenende (17./18. Juli) beim großen jährlichen Ranchfest. „Da kann sich das jeder angucken“, so Harder. Zuvor muss man jedoch Dollar im Bank-Office tauschen, um seine Drinks bezahlen zu können.









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