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Ich will nie so sein, wie meine Mutter

Ich will nie so sein wie meine Mutter Mutter

Ich will nie so sein wie meine Mutter

„Ich will nie so sein, wie meine Mutter“. Dieses Lebensmotto kennen viele Töchter. Auch ich selbst kann ein Lied davon singen. Die Regisseurin Bettina Wilhelm hat die Flucht nach vorn angetreten und daraus ein Buch gemacht. Es handelt um ihre Mutter, einst ein Berliner Arbeiterkind, das plötzlich in ein mondänes Leben im Shanghai der 1930er Jahren eintaucht.

„Die Story von Brandy-Al und ihrem Shanghai Baby“, wie der Buchtitel lautet, beschreibt das außergewöhnliche Leben ihrer Mutter Aldona, auch genannt „Brandy-Al“. Die Autorin und Regisseurin von Filmen wie „All of me“, „Julies Geist“ oder „Tatort: Chaos“ zeichnet den Weg ihrer Mutter von Berlin nach Shanghai nach. Dorthin ist sie als junge Frau ihrem chinesischen Verlobten gefolgt. Der reiche chinesische Student geleitet sie in eine kosmopolitische Welt, die sie als „modern, glamourös und mondän“ erlebt.

Die Schattenseiten des Lebens der Mutter

In den internationalen Konzessionen der Stadt genießt Mutter Aldona in den 1930er Jahren ein Leben voller gesellschaftlicher Verpflichtungen, Tanzabende und kultureller Begegnungen. Das ist ein Kontrast zu den Entbehrungen ihrer Kindheit in Berlin und zu den politischen Verwerfungen in Europa. Doch das Buch verklärt nicht. Es zeigt auch die Schattenseiten dieses Leben. Die koloniale Ambivalenz des Lebensstils, die Bedrohung durch Krieg und Besatzung sowie die zunehmende innere Zerrissenheit der Protagonistin, die zum Schluss in Köln-Hahnwald lebt.

Parallel dazu erzählt die 74-jährige Autorin von ihrer eigenen Kindheit mit einer alkoholkranken Mutter und von der emotionalen Distanz, die daraus erwächst. Das Buch setzt mit einer eindringlichen Szene ein: Auf der Fahrt ins Krankenhaus halluziniert die schwerkranke Mutter und ruft Erinnerungsbilder aus dem alten Shanghai wach – „… polierte Autos, dicht an dicht, Straßenbahnen, Rikschas…“.

Ich will nie so sein, wie meine Mutter Titel

Ein Buch wie ein Film über die Mutter

Diese Fragmente öffnen den erzählerischen Raum für eine Spurensuche, die biografische Recherche, historische Kontextualisierung und literarische Imagination verbindet. Das Shanghai-Baby ist die Autorin selbst. Ihre Mutter als Society-Lady Shanghais bekommt ein Kind, muss sich trennen und wacht eines Tages im biederen Adenauer-Deutschland der Nachkriegszeit auf.

Nach ihrer Geburt in Shanghai erlebte Bettina Wilhelm zahlreiche Ortswechsel unter anderem nach Hongkong, Mailand, London, Basel, Berlin und schließlich nach Köln. Nach dem Abitur dort studierte sie Psychologie in Basel, absolvierte eine Filmausbildung in London und ein Regiestudium in Berlin. Wilhelm ist Mitbegründerin des Berliner Transformtheaters sowie der Internationalen Regieseminare für Film und Theater.

Ein Missionar in China

Ihre international preisgekrönten Arbeiten als Regisseurin und Autorin umfassen die oben genannten Kinofilme. Für das Schweizer Fernsehen schrieb sie gemeinsam mit Jane Corbett das Drehbuch zum Tatort Chaos. Große internationale Resonanz erhielt ihr Dokumentarfilm Wandlungen über ihren Großvater Richard Wilhelm.

Der Missionar und Sinologe Richard Wilhelm wirkte im deutschen Pachtgebiet Qingdao in China und gehörte zu den prägenden Vermittlern zwischen deutscher und chinesischer Kultur. Sein Wirken bildet einen familiären Hintergrund für die China-Bezüge der Autorin, denn ihr Vater wurde als Sohn Wilhelms dort geboren.

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Eine individuelle Lebensgeschichte

Formal bewegt sich das Buch bewusst zwischen Biografie, Memoir und historischer Rekonstruktion. Wilhelm machte ihre eigene Perspektive transparent und verwebt dokumentierte Fakten mit Fragen und Vorstellungen. So entsteht ein vielschichtiges Porträt der Mutter, das nicht nur eine individuelle Lebensgeschichte erzählt, sondern auch Einblicke in globale Verflechtungen des 20. Jahrhunderts bietet – von der Weimarer Republik über das internationale Shanghai bis zu den Nachwirkungen von Krieg und Migration in Europa.

So ist „Die Story von Brandy-Al und ihrem Shanghai Baby zugleich Familiengeschichte, Zeitzeugnis und literarische Selbstbefragung. Verleger des Buchs ist Alexander Schug mit seinem Berliner Omnino-Verlag. „Bettina Wilhelms Memoir liest sich wie ein Film: voller Atmosphäre, Bilder und dramatischer Wendungen. Wer die Serie Babylon Berlin kennt und liebt, wird auch von dieser Geschichte begeistert sein“, lautet seine Einschätzung dazu.

Bettina Wilhelm, Die Story von Brandy-Al und ihrem Shanghai Baby. (#Anzeige) Memoir, 188 Seiten, ISBN 978-3-95894-368-1 // 18 Euro.

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