Die Kirche St. Josef steht erneut zum Verkauf
Erneut steht sie zum Verkauf – die Kirche St. Josef in Eitorf-Harmonie. „Ein Ort mit Geschichte und Raum für Visionen“ steht auf dem Verkaufsschild im Aushang des Immobilienmaklers Engels & Völkers. Es ist nicht das erste Mal, dass das zwölfeckige Bauwerk aus roten Ziegeln auf ihrem 3000 Quadratmeter großen Erbbaurechtsgrundstück auf dem Immobilienmarkt zu finden ist. Als „außer Dienst gestelltes Kirchengebäude“ stand sie seit Anfang 2022 gegen Gebot mit Auflagen schon einmal zum Verkauf.
Seitdem die Katholische Kirchengemeinde St. Patricius sie im Jahr 2020 profaniert hatte, wollte das Erzbistum sie los werden. Relativ schnell meldeten sich mehrere Interessenten, von denen der als „Bananen-Künstler“ bekannt gewordene Kölner Thomas Baumgärtel ausgewählt wurde. Er wollte den modernen Kirchenbau als Kunstort, Atelier und Museum nutzen.
St. Josef war eine von vielen Kirchen
Sankt Josef war bis 2020 eine von rund 1400 Kirchen und Kapellen, die zum Erzbistum Köln gehörten. Ihre Zukunft war schon länger ungewiss gewesen, weil die moderne Kirche nicht sehr beliebt war. Es gab sogar Befürchtungen, dass der zwölfeckige Backsteinbau abgerissen werden könnte. Darum stellten etwa 160 Gläubige im Frühjahr 2017 einen Antrag auf Prüfung der Denkmalwürdigkeit bei der Gemeinde Eitorf als Untere Denkmalbehörde.
Marlies Schmitz, ehemaliges Mitglied des Pfarrgemeinderats, hatte die Unterschriftensammlung für den Erhalt der Kirche organisiert. Denn das Kirchenbauwerk aus dem Jahr 1970, entworfen von dem Dominikus-Böhm-Schüler Hans Lob, einem Siegburger Architekten, war von Anfang an das „Stiefkind“ der katholischen Kirchengemeinde St. Patricius gewesen. Es war für viele nur „ein leerer Rundbau“, wie Initiatorin Schmitz damals sagte.
Nutzungsvorschläge für St. Josef
Bereits im Jahr 2013 hatte sie deshalb auf Veranlassung von Pfarrer Johannes Mikrut eine 18-köpfige Konzeptgruppe gegründet, die St. Josef zukunftsfähig machen sollte. Es wurden Nutzungsvorschläge erarbeitet wie etwa Themengottesdienste, Ausstellungen und Bildungsveranstaltungen. Vergebens, denn das Interesse der Gemeindemitglieder blieb gering und so beschloss der Kirchenvorstand, die Messefeiern zum Jahresende 2020 einzustellen.
Im Hinblick auf die zu dieser Zeit errechneten Sanierungskosten in Höhe von über 200 000 Euro hielt der Kirchenvorstand eine Erhaltung von St. Josef für unwirtschaftlich und sprach sich gegen die Unterschutzstellung aus. Doch der Landschaftsverband Rheinland (LVR) beurteilte das Bauwerk in seinem Gutachten als den „wichtigsten Kirchenbau des Siegburger Architekten Hans Lob“. Er veranschauliche die Entwicklungen innerhalb der katholischen Kirche im Rheinland.

Die Kirche steht auf einer Bergbauhalde
Zudem stehe St. Josef auf der Bergbau-Halde „Alte Harmonie“ – eine Besonderheit, die der LVR in seinem Gutachten hervorhob. Denn der Ortsteil Harmonie hat seine Ursprünge im Bergbau von Kupfererz und Schwefelkies. Schon vor dem Ersten Weltkrieg sollte hier eine Kirche errichtet werden. Mit den im Januar 1967 gestarteten Bauarbeiten zur Errichtung des zwölfeckigen Backsteinbaus ging dieser Wunsch in Erfüllung.
Am 22. November 1970 wurde die Kirche St. Josef, die mit ihrer Form die zwölf Apostel symbolisiert und mit ihren terrakottafarbenen Ziegelsteinen einen Bezug auf Eitorf als Industriestandort nimmt, von Pastor Josef Pazen eingesegnet. Zu ihrem 50-jährigen Bestehen im Jahr 2020 brachte der Heimatverein Eitorf eine 65-seitige Broschüre „Zukunftskirche St. Josef Harmonie“ heraus.
St. Josef unter Denkmalschutz
Entgegen der Befürchtung des Kirchenvorstandes, dass die Nachnutzungsmöglichkeiten durch eine Unterschutzstellung extrem eingeschränkt würden, teilte er die Ansicht des LVR, dass der Kirchenbau erhaltenswert und unter Schutz zu stellen sei. Der Gemeinderat entschied sich für die Unterschutz-Stellung und es gab die Hoffnung, dass die Kirche weiter als Kulturkirche genutzt werden könne. Denn dafür ist genug Platz auf dem 2939 Quadratmeter großen Grundstück und der rund 500 Quadratmeter Nutzfläche, die das Kirche St. Josef umfasst.
Der Kirchenraum selbst verfügt über 371 Quadratmeter, hinzu kommen die Sakristei (22 Quadratmeter), ein offener Nebenraum mit Beichtstuhl (25 Quadratmeter) und die offene Kerzenkapelle (20 Quadratmeter). Über ein schmales, knapp zehn Quadratmeter großes Treppenhaus mit Toilette gelangt man in den ersten Stock zu einem rund 22 Quadratmeter großen ehemaligen Jugendraum.
Ein kleiner Keller unter der Sakristei
Unter der Sakristei befindet sich ein kleiner Keller mit zwei Räumen und dem Heizungskeller. Das Flachdach ist mit Zinkblechen eingedeckt, der Boden größtenteils mit Naturstein gepflastert. Jugendraum und Sakristei verfügen über Holzparkett, der Keller weist einen Betonboden auf. Die Türen, mit Ausnahme der Brandschutztür im Heizungsraum, sind aus Holz; die Fenster sind teils einfach-, teils isolierverglast.
Der ursprünglich als Orgelbühne gedachte westliche Anbau beinhaltet die Kerzenkapelle und ist, wie der gesamte Hauptbereich der Kirche, nicht unterkellert. Wände und Decken bestehen aus Putz und Anstrich, der Boden aus Naturstein. Beheizt wird das Gebäude mit einer Gaszentralheizung über Warmluft-Schächte. Die Kirche ist unter der Nr. A87 in die Denkmalliste eingetragen.

Ab 2022 stand St. Josef zum Verkauf
Ab 2022 war die Kirche St. Josef in einem Immobilienportal zu finden. Der Kirchenvorstand der katholischen Kirchengemeinde St. Patricius bot das Gotteshaus unter dem Begriff „Spezialgewerbe“ im Bieterverfahren zum Verkauf an – das allerdings mit Auflagen. „Weltlich, aber einem Kirchenbau würdig“ sollte das Nachnutzungskonzept sein, hieß es in der Immobilienanzeige. Interessenten mussten nun also nicht nur die Vorgaben des Denkmalschutzes bei Um- und Einbauten berücksichtigen, sondern auch die der Kirchengemeinde.
Der künftige Eigentümer des auf einem knapp 3000 Quadratmeter großen Erbbaurechtsgrundstück stehenden Kirchenbaus sollte für einen respektvollen Umgang sorgen. „Einrichtungen zur Betreuung und Pflege, aber auch eine seriöse Gastronomie wären durchaus denkbar“, stand im Exposé. Gleichzeitig galten Vergnügungsstätten wie Nachtlokale, Bordelle, Spielhallen und dergleichen sowie Nutzungen durch andere als christliche Religionsgemeinschaften als Ausschlusskriterium.
Die Verkaufsbeschreibung enthielt Details
Die Verkaufsbeschreibung enthielt weitere Details: „Zu dem 500 Quadratmeter großen Kirchengebäude gehört ein Glockenturm, dessen Holztreppe marode ist, und eine Umgebungsmauer. Trotz Denkmalschutz ist eine weitere Bebauung auf dem Areal möglich, da auch in den Ursprungsplänen des Architekten noch zwei weitere Kuben im Kirchenvorfeld vorgesehen waren.“ Als Alternative zum Erbbaurecht wurde der Erwerb des kompletten Grundstücks in Aussicht gestellt. Der Kauf von Teilflächen oder gar ein Abriss des Gebäudes blieben aber durch den erfolgten Eintrag in die Denkmalliste ausgeschlossen.
Der Künstler Thomas Baumgärtel war durch eine Ausstellung in der Eitorfer Galerie „Incontro“ von Carmen Vetere auf das Kirchengebäude aufmerksam geworden und befand den interessanten Bau als geeignet für einen Kunstort. Doch die Verhandlungen mit dem Erzbistum erwiesen sich als zäh. Ein Passus im Kaufvertrag, der besagte, dass keine Kunst gezeigt werden dürfe, die die Kirche in irgendeiner Form herabsetze, schmecke Baumgärtel nicht, da er sich nicht einschränken lassen wollte.

St. Josef als Kunstort
Nach über einjährigen Verhandlungen zwischen den Juristen des Künstlers und der Rechtsabteilung des Erzbistums, gab sich Letzteres geschlagen. Die Maßgabe, welche Kunst in der Kirche gezeigt werden darf und welche nicht, wurde aus dem Kaufvertrag gestrichen. Damit war der Weg frei für Baumgärtels Kunst, mit der er seit 40 Jahren auch mal kritische Themen aus Politik und Gesellschaft aufgreift.
Allerdings waren zwei Jahre ins Land gegangen. Darum wollte sich der Künstler erst noch einmal über den Zustand des Gebäudes rückversichern. Er beauftragte im März 2024 Architekten und bauerfahrene Spezialisten, den Backsteinbau noch einmal genau unter die Lupe zu nehmen, um Wasserschäden und anderes auszuschließen. Zudem benötigte er eine Nutzungsänderung von der Kirche in ein Museum.
Kein Wasserschaden im Keller
Während die Kirchengemeinde in ihrem Widerspruch gegen die Unterschutzstellung noch von nassen Mauern, einem Wasserschaden im Keller und der maroden Treppe im Turm gesprochen hatte, bescheinigten andere, wie etwa Eitorfs Kulturmanager Thomas Feldkamp, dem Bauwerk einen „soliden Gesamtzustand“. Damit lag er nicht falsch, denn wie sich bei der Ortsbesichtigung herausstellte, fanden sich zwar feuchte Wände im Keller, die aber mutmaßlich auf Wasserschäden nach dem Einbau einer neuen Heizungsanlage zurückzuführen sind.
Im Jahr 2001 war eine neue Gas-Heizung eingebaut und dadurch Drainage-Rohre beschädigt worden, so dass Wasser eintreten konnte. Beheizt wird der Kirchenraum über Rohre, die Wärme unter den Marmorboden und in die Lüftungsgitter leiten. Gemäß Auflagen des Denkmalschutzes müssen Kirche, Glockenturm und Grundstück erhalten bleiben und die Sanierung mit den Denkmalschützern abgestimmt werden.

Die Kirche als Ausstellungsraum
Doch der Künstler wollte den 370 Quadratmeter großen Innenraum nur als Ausstellungsraum nutzen und nicht dort wohnen. Er wollte sogar vier Kirchenbänke erhalten. Die übrigen sowie der Altar, das Holzkreuz und die Glocke sollten einer katholischen Kirchengemeinde in Polen gespendet werden. Der Kirchenraum sollte barrierefrei zugänglich und Toiletten in der Sakristei gebaut werden. Die verfaulte Holztreppe im Glockenturm sollte durch eine Industrie-Treppe ersetzt werden.
Während der Künstler laut eigener Aussage damit beschäftigt war, Sponsoren zu finden und ein Team aufzubauen, dass sich um den neuen Kunstort kümmern sollte, kam im vergangenen Jahr plötzlich das Aus. Die langjährigen Verkaufsverhandlungen seien wohl gescheitert, sagte Baumgärtel auf Nachfrage. Das Erzbistum Köln bestätigte die traurige Nachricht. „Die Vertragsverhandlungen mit Herrn Baumgärtel wurden einvernehmlich beendet. Die Kirche St. Josef in Eitorf-Harmonie wird erneut zum Verkauf angeboten“, teilte Pressesprecher Stephan Hammers mit. Für die Gemeinde Eitorf war dies ein Schock, denn alle hatten große Hoffnungen in die Entwicklung dieses Bauwerks als Kunstort und Museum gesetzt. Wird die Kirche nun zum Lost Place?









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