Haus im Park: vom beliebten Lokal zum Lost Place
Einst war es ein prächtigen Anwesen und eine Perle an der Zeithstraße: das „Haus im Park“ in Seelscheid. Heute ist es wie das Haus Kettwig ein Lost Place. Erbaut als Ärztehaus Anfang des 20. Jahrhunderts hatte das Haus mit seinem mit alten Bäumen bestandenen Park immer etwas Herrschaftliches. Das änderte sich auch nicht, als es ab den 1980er Jahren eher im Niedergang begriffen war. Das einstige Hotel-Restaurant hatte keinen guten Ruf. Wer etwas auf sich hielt, ging woanders hin.
Dabei beherbergte das stilvolle Gebäude eine ganze Zeit lang einen beliebten Gasthof mit Fremdenzimmern. Gerne traf man sich nach der Kirche an der gemütlichen Theke zum Frühschoppen oder ging zum Mittagessen dorthin. Ende der 1970er Jahre gab es im Anbau sogar kurzfristig eine Diskothek. Doch im Laufe der Jahre ging es bergab mit dem Lokal und die gut situierten Gäste blieben aus.
Es gab Leerstände im Haus im Park
So gab es Leerstände und hoffnungsvolle Wiedereröffnungen, die wiederum scheiterten – zuletzt im Jahr 2012. Der damalige Pächter startete mit vielen Ideen, doch der Eigentümer hatte finanzielle Probleme, so dass das Haus im Park zur Zwangsversteigerung stand. Nach dem Kauf im Jahr 2014 durch eine Unternehmerfamilie, die in Köln jahrzehntelang unter dem Namen „Marine Olbermann“ einen bekannten Bootshandel betrieben hatte, stand das Haus noch eine Zeit leer.
Durch Kontakte zu den Eigentümern übernahm Anfang 2018 der ehemalige Chefkoch des „Zwölf Apostel“ am Kölner Heumarkt, Ayari Riathi, das Lokal zusammen mit Radu Bogdan. Nach einem fünfmonatigen Umbau feierten die neuen Pächter kurz vor Ostern 2018 Eröffnung. Die aus Tunesien stammenden Gastronomen boten mediterrane Speisen und Pizza aus dem Steinofen an und belebten den einstigen Biergarten wieder.

Ein Brand zerstört das Haus im Park
Die beiden über 50-jährigen Männer lebten im Obergeschoss des Hauses, dort wo einst die Fremdenzimmer waren. Doch in der Nach des 24. Juli 2024 brach ein Brand aus. Er breitete sich schnell über eine Holztreppe aus, so dass die Bewohner sich nur durch einen Sprung aus dem Fenster retten konnten. Dabei erlitten sie schwere Beinverletzungen.
Trotz diesem Unglück äußerten die Betreiber einige Zeit später die Hoffnung, dass sie den Gasthof wiederbeleben könnten. Sie sprachen sogar von einem Brauhaus. Obwohl dem Vernehmen nach die Versicherung den Schaden beglichen haben soll, scheint sich das nicht zu bewahrheiten.
Möglicherweise war es Brandstiftung
Die Brandursache ist bis heute unklar. Kurz nach dem Brand war sogar von einem „versuchten Tötungsdelikt“ die Rede gewesen. Es gab einen Verdacht auf eine fremdenfeindliche Tat, da jemand die Aufschrift „Ausland raus“ auf die Hauswand geschmiert hatte. Aus diesem Grund hatte die Initiative „Neunkirchen-Seelscheid ist bunt“ kurze Zeit später zu einer Mahnwache aufgerufen.
Ob sich diese Vorwürfe erhärteten, lässt die Staatsanwaltschaft Bonn auch anderthalb Jahre nach dem Vorfall offen. Die Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen, sagt Staatsanwalt Martin Kriebisch. Der Pressesprecher der Bonner Staatsanwaltschaft möchte nichts zu der „konkreten deliktischen Einordnung“, also der Rechtsgutverletzung, die zu klären ist, sagen. Diese ist Gegenstand der aktuellen Ermittlungen, wie er sagt.
Die Bäume im Park sind gefallen
Seither bietet das direkt an der Zeithstraße mitten in Seelscheid gelegene, einst herrschaftliche Bürgerhaus einen traurigen Anblick. Der verkohlte Dachstuhl ist zu sehen. Unter leeren Fensteröffnungen gibt es Rußspuren. Das traurige Bild hat sich besonders verstärkt, seit die Eigentümer in einer kurzfristigen Aktion im November sämtliche alte Bäume beseitigt haben.
Auf Rückfrage erzählt Christof Olbermann, dass das Haus im Park abgerissen werden und mit einem Mehrfamilienhaus bebaut werden soll. Diese Pläne bestätigt auch Kristina Schik, die Pressesprecherin der Gemeinde Neunkirchen-Seelscheid. Die Entfernung der Bäume war indes unrechtmäßig, wie die Gemeinde mitteilt. Denn „überwiegende Baumbestand auf dem Grundstück war geschützt“, so Pressesprecherin.

Die Beseitigung war ordnungswidrig
Darum leitete die Gemeindeverwaltung ein Ordnungswidrigkeitsverfahren nach Paragraph 213 Baugesetzbuch ein. Im März hieß es, dass eine Anhörung laufe. „Da es sich um ein Laufendes Verfahren handelt, kann das Fachamt keine Einzelheiten benennen“, so Schik zu der Frage, welche konkreten Konsequenzen drohen. Welche das sind und wie der Stand der Dinge ist, dazu gibt sich die Gemeinde Neunkirchen-Seelscheid bedeckt. Die Pressesprecherin teilt auf Nachfrage lediglich mit, dass es keine Neuerungen gebe.
Grundsätzlich ahndet das oben genannte Verwaltungsverfahren Verstöße im Baurecht wie die Beseitigung oder Beschädigung von Bäumen, die im Bebauungsplan geschützt sind. Bis zu 10.000 Euro Geldbuße, in manchen Kommunen sogar bis zu 50.000 Euro, drohen dem Betroffenen.
Ein Abriss scheint gewiss
Zusätzlich kann die Behörde eine Ersatzpflanzung oder Geldbußenersatzmaßnahmen anordnen, wie es im Gesetzestext heißt. Das Ganze hätte der Eigentümer vermeiden können, wenn er sich zuvor die Fällung hätte genehmigen lassen. Denn grundsätzlich kann die Gemeinde eine Genehmigung erteilen, wenn der Bauherr nachweist, dass sein Bauvorhaben ohne diese Maßnahme unwirtschaftlich ist.
Laut dem Bebauungsplan ist auf einem Teil des Grundstücks Gewerbe und Wohnen möglich, der andere Teil ist als Grünfläche ausgewiesen. Zuständig für eine Baugenehmigung ist nicht die Gemeinde, sondern der Rhein-Sieg-Kreis als Bauaufsichtsbehörde. Wann und wie es mit dem zum Lost Place mutierten Haus im Park weiter geht, bleibt also ein Geheimnis.
Noch mehr Lost Places gibt es in unserem Buch „Düstere Geheimnisse des Rheinlands„.









Hinterlasse einen Kommentar
An der Diskussion beteiligen?Hinterlasse uns deinen Kommentar!