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Geschichte(n)

Glück – und warum Orte so heißen

Glueck was es bedeutet und warum Orte so heissen.

Glück - was es bedeutet und warum Orte so heißen
Was ist Glück? Mit dieser Frage beschäftigen sich die Menschen seit sie aufrecht gehen können. Der Chinese Lao Tse bezeichnete im sechsten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung das wahre Glück als Untätigkeit. Wenn der Mensch aufhöre, dem Glück oder anderen Zielen hinterherzulaufen, dann sei er wirklich glücklich, so seine Idee.

Geld macht nicht glücklich, auch wenn die meisten Menschen das glauben. Denn sobald man seine Grundbedürfnisse befriedigt hat, flacht die Glückskurve mit steigendem Verdienst ab, wie Studien belegen. Reiche Menschen sind vielfach sogar besonders unglücklich. Das beste Beispiel dafür sind Stars wie Marylin Monroe, Elvis Presley oder Michael Jackson. Sie waren einsam, nahmen Medikamente oder setzen ihrem Leben bewusst ein frühes Ende.

Glück in dir und mit Freunden

Ihr Unglück liegt darin, dass sie seltener mit Freunden zusammen sind. Studien fanden heraus, dass Freunde und soziale Kontakte nicht nur glücklich machen, sondern zu einem längeren und gesünderen Leben beitragen. Denn das soziale Wesen Mensch ist nicht für die Einsamkeit gemacht. Einsame Menschen stehen unter Stress und müssen alle Schwierigkeiten des Lebens alleine bewältigen. Das dadurch ausgeschüttete Stress-Hormon Cortisol wirkt sich negativ auf das Immunsystem aus.

Zu den besonders glücklichen Menschen gehören – wie sollte es anders sein – frisch Verliebte. Zu ihrem Glück tragen Glückshormone wie Oxytocin und Endorphine bei, die bereits bei Berührungen von 20 Sekunden ausgeschüttet werden. Auch Verheiratete und Menschen die in festen Beziehungen leben sind grundsätzlich glücklicher und gesünder als Singles. Aber Glück hat auch etwas mit der persönlichen Einstellung zum Leben zu tun.

Positive Gedanken führen zu Glück in dir

Der römische Kaiser Marc Aurel formulierte, dass die Seele die Farben der Gedanken annehme. Wer also die Welt positiv sieht, sieht mehr Schönes und nimmt das Leben bewusster wahr. Er ist glücklicher. Doch auch negativ eingestellte Menschen können lernen, ihr Gehirn auf Glück zu programmieren. Denn gute Gefühle entstehen durch einen Reiz im Gehirn. Dieser kann auch durch Sport oder positiv empfundene Situationen ausgelöst werden.

So kann sich also jeder bewusst entscheiden, ob er glücklich sein will, indem er seine Aufmerksamkeit auf etwas Positives richtet. Das beginnt schon im Kleinen bei der Betrachtung einer schönen Blume, eines Schmetterlings, eines Bildes, eines geliebten Menschens oder Tieres. Die Frage des Glücks erscheint ein bisschen auch als Luxus-Problem unserer hochzivilisierten Gesellschaft. Zu früheren Zeiten waren Menschen schon glücklich, wenn sie überlebten.

Das Glück in der Grube

Für Bergleute etwa war es in den vergangenen Jahrhunderten ein Glück, jeden Tag wieder unversehrt aus der Grube auffahren zu können. Die Arbeit im Dunkeln barg unzählige Gefahren wie Verschüttungen, Explosionen, Brände oder Steinfall. Der Bergmanns-Gruß „Glück auf“ kommt nicht von ungefähr. Damit war außerdem ein reicher Bergsegen gemeint. Denn wenn die Grube nicht ertragreich war, gab es wenig Lohn für die Arbeiter.

Das ist auch der Grund, warum viele Gruben das Wort „Glück“ in ihren Namen tragen. Davon zeugt noch der inzwischen ausgestorbene Ort Altglück, der unweit der gleichnamigen Grube in einem Tal an der Grenze von Hennef existierte. Nur durch einen Wald entfernt, liegt oben auf dem Berg das Haus Neuglück – allerdings schon auf Königswinterer Seite am Rand des Ortes  Bennerscheid.

Glueck was es bedeutet und warum Orte so heissen.

Ein verlassener Ort in Hennef

Es ist ein skurriles Tal, indem Altglück liegt. Folgt man den Schildern an der Straße hinab ins Tal gelangt man zu einem eingezäunten und mit Hecken umstandenen Plateau auf dem sich Straßenleuchten befinden. Im weiteren Verlauf entdeckt man am Rand zum Wald zu eine kleine Kapelle. Ein rostiges Tor bildet den Zugang in diesen mit wenigen Bauwerken bestandenen Bereich. Betreten hat diesen offensichtlich schon lange keiner mehr. „Privat“ ist noch auf einem Schild zu lesen.

Das Areal, auf dem die Häuser stehen, ist der einstige Ort Altglück, heute ein Lost Place. Denn der letzte Bewohner dieses seltsamen Weilers ist hier in diesem Jahr nicht mehr gemelet. Wer es war und ob er verzogen oder verstorben ist, bleibt ein Geheimnis. Der Name des Ortes steht aber an der Zufahrt. Er ist auf die uralte Erzgrube Altglück zurückzuführen.

Das Schicksal der Grube Altglück

Altglück war einst die wichtigste Blei- und Zinkerzgrube im Bergrevier Brühl-Unkel. Wie Grabungen des Landesverbandes Rheinland ergaben, wurde in diesem Bereich schon zu römischer Zeit, nämlich um das Jahr 100 v.Chr., Erz abgebaut. Urkundlich belegt ist der Bergbau an dieser Stelle seit dem Mittelalter im Jahr 1122. Zu dieser Zeit ist vermutlich auch die Ringwallanlage entstanden, die sich auf dem Weg durch den Wald noch deutlich im Boden abzeichnet.

Nach einer etwa hundertjährigen Pause zwischendurch wurde der Bergbau ab 1802 wieder aufgenommen. Bis zu 200 Personen waren in dieser Zeit hier tätig. Im Jahr 1863 wird die größte Fördermenge mit 6000 Tonnen Zinkblende und 200 Tonnen Bleierz angegeben. 1875 endet der Betrieb. Von diesem zeugen noch die Halden im Wald, der Stauweiher, in dessen Nähe sich der Grubeneingang befindet und die Gebäude. Etwa 400 Hektar ist umfasst Altglück, das eine bewegte Geschichte hat.

Kein Glück in dir in Altglück

Nach Aufgabe des Bergbaus erwarb der Kölner Unternehmer Heinrich Berghausen eins der Bergbau-Häuser samt dem ganzen Gelände. Die kleine Kapelle soll er zur Hochzeit seiner Tochter Clementine im Jahr 1887 erbaut haben. Möglicherweise aber gab es an selber Stelle einen älteren Bau, der restauriert wurde. Denn vielfach gab es in den Revieren Bergmanns-Kapellen, die der Schutzheiligen der Bergmänner, der Heiligen Barbara, gewidmet waren.

Im Jahr 1888 heiratete die zweite Tochter des Unternehmers und zog in ein neu erbautes Wohnhaus neben dem älteren. Nach dem Tod des Unternehmers im Jahr 1906 kaufte dessen Schwiegersohn das Anwesen und ließ ein Herrenhaus errichten. Damit scheint er sich übernommen zu haben. Denn schon bald verkaufte er das ganze Gelände an den Solinger Messerfabrikanten Ernst Kaufmann. Dieser wiederum ließ die Gebäude Ende der 1920er zwangsversteigern.

Glück was es bedeutet und warum Orte so heissen Kapelle

Neues Glück in dir auf dem Berg

Neuer Eigentümer und Bewohner wurde im Jahr 1930 der Metallwarenfabrikant Adolf Boge senior (1874-1952). Dieser gründete in Eitorf die Boge & Sohn KG und zog schon kurze Zeit später nach Eitorf in die Villa des Textilfabrikanten Julius Gauhe (1835-1912) gegenüber dem Bahnhof. Während des Zweiten Weltkriegs wurden die Gebäude in Altglück stark beschädigt und Ende der 1950er-Jahre von der Familie Mühlens erworben. Ferdinand Mühlens ließ das Herrenhaus abreißen und ersetzte es durch eine Villa im Landhausstil, die heute noch steht.

Eine ebenso skurrile Geschichte erlebte das einstige Steigerhaus in Neuglück, das zum zauberhaft wirkenden „Schloss Neuglück“ wurde. Es ist also kein richtiges Schloss, sondern eher ein Hexenhaus – zumindest sieht es so aus. Und dafür verantwortlich ist eine hexenhafte Gräfin.

Der berühmte Dichter im Steigerhaus

Das im 18. Jahrhundert erbaute Steiger-Wohnhaus im Fachwerkstil gelangte übrigens zu großer Berühmtheit durch den französischen Dichter Guillaume Apollinaire. Dieser verbrachte hier ab 1901 ein Jahr als Angestellter der besagten Gräfin Elinor de Milhau. Der später berühmt gewordene Hauslehrer unterrichtete die Tochter der Gräfin und verliebte sich während dieser Zeit unglücklich in die englische Hausdame.

Das wiederum inspirierte ihn zu melancholischen Gedichten, die später in seinem Hauptwerk erschienen. Geboren worden war Guillaume Apollinaire, wie er sich später nannte, 1880 als Albertus Kostrwitzky in Rom. Sein Großvater war ein emigrierter polnischer Kleinadliger mit russischer Staatsangehörigkeit, der eine Italienerin geheiratet hatte. Guillaumes Mutter war über längere Jahre hinweg die Geliebte eines ehemaligen Offiziers des aufgelösten Königreichs Neapel, Francesco Flugi d’Aspermont, gewesen. Dieser gilt als sein Vater und Vater seines jüngeren Bruders Roberto.

Von der Bürgertochter zur Gräfin

Schon als Kind schrieb der Guillaume Gedichte. In Paris, wohin seine Familie später gezogen war, verdingte er sich mit Gelegenheitsjobs als Ghost Writer und schrieb Theaterstücke. Dort traf er auf die deutschstämige Gräfin. Im Sommer 1901 reiste er mit ihr und seiner englischen Kollegin Annie Playden ins Rheinland, wo die Gräfin ihre Sommerresidenz hatte. Guillaume sollte der Tochter als Französischlehrer dienen.

Die französische Gräfin stammte aus gutbürgerlichem Hause und hatte einen französischen Adeligen geheiratet. Sie war eine geborene Hölterhoff aus Bad Honnef und besaß ein hexenhaftes Äußeres. Ihre vermögenden Eltern hatten das alte Steiger-Haus erworben und es ab 1870 im Stil der Belle Eqoque zu einem Landhaus umbauen lassen.

Die seltsame Gräfin

Die durch Heirat des französischen Vicomte Gaëtan Gabriel de Milhau zur Gräfin avancierte Elinor machte später daraus eine Art Schloss. Auch ihr Ehemann hatte übrigens ein seltsames Äußeres gehabt. Sein Spitzname „Einhorn“ war auf einen Geschwulst an seinem Kopf zurückzuführen gewesen. Der war 1899 in Paris gestorben. 1891 war die gemeinsame Tochter geboren.

Die Vicomtesse de Milhau kehrte also mit der Tochter nach dem Tod des Ehemannes aus Frankreich zurück ins Haus Neuglück. Viele Geschichten ranken sich in der Folgezeit um diese als Hexe verschriene Frau. Das lag nicht nur an ihrem Äußeren, sondern auch an ihrem Verhalten. Sie war klein und rothaarig mit stechenden Augen und einer großen krummen Nase. Ihre Haut soll einer Fischhaut geglichen haben – möglicherweise war sie schorfig.

Glueck was es bedeutet und warum Orte so heissen Neuglueck.

Neuglück wird zum Schloss

Wenn sie auf ihrem Gefährt, einem der ersten Autos, herum kutschierte, trug sie einen steifen Filzhut auf dem Kopf. Sie saß auf dem Kutscher-Bock und lenkte das Fahrzeug mit einer Kurbel. Wenn ihr jemand im Weg war, hupte sie mit einem Gummiball. Nach den Erzählungen stoben dann Menschen und Tiere erschreckt auseinander.

Ihr Schloss Neuglück ließ die wunderliche Dame äußerst eigenwillig umbauen. Es wurde bunt angestrichen und im Laufe der Zeit um eine Hauskapelle und diverse Anbauten wie Erker, Türme und Scheunen erweitert. So entstanden eine Kassettendecke mit Wappen aller französischen Provinzen und Bauelemente mit Symbolen der französischen Revolution.

Ein Roman über Schloss Neuglück

Der Roman „Die Insel“ von Werner Heinen, erschienen 1953, enthält einige seltsame Beschreibungen über das Schloss Neuglück. Die Bewohner aus dem direkt anschließenden Ort Bennerscheid sollen in Sturmnächten ein geheimnisvolles Klagen aus dem Haus gehört haben. Die Schlagläden sollen zumeist geschlossen gewesen sein.

Trotz ihres seltsamen Aussehens fand die Vicomtesse einen zweiten Ehemann und verlegte ihren Wohnsitz im Jahr 1912 nach Köln. Schloss Neuglück wechselte danach mehrfach die Eigentümer. Einer von ihnen, der Cafe-Inhaber Heinrich Pinnen, führte ab 1959 hier einige Jahre ein Café-Restaurant. In dieser Zeit wurde das Waldschlösschen zu einem beliebten Ausflugslokal. Nach dem Tod des Eigentümers stand das glücklose Neuglück im Herbst 1991 zum Verkauf. Heute werden hier Seminare und Tagungen abgehalten. Aktuell steht es zum Verkauf.

Glück in dir an den glücklichsten Orten

Der Weg von Neuglück nach Altglück führt durch einen ungewöhnlichen Wald. Hügel wechseln sich hier mit Tälern ab und zeugen von den Erdbewegungen, die zu Bergbauzeiten an dieser Stelle stattgefunden haben. Über die Jahrhunderte wünschte man sich hier also Glück, den beiden Orten war dies indes nicht beschert. Sie wurden verlassen. Aber die Hoffnung bleibt, dass der Name das Glück wieder anzieht. Vielleicht findet sich ein Interessent, der die Schönheit des zauberhaften Tales erkennt und das Glück wieder einziehn lässt.

Zu den glücklichsten Orten in Deutschland zählen Altglück und Neuglück definitiv nicht. Kassel soll der glücklichste Ort sein. Die hessische Stadt führt die Top Zehn der Städte an, in denen die Menschen am glücklichsten sind. Nach Kassel folgt Erfurt, Aachen, Kiel, Krefeld, Münster, Augsburg, Düsseldorf, Halle (Saale) und Mönchengladbach. Das glücklichste Bundesland ist Schleswig Holstein. Das glücklichste Land der Welt ist Finnland, Deutschland landet nur auf Platz 24.

Mehr spannende Geschichten aus dem Rheinland gibt es in unseren Büchern: “Geschichte(n) aus dem Rheinland“ und „Düstere Geheimnisse des Rheinlands“ (#anzeige)

von Inga Sprünken
Schlagworte: Eitorf, Historie, Lost Place, Rheinland, Siebengebirge
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