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Freizeit und Reisen

Römö: Oldtimer-Rennen auf dem breitesten Strand Europas

Römö: Oldtimer-Rennen auf dem breitesten Strand Europas Rennen

Ein Festival am Strand

Man reibt sich verwundert die Augen, wenn man in Lakolk auf der dänischen Nordsee-Insel Römö am dritten August-Wochenende an den Strand kommt. Nicht nur dass er eher wie eine Wüste als wie ein Strand wirkt – er gehört mit bis zu drei Kilometer zu den breitesten Europas und ist 12 Kilometer lang – er steht auch voller alter Fahrzeuge. Der Sand ist teilweise so fest, dass er mit Fahrzeugen befahrbar ist und das ist auch erlaubt. So bietet dieser Strand ideale Bedingungen für das legendäre Römö Motor Festival.

Dabei kämpfen hunderte historische Fahrzeuge bis zum Baujahr 1947 – Motorräder und Autos – um den ersten Platz beim Rennen über eine Achtel Meile (202 Meter). Flankiert von Tausenden Zuschauern läuft das Kräftemessen alter Verbrenner am dritten August-Wochenende einen ganzen Samstag lang von 10 bis 17 Uhr. Immer zwei Oldtimer treten gegeneinander an – Motorräder und Autos wechseln sich ab. Es geht um die Ermittlung der Höchstgeschwindigkeit, die summiert wird, denn jeder kann fahren, so oft er möchte.

Römö: Oldtimer-Rennen auf dem breitesten Strand Europas Boxenstopp

Das Römö Motor Festival in Dänemark

Das Event ist so außergewöhnlich wie seine Geschichte. Bei seinen Spaziergängen im Jahr 1917 an der dänischen Westküste kam der Motorsport-Fan Svend Simmelkjær vom Danish Automobile Club auf die Idee, auf einem Strand ein Rennen zu veranstalten. Doch zu dieser Zeit tobte noch der Erste Weltkrieg und es herrschte Treibstoffmangel. Es blieb also bei der Idee, deren Umsetzung 1919 erfolgte.

Auf der oberhalb von Römö gelegenen Insel Fanö startete am 23. August 1919 das erste Motorsport-Rennen des Danish Automobile Clubs. Bis 1921 erlangte das Rennen seinen internationalen Durchbruch. Immer größere und schnellere Autos traten mit Top-Fahrern an, den Geschwindigkeits-Weltrekord zu knacken. Dem Briten Sir Malcolm Campbell gelang eine sagenhafte Geschwindigkeit von 235 Stundenkilometern. Die Rennleitung erkannte das aber nicht an, weil der Zeitmesser nicht zugelassen war.

Römö: Oldtimer-Rennen auf dem breitesten Strand Europas Zuschauer

Von einem Vorderreifen erschlagen

Im Jahr 1924 kamen bereits über 20.000 Zuschauer. Doch dann ereignete sich ein tragischer Unfall. Bei seinem erneuten Rekord-Versuch verlor Campbell bei seinem HK Big Sunbeam einen Vorderreifen. Mit großer Geschwindigkeit flog er ins Publikum und tötete einen 15-jährigen Zuschauer. Das Strand-Rennen wurde in der Folge verboten.

Über 90 Jahre später kamen fünf dänische Motorsportler auf die Idee, das Rennen wieder aufleben zu lassen. Dieses Mal jedoch auf der Insel Römö, deren Strand bei Lakolk sich wegen seiner Festigkeit ebenfalls perfekt fürs Befahren eignet. Nach dem Einholen aller Genehmigungen war es im Jahr 2016 so weit. Weil sie an die damaligen Strandrennen anschließen wollte, stellten die Organisatoren die Regel auf, dass nur Fahrzeuge und Motorräder aus der Zeit vor 1947 teilnehmen durften. Nach einer technischen Überprüfung waren 40 Oldtimer am Start.

Kleidung im Stil der 20er Jahre

Auch die Fahrer mussten sich im Stil der damaligen Zeit kleiden. Das Publikum wurde gebeten, sich ebenfalls im Stil der 20er, 30er und 40er Jahre zu kleiden. Die Rennstrecke für die Beschleunigung wurde auf eine Viertel Meile (202 Meter) festgelegt. Schon zwei Jahre später waren über hundert Fahrzeuge aus vielen Ländern am Start. Mehr als 30.000 Besucher bevölkerten Strand und Dünen. Seither wurde das Festival von Jahr zu Jahr größer.

Aktuell hat sich das Römö Motor Festival zu einem Strandrennen von Weltrang entwickelt. Der Besuch des Rennens ist kostenlos, der des Festivals auf dem Festland kostet 40 Euro. Auch für das Parken am Strand wird keine Gebühr verlangt. Während das Campen am Strand von Römö normalerweise verboten ist, ist es nämlich während der Festival-Tage erlaubt. Und so füllt sich der Strand bereits ab der Wochenmitte vor dem Festival-Wochenende kontinuierlich mit Campern. Die werden allerdings vor dem Renn-Tag in ihre Schranken verwiesen.

Römö: Oldtimer-Rennen auf dem breitesten Strand Europas Swimsuits

Nächtigen am Strand in Römö

Während sie anfangs kreuz und quer parken, müssen sie am Renntag Platz machen für die Kennzeichnung der Rennstrecke hinter den Dünen, die Aufstellflächen für die Oldtimer und die Imbiss-Stände, die sich Richtung Meer aufstellen. Dort findet auch eine kleine Party am Abend des Renn-Tages statt, wobei sich das Hauptgeschehen in Skaerbaenk auf dem Festland abspielt. Dort gibt es freitags und samstags den „Römö Motor Festival Party Ground“ mit Auftritten von diversen Rockabilly-Bands. Der Eintritt kostet für beide Tage 40 Euro.

Die oberste Maxime beim Römö Motor Festival ist Sicherheit. Jedes Fahrzeug wird vor Rennteilnahme technisch untersucht und von Mechanikern für das Rennen freigegeben. Dazu müssen sich die Teilnehmer und ihre Fahrzeuge am Freitagnachmittag in Skaerbaek im „Ferie og Fritidscenter“ in der Turnhalle am Schwimmbad vorstellen. Jedes zugelassene Gefährt erhält eine Plakette.

Party und Rennen auf Römö

Am Samstagmorgen starten die Rennen um 10 Uhr, die Fahrer und Teams müssen sich schon ab 8 Uhr einfinden, um sich zu positionieren. Schon ab 9.30 Uhr geht auf dem neun Kilometer langen Damm vom Festland nach Römö nichts mehr, denn alle wollen zum Strand. Einen Titel gibt es bei den Rennen nicht. Gemessen wird die maximale Endgeschwindigkeit, die Starts sind nicht limitiert, so dass die durchschnittliche Höchstgeschwindigkeit der Teilnehmer ermittelt wird. Die Startfreigabe erfolgt jeweils mit einer Fahne, der von einem Hochsprung begleitet wird.

In der Regel schaffen die historischen Motorräder bis zu 110 Stundenkilometer auf die Achtelmeile, die Pkw erreichen um die 100 Stundenkilometer. Um 21 Uhr erfolgt die Preisverleihung auf dem Party Areal, das mit Lichterketten und Lagerfeuer beleuchtet wird. Übernachten können die Teilnehmer aus allen Ländern auf dem Familie Camping Platz Skaerbaek. Dort ist ein großer Bereich abgesperrt. Manche campieren jedoch direkt am Strand oder am Campingplatz First Camp direkt hinter den Dünen in Lakolk. Allerdings hat der Aufenthalt zu dieser Zeit dort auch seinen Preis.

Wo liegt die Insel Römö?

Wer das Ganze mit einem kleinen Urlaub verbinden will, muss auf große Massen an Menschen und Fahrzeugen gefasst sein. Der Strand wimmelt nur so von Zuschauern und Teilnehmern. Viele sitzen auf den Dünen und haben sich Verpflegung mitgebracht. Die An- und Abreise gestaltet sich insbesondere am Freitag und Sonntag schwierig. Besser plant man ein bisschen mehr Zeit ein.

Die Insel Römö liegt direkt oberhalb der beliebten deutschen Urlaubsinsel Sylt. Dorthin kann von vom südlichen Ende in Havneby mit der Fähre gelangen. Auf Römö selbst kann man die kilometerlangen Strände genießen, die es außer dem in Lakolk im Süden und Norden der Insel gibt. Die Heideflächen bieten sich für Wanderungen mit Entdeckungen an. Denn hier befinden sich noch 15 der insgesamt 50 Bunker, die die Deutsche Wehrmacht für den Atlantikwall errichtet hat. Wer möchte, kann eine Bunkerführung buchen.

Römö: Oldtimer-Rennen auf dem breitesten Strand Europas Atlantikwall

Von Römö aufs Festland

Ein 9,2 Kilometer langer Damm verbindet Römö mit dem Festland, wo Skaerbaek der nächste größere Ort ist. Dort gibt es den Marschturm aus Eisen. Er ist das Wahrzeichen des Marschcamps. Nach 146 Stufen genießt man bei klarem Wetter eine spektakuläre Aussicht über Römö, Sylt und Ribe. Die Plattform ist 36 Meter hoch.

Auch das 37 Kilometer entfernte Ribe ist einen Besuch wert, denn dies ist die älteste Stadt Dänemarks. Während die Wikinger noch ihre Götter wie Odin verehrten, zog der Missionar Ansgar von Bremen im Jahr 860 in die Stadt ein, um die erste Kirche in Skandinavien zu errichten und die Nordländer zu christianisieren. Als erstes war dies eine Holzkonstruktion, heute findet sich an dieser Stelle ein riesiger Dom, der immer wieder erweitert wurde.

Die heidnische Wikingerstadt

Ribe war zu damaliger Zeit der bedeutendste Handelsort des Nordens, bedingt durch den guten Hafen und den schiffbaren Fluss. Wie die Funde belegen, war die Stadt vom Handwerk wie Metallgießerei, Lederverarbeitung, Webarbeiten, Töpferei geprägt. Schon in frühester Zeit soll es Handelsverbindungen nach Norddeutschland und England gegeben haben. Eine intakte Kleeblattkanne wurde 2015 auf dem Friedhof von Ribe ausgegraben. Sie ist etwa 1000 Jahre alt und wurde in Frankreich oder Belgien produziert.

In unmittelbarer Nähe des Doms sind zudem die Überreste des ersten Dominikanerklosters aus dem 13. bis 15. Jahrhundert öffentlich zugänglich. Die Stadt besticht durch ihren mittelalterlichen Charme. Gut erhaltene Häuser stammen teilweise noch aus dem 16. Jahrhundert. Das spätgotische Rathaus und der gotisch erweiterte Dom sind ebenso sehenswert wie das Wikinger-Museum. Der Fluss Ribe durchzieht die Stadt in einem weit verzweigten Auen-System. Er umfließt das Zentrum und bietet eine malerische Kulisse mit Bootsstegen, Wasserrädern und dem kleinen Hafen.

Roemoe Oldtimer-Rennen auf dem breitesten Strand Europas Ribe Hafen

Wilde heidnische Feste

Zwei Kilometer südlich von Ribe befindet sich das Freilichtmuseum Ribe Vikinge Center. Dort kann man ganzjährig ein naturgetreu nachgestelltes Dorf aus der Wikingerzeit erleben. Auf dem knapp zehn Quadratkilometer großen Gelände befinden sich verschiedene Gebäude und Gehöfte, die anhand archäologischen Funden rekonstruiert wurden. Dazu gehören auch Boote, die auf dem Fluss, der das Gelände durchzieht, nachgebaut wurden.

Die Wikinger waren Seefahrer, Entdecker, Händler und Krieger aus den nordischen Ländern, die von etwa 800 bis 1050 n. Chr. Lebten. Sie waren bekannt für ihre Seefahrt und unternahmen Expeditionen, um zu handeln, zu erkunden, Siedlungen zu gründen und Beute zu machen. Sie glaubten an den germanischen Gott Odin und seine Mitgötter und feierten wilde heidnische Feste.

Die Rituale der Wikinger im ARD

Diese Tatsache nahm die dänische ARD-Krimi-Serie 2021 zum Anlass, in der Wikinger-Stadt Ribe den Krimi „Rauhnächte“ zu drehen. Dabei geht um einen Serienmörder, der während der „Rauhnächte“ seine Opfer in den Wald verschleppt. Bei den Ermittlungen spielen zum einen die verwickelten familiären Beziehungen einer Kleinstadt eine Rolle und zum anderen die verführerische Kraft heidnischer Rituale zur Jahreswendezeit.

Dänemarks heidnische Rituale wurzeln in der Wikingerzeit und sind heute in traditionellen Festen wie Sankt Hans (Mittsommer) erhalten geblieben. Hierbei werden Lagerfeuer entzündet, um böse Geister zu vertreiben und den Sommer zu begrüßen. Auch das Faschingsfest, bei dem Kinder auf eine Tonne mit Süßigkeiten schlagen, hat mit der Jagd auf eine symbolische schwarze Katze zu tun. Diese stellt die Dunkelheit dar.

Römö: Oldtimer-Rennen auf dem breitesten Strand Europas Heide

Das Land der Mythen

Heidnische Opferfeste sind als Blót bekannt und wurden früher zu wichtigen Zeitpunkten des Jahres durchgeführt. Dazu gehört die Wintersonnenwende (Julfest) und die Tagundnachtgleichen, an denen den Göttern geopfert wurde. Zu den bekanntesten gehören Odin, der oberste Gott, Thor, der Gott des Donners, und Loki, eine komplexe und oft unberechenbare Figur. Weitere wichtige Gottheiten sind Frigg, Freyja, Balder, Tyr und Heimdall.

Dänemark ist nicht nur deshalb etwas Besonderes. In der dänischen Folklore spielen auch Geistwesen wie Trolle und andere Wesen ein Rolle. Sie kommen in Geschichten und Mythen vor und wurden teilweise durch die Märchen von Hans Christian Andersen bekannt. Wer Einsamkeit und Natur sucht, ist in diesem dünn besiedelten Nordstaat an der richtigen Adresse. Dänemark ist etwa so groß wie Niederlande und erinnert auch vielfach daran. Es hat aber nur ein Drittel so viele Einwohner.

von Inga Sprünken
Schlagworte: Ausland, Geheimnis, Gesellschaft, Historie
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