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Geschichte(n)

Waldburg in Remagen: heute Grusel-Burg

Waldburg in Remagen
Die Faszination des Vergänglichen weht über den Berg, auf dem die Waldburg steht, und erinnert an die Zeit der Rheinromantik. Auf der früher „Koppen“ genannten Erhebung mit idyllischem Blick über das Rheintal bis hin zum Drachenfels ist es nicht nur still geworden, sondern richtig gruselig.

Bevor nämlich die Ruine der einst prächtigen Waldburg ins Blickfeld gerät, stößt man auf das Skelett einer uralten Eiche. Die hatte offensichtlich Kernfäule und hielt eines Tages dem Wind nicht mehr stand. Dieses skurrile Bild des mächtigen gefallenen Baumes bietet das Entree zu einem noch skurrileren Bild der Waldburg aus dem Jahr 1898.

Bis 1970 ein beliebtes Ausflugslokal

Im Jahr 1900 eröffnet, gehörten die überwachsenen und eingestürzten Gebäudereste bis 1970 zu dem sehr beliebten Ausflugslokal, dem Hotel-Restaurant Waldburg. Das einst so stolze Anwesen auf dem 9000 Quadratmeter großen Gelände oberhalb von Remagen, errichtete der am 20. März 1867 gegründete „Localverschönerungsverein“.

Ihm ist auch der heutige Name des 187 Meter hohen Berges zu verdanken: Der Koppen wurde zu Ehren der späteren Kaiserin in Viktoriaberg umgetauft. Die Ende des 19. Jahrhunderts aufkommende Rheinromantik stellte eine Gegenbewegung zur beginnenden Industrialisierung dar. Dank der Dampfschifffahrt und des sich ausweitenden Eisenbahnnetzes wollten viele Orte am Rhein von den Gästeströmen profitieren.

Aussichten übers Rheintal

So kaufte der Localverschönerungsverein Grundstücke an, baute Wege, stellte Ruhebänke auf und machte Aussichtspunkte wie den alten Koppen zugänglich. Dort wurden zunächst ein Pavillon und eine Terrasse angelegt. Ein Fußweg erschloss diese Anlagen. Die Touristenströme ließen nicht lange auf sich warten. So beschloss der Verein 1898, anstelle des Pavillons nach den Plänen eines Kölner Architekten einen Hotel- und Restaurantbetrieb zu errichten – umgeben mit Kastanien zu errichten. Die Kosten betrugen 28.335 Mark.

Am 6. Januar 1900 eröffnete eine Witwe Fletscher die Waldburg. Das schlug ein wie eine Bombe. Die Gästeschar wuchs stetig und so kam 1905 ein Küchenanbau und ein Abbortgebäude hinzu, 1908 eine Waschküche, 1914 ein Wärmeschrank und eine neue Kochanlage.

Das Hotel-Restaurant Waldburg

Das Hotel verfügte über 17 Zimmer. Die Machtübernahme der Nazis brachte einen Einbruch. Der Verschönerungsverein verkaufte die Waldburg 1936 für 37.500 Mark an das Gastronomen-Ehepaar Anni und Wilhelm Pilger. Dieses wiederum ließ die Waldburg modernisieren und errichtete in einem Nebentrakt eine Doppel-Kegelbahn.

Westlich des Hauptgebäudes entstand in Holzbauweise eine Halle mit Panorama-Blick und mit Platz für 1000 Personen. Diese wurde insbesondere für Betriebsausflüge in den 1950er Jahren fleißig mit Bussen angefahren. Neben Speisen und Getränken gab es Musik, Tanz und Spiel und manchmal auch ein Feuerwerk.

Das Ende des Ausflugslokals

Doch die große Halle wurde – warum auch immer – zum Aufreger. Darum wurde sie Anfang der 1960er Jahre abgebaut und für 20.000 D-Mark nach Niederbreisig verkauft, wo sie bis heute als Jahnhalle steht. Hinter der Waldburg wiederum entstand eine kleinere Halle, die später vom Remagener Tennisclub genutzt wurde.

Tochter und Schwiegersohn der Pilgers, Waldtraud und Majo Schumacher, führten die Waldburg weiter, obwohl bereits Flugreisen und Autos begannen, der Rheinromantik den Rang abzulaufen. Genau 70 Jahre nach ihrer Errichtung wurde 1970 der Hotel- und Restaurantbetrieb der Waldburg eingestellt.

Die Waldburg in Remagen als Lost Place, Rheinland.

Die Waldburg wurde wiederbelebt

Vier Jahre später kehrte ein letztes Mal Leben in die Waldburg zurück. Die Remagener Narrenzunft beging dort ihren Karneval. 700 Karnevalisten feierten an diesem letzten Abend zusammen mit den ehemaligen Betreibern und der Seniorchefin Anni Pilger. Danach gab es Pläne für ein Seniorenheim, doch die scheiterten an der Genehmigung. Die Waldburg blieb leer.

Sie wurde verkauft und sollte 1994 für 30 Millionen D-Mark in eine Neurodermitis-Klinik umgewandelt werden. Auch das scheiterte an der Finanzierung. Einer Wohnbebauung erteilte der Stadtrat unerbittlich eine Absage, als ein Immobilienmakler 2012 die Waldburg für 1,38 Millionen Euro zum Kauf anbot. Und so blieb sie ungenutzt bis heute, wo sich die Natur das Terrain inzwischen zurück erobert hat. Efeu hängt von zerstörten Wänden, Bäume wachsen auf alten Fliesenböden.

Was passiert mit der Waldburg?

Am 25. Januar 2023 wurde die Waldburg dann doch zwangsversteigert. Ihr Wert wurde auf zwei Euro geschätzt, denn der Denkmalschutz war bereits 2009 wegen des fortschreitenden Verfalls aufgehoben worden. Der Stadtrat änderte den Bebauungsplan, der heute keine Bebauung mehr zulässt. Nach dem Willen der Stadt soll die Ruine abgerissen und der wunderbare Park der Natur zurückgegeben werden. Ob dies auch so geschieht – wer weiß das schon?

Jedenfalls ist neuer Eigentümer der einstige Solarworld-Vorstandsvorsitzende Frank Asbeck. Er hat das 8000 Quadratmeter große Gelände für stolze 210.000 Euro ersteigert und die Waldburg Unternehmensgesellschaft gegründet. Ziel ist es die alten Gebäude nach historischem Vorbild wieder aufzubauen. Als Liebhaber historischer Gebäude ist Asbeck auch Besitzer des Schlosses Marienfels bei Remagen und des ehemaligen Forstguts Calmuth. Wie die Rheinzeitung berichtete, hat der neue Eigentümer dem Remagener Bau-Ausschuss jedenfalls detaillierte Pläne vorgelegt, in welcher Form das zerfallene Ausflugslokal wieder auferstehen könnte.

Ist die Waldburg noch zu retten?

Für die Änderung des Bebauungsplans für ein dort einst geplantes Klinikprojekt hat der Bauausschuss von Remagen jetzt grünes Licht gegeben. Die Stadtverwaltung leitet nun die Bürgerbeteiligung dafür ein, denn in Sachen Natur- und Lärmschutz das Projekt Waldburg nicht unumstritten. Derzeit jedenfalls ist das einst prächtige Anwesen nur noch ein Schatten seiner selbst. Das Dach des stattlichen Turms ist eingestürzt, ebenso die Fachwerkbalken des Gebäudes. Das Glas des Wintergartens liegt zerbrochen auf dem Boden, Graffiti ziert sämtliche, noch aufrecht stehende Wände. Heruntergefallene Eisenträger und Löcher im Boden, die den Blick auf den Keller freigeben, bestimmen das Bild.

Warum das so gekommen ist und warum nicht wenigstens das vermutlich in den 1960er Jahren errichtete Wohnhaus, in dem mindestens drei Wohnungen waren, nicht weiter genutzt wurde, bleibt ein Rätsel für den heutigen Betrachter. Indes böte dieser Lost Place derzeit noch die perfekte Kulisse für einen Gruselfilm.

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Weitere spannende Geschichten gibt es hier:

von Inga Sprünken
Schlagworte: Burg, Gesellschaft, Lost Place, Rheinland
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