Lebensgefahr durch gefälschte Abnehmspritzen

Abnehmspritzen

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Zwei stark übergewichtige Männer haben sich an die Rheinland-Reporter gewendet. Sie nehmen seit Monaten die Abnehmspritzen, doch ein großer Erfolg zeichnet sich nicht ab. Jetzt warnt die Apothekerkammer Nordrhein: Der Hype um sogenannte Abnehm-Spritzen bringe Patienten möglicherweise in Lebensgefahr. Wie das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) mitteilt, sind Fälschungen des gegen Diabetes eingesetzten Arzneimittels Ozempic aufgetaucht. Statt des Wirkstoffs Semaglutid enthalten diese gefälschten Pens nach ersten Erkenntnissen Insulin. Auch wenn beide Wirkstoffe zur Behandlung von Diabetes eingesetzt werden, haben sie komplett unterschiedliche Wirkmechanismen und völlig abweichende Dosierungen. Daher geht von den Fälschungen eine erhebliche Lebensgefahr aus. In Österreich hat nun der Hersteller eine Information für Patienten zur Identifizierung von Original-Pens herausgegeben. Laut BfArM liegen bisher noch keine Erkenntnisse vor, dass die Fälschungen Patienten in Deutschland erreicht haben. Doch ganz ausschließen kann man das nicht, so ein Informant zu den Rheinland-Reportern.

Abnehmspritzen
Das Präparat müssen sich die Patienten selber injizieren. Foto: Apothekerkammer

Überzeugt vom Resultat der Spritzen ist Markus nicht. Er ist den Rheinland-Reportern persönlich bekannt, möchte aber nicht mit seinem wirklichen Namen erscheinen, weil ihm “das peinlich ist. Ich habe zwar fünf Kilo abgenommen, bei meinem Übergewicht sieht man das aber kaum”, so der 49-Jährige. Eine Nebenwirkung habe er allerdings gemerkt. “Mir schmeckt plötzlich Alkohol nicht mehr.” Der andere Übergewichtige hat ähnliche Erfahrungen: “Es geht einfach nicht voran, obwohl ich die teuren Spritzen nehme.” Keine zehn Kilo hätte er abgenommen. “Die Waage ist immer noch dreistellig,” so Jens (59). Beide warnen vor zu großen Hoffnungen durch dieses angebliche Wundermittel. Von Fälschungen hätten sie auch schon gehört. Sie würden ihre Spritzen aber in der Apotheke kaufen.

Gier durch gefälschte Abnehmspritzen gefährdet das Leben von Menschen

“Man muss es ganz deutlich sagen: Gier gefährdet hier Menschenleben! Wer Arzneimittel gegen Diabetes fälscht, riskiert den Tod von Patienten. Nur, um ordentlich Kasse zu machen”, kritisiert Dr. Armin Hoffmann, Präsident der Apothekerkammer Nordrhein die kriminellen Machenschaften um die gefälschten Spritzen. “Unsere Patienten und alle Anwender müssen wissen, dass eine Überdosierung von Insulin zu lebensbedrohlichen Situationen führen kann. Man tut sich keinen Gefallen damit, diese Abnehm-Spritzen auf dubiosen Wegen zu besorgen. Nur Apotheken vor Ort – und nicht zwielichtige Bezugswege über das Internet – bieten die Sicherheit, die bei Arzneimitteln generell und hier in besonderem Maße wichtig ist.” Schon lange steht der Kammerpräsident dem Hype um das Diabetes-Mittel, das als vermeintliche Wunderwaffe zum Abnehmen anfangs zweckentfremdet wurde, kritisch gegenüber. “Gesunde Ernährung und Bewegung – das war, ist und bleibt die beste Strategie, um überflüssige Pfunde zu verlieren. Wer sich ohne angemessene ärztliche oder pharmazeutische Begleitung Arzneimittel zu Lifestyle-Zwecken besorgt, tut sich keinen Gefallen”, stellt Kammerpräsident Dr. Armin Hoffmann klar. Das bestätigen auch die beiden übergewichtigen Männer: “Wir müssen unsere Essgewohnheiten umstellen.” Nur das führe langfristig zum Ziel. Für Markus bedeutet das: die geliebte Naschschublabe, prall gefüllt mit Süßigkeiten, muss verschwinden.

Mittel wird als Wunderwaffe zum Abnehmen zweckentfremdet

Gesunde Ernährung und Bewegung – das war, ist und bleibt die beste Strategie, um überflüssige Pfunde zu verlieren. Dem Internet-Hype um ein Diabetes-Mittel, das nun als vermeintliche Wunderwaffe zum Abnehmen vielfach zweckentfremdet wird, stehen Experten der Apothekerkammer Nordrhein kritisch gegenüber. „Wir sehen, dass übertrieben positiv und bisweilen recht einseitig über bestimmte Medikamente berichtet wird, die Semaglutid enthalten. Manchmal unter dem Motto: Spritze rein – schlanker sein“, ärgert sich Dr. Armin Hoffmann, Präsident der Apothekerkammer Nordrhein. „Das ist wieder mal ein gutes Beispiel für einen sehr bedenklichen Trend, Arzneimittel zu Lifestyle-Zwecken zu missbrauchen. Davor können wir aus unterschiedlichen Gründen nur warnen.“

Off-Label-Use von Medikamenten ist nicht neu, dass also Präparate außerhalb des für sie eigentlich zugelassenen Anwendungsgebietes genutzt werden. Zuletzt gab es vor allem im Internet einen Hype um Medikamente, die dem Elektrolyt-Verlust bei Durchfall entgegenwirken sollen – sie wurden von Menschen vorbeugend gegen einen Kater durch übermäßigen Alkoholkonsum genommen. Die Folge waren leere Regale in Apotheken und beim pharmazeutischen Großhandel und das Fehlen von Medikamenten zum Ausgleich eines Elektrolytverlustes bei Durchfallerkrankungen.

Ernste Gefahr für chronisch kranke Menschen droht

Die aktuellen Lieferengpässe bei vielen Medikamenten – sie können auch durch diese Internet-Trends zur ernsten Gefahr für chronisch kranke Menschen werden. Es wäre verheerend, wenn Typ-2-Diabetiker demnächst nicht mehr mit dringend benötigten Medikamenten versorgt werden können, nur, weil jemand einem übertriebenen Schönheitsideal nachkommen möchte oder sich die Zeit für eine sinnvolle Umstellung des eigenen Lebensstils nicht nehmen möchte. Zwar gäbe es Präparate mit dem gleichen Wirkstoff, höher dosiert speziell zur Behandlung von Adipositas, einer schweren Form von Übergewicht – die seien aber trotz EU-Zulassung noch nicht in Deutschland erhältlich. Für leichtes Übergewicht und ohne an Diabetes Typ 2 erkrankt zu sein, ist der verschreibungspflichtige Wirkstoff nicht zugelassen.

Wirkstoff kann unter anderem zu Übelkeit, Erbrechen und Durchfall sowie Gallensteinen führen

Neben der Wirkung auf die Insulinsekretion kann der Wirkstoff unter anderem zu Übelkeit, Erbrechen und Durchfall sowie Gallensteinen führen. Auch eine erhöhte Herzfrequenz oder eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse sind möglich. Aufgrund der potenziellen Nebenwirkungen ist beim Einsatz von Semaglutid eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung und engmaschige ärztliche Kontrolle wichtig.  Nach Abwägung aller für und gegen die Anwendung sprechender Gesichtspunkte kommt der Einsatz nur für bestimmte Patienten in Betracht. Auf keinen Fall sollte ein Einsatz außerhalb der vorgesehenen Indikation erfolgen.

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