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Geschichte(n)

Grusel-Haus von Köln – spukt es da wirklich?

Grusel-Haus von Köln - spukt es da wirklich?

Das Grusel-Haus von Köln

Es gibt Orte, die negative Energien ausstrahlen. Oftmals sind an diesen Orten wie etwa im „Tal des Todes“ schlimme Dinge passiert. Menschen sind gestorben – in Schlachten. Manchmal auch wird ein Grusel-Haus auf einer Begräbnisstätte erbaut, von der man heute nichts mehr weiß. US-Horror-Filme wie Stevenbergs „Poltergeist (#link zum Film)“ aus dem Jahr 1982 greifen das Thema auf. In diesem Blockbuster wurde eine Neubausiedlung auf einem ehemaligen Friedhof errichtet – mit ungeahnten Folgen.

Natürlich ist dieses Grusel-Haus Fiktion. Meistens aber haben Legenden und Geschichten über gruselige Orte wie der Hexenmühle im Wispertal auch einen wahren Kern. Dass eine hochherrschaftliche Villa im Kölner Stadtteil Fühlingen zum Grusel-Haus wurde, könnte vielleicht mit einem einschneidenden Ereignis zu früheren Zeiten erklärt werden. Denn unweit davon fand die einst eine größte und blutigste Schlacht des Mittelalters statt: die Schlacht von Worringen forderte Tausende Tote, die im Umkreis in Massengräbern verscharrt wurden.

Die Schlacht bei Worringen

Es war der 5. Juni 1288, an dem es zur Entscheidungsschlacht zwischen dem Erzbischof von Köln und dem Grafen von Berg gab. Die Erbfeindschaft zwischen Köln und Düsseldorf soll hier ihren Anfang genommen haben. Im Bereich der Neusser Landstraße, zwischen dem Worringer Bruch und der Fühlinger Heide, dem wichtigsten Gebiet zwischen dem linksrheinischen Köln und dem rechtsrheinischen Düsseldorf, standen sich an jenem Tag im Juni gewaltige Ritterheere mit großen Fußtruppen gegenüber.

Der Graf Adolf von Berg hatte vergeblich versucht, bei der Wahl im Jahr 1274 seinen Bruder als Erzbischof durchzusetzen und war damit ein Feind des amtierenden Erzbischofs Siegfried von Westerburg. Der Graf war zudem in den (ziemlich verworrenen) Erbfolgestreit in Limburg (Belgien) involviert, der von 1282 bis 1288 dauerte. In der Schlacht bei Worringen am 5. Juni 1288 unterlag der Erzbischof jedoch schließlich dem Herzog Johann I. von Brabant, der im Auftrag von Adolf von Berg das gegnerische Heer anführte. 

Das Grusel-Haus von Koeln von vorne.

Das Grundstück für die Villa

Zu den Gegnern des Kölner Erzbischofs gehörten auch Bürger von Köln, die Kölner Miliz. Seit Jahrhunderten schon stritten sie für mehr Autonomie. Entgegen üblicher Praxis im Mittelalter, bei Gefechten eher Gefangene zu nehmen, als zu töten, war es hier anders. Das lag vermutlich am Einsatz der bergischen Bauern als Fußvolk, die zusammen mit der Kölner Miliz brutal in den Kampf eingriffen. Ganze Berge toter, teilweise bis zur Unkenntlichkeit entstellter Körper sollen anschließend in Massengräbern im Umkreis verscharrt worden sein. (Quelle: Wikipedia)

Unweit von diesem „Blutacker“, in der Fühlinger Heide, errichtete der Kölner Bankier Eduard Freiherr von Oppenheim (1831-1909, Quelle: KuLaDig) im Jahr 1888 sein prächtiges Herrenhaus als Sommerresidenz. Möglicherweise waren auch auf seinem 53 Hektar umfassenden Land Tote aus der Schlacht in einem Massengrab begraben worden. Oppenheim hatte das Land um das Jahr 1884 von der Gemeinde Fühlingen erworben.

Zum Grusel-Haus gehörte eine Pferderennbahn

Auf diesem riesigen Areal sollte nicht nur Platz für sein herrschaftliches Gutshaus sein, sondern auch für sein Gestüt mitsamt Pferderennbahn. Seine Familie besaß bereits das 1869 gegründete und nach einem ehemaligen Rittergut benannte Gestüt Schlenderhan im 30 Kilometer entfernten Quadrath-Ichendorf. Das bis heute bedeutendste deutsche Vollblutgestüt wurde aufgrund der späteren Verfolgung der jüdischen Familie in der NS-Zeit zwangsweise an die SS verkauft.

In Fühlingen befand sich die einstige Rennbahn genau dort, wo sich heute der Fühlinger See erstreckt. Der Gemeinde Fühlingen kam das Geld von Oppenheim für das Land gerade recht. Davon errichtete sie im Jahr 1887/88 die Kirche St. Marien. Oppenheim errichtete ein zweieinhalbstöckiges Herrenhaus mit großflächigen Anlagen und Gärten. Die besagte Pferderennbahn entstand auf der gegenüberliegenden Seite der damaligen Grande Route de Neuss à Cologne (Neusser Landstraße/B 9).

Die Oppenheims waren Juden

Die Familie war bereits im 18. Jahrhundert im Frankfurter Bankgeschäft tätig. Wie der Name sagt, stammte sie ursprünglich aus Oppenheim im heutigen Rheinland-Pfalz und war jüdischen Ursprungs. Salomon Oppenheim junior (1772-1828) verlegte 1798 die Geschäfte des rund zehn Jahre zuvor in Bonn begründeten Kommissions- und Wechselhauses nach Köln.

Innerhalb von wenigen Jahren stieg seine Bank zur zweitgrößten in Köln auf und platzierte direkt hinter dem 1791 gegründeten Bankhaus Schaaffhausen. Der jüdische Inhaber wurde 1822 in die Kölner Handelskammer aufgenommen. Andere Familienmitglieder wie etwa Dagobert Oppenheim zogen sogar in den Stadtrat ein. In den 1860er Jahren wurde die wohlhabende Familie zu österreichischen und preußischen Freiherren „von Oppenheim“ geadelt.

Das Grusel-Haus von Koeln Veranda

Villa Oppenheim als Grusel-Haus

Die Familie war sogar an der Förderung der Vollendung des Kölner Doms im Jahr 1880 beteiligt, wurde aber in der Zeit des Nationalsozialismus als „Mischlinge 2. Grades“ bezeichnet. Die Existenz der Bank konnte jedoch durch einen Treuhänder über die Nazi-Zeit hinaus gesichert werden. 2008 aber geriet die Oppenheim-Bank durch die Finanzkrise in Schieflage. Nach 221 Jahren in Familienbesitz wurde die Privatbank im März 2010 im Zuge eines Notverkaufs als Tochtergesellschaft von der Deutschen Bank übernommen.

Die Villa Oppenheim, die wegen eines gleichnamigen Herrenhauses in Bayenthal auch „Haus Fühlingen“ genannt wird, wurde um das Jahr 1880 erbaut. Noch findet man Reste der einst prächtigen Zufahr durch ein Tor. Eine großzügige Freitreppe führte zu der imposanten Veranda, über das Grusel-Haus noch heute betreten wird. Darüber befand sich ein Balkon, der zur heutigen Zeit den Blick auf den Fühlinger See ermöglichen würde. Damals schaute man von dort auf die Pferderennbahn.

Die Villa wurde bald wieder verkauft

Doch erstaunlicherweise verkaufte Eduard von Oppenheim, der jüngste von vier Oppenheim-Kindern, das prächtige Anwesen bereits im Jahr 1907 wieder. War es damals schon zu seltsamen Vorkommnissen im oder um das Herrenhaus gekommen? Die Pferderennbahn wurde von dem neuen Eigentümer abgeholzt und teilweise ausgebaggert. Ab dem Jahr 1912 baggerte man in der Fühlinger Heide Kies (Wikipedia) für den Bau der Bahnstrecken Köln-Aachen und Köln-Krefeld aus. Der Kies wurde zudem für Zement benötigt.

Die Kiesgruben füllten sich durch einen unterirdischen alten Rheinarm schnell mit Grundwasser. Bei noch aktivem Baggerbetrieb nutzten Badegäste den See bereits in den 1930er Jahren zum Schwimmen. Die alten Gruben rekultivierte man ab 1967, das Naherholungsgebiet Fühlinger See entstand. Dieser besteht eigentlich aus sieben Seen, die für unterschiedliche Nutzungen vorgesehen sind.

Das Grusel-Haus von Koeln Flur.

Der Fühlinger See liegt gegenüber dem Grusel-Haus

Dazu gehört eine Regattastrecke für Ruderer, ein Freibad mit Sporttauchen, ein Angelsee, ein Surfsee und drei Bade- und Bootsseen. Die Tiefe des Sees liegt zwischen zehn und 20 Metern. Die Regattastrecke hat eine Gesamtlänge von 2300 Metern und ist 130 Meter breit.

Im Jahr 1963 kaufte die Stadt Köln die herrschaftliche Villa Oppenheim von der Witwe eines ehemaligen NS-Richters. Dieser war nach dem Zweiten Weltkrieg dort eingezogen und hatte sich 1962 in der Silvesternacht im zweiten Stock des Hauses erhängt. Die Witwe hatte danach noch einige Jahre allein im dem Grusel-Haus gelebt. Im Jahr 2000 verstarb sie in einem Altenheim.

Zwangsarbeiter am Grusel-Haus hingerichtet

Zuvor waren aber noch andere unschöne Dinge im Grusel-Haus geschehen. Die Nazis hatten es als Schlaflager für Zwangsarbeiter genutzt. Einer soll eine heimliche Beziehung zur minderjährigen Tochter des dort ebenfalls ansäßigen Gutsbesitzers unterhalten haben. Daraufhin wurde der 19-Jährige unweit der Villa Oppenheim von der Gestapo hingerichtet. Die Geschichte mit der Beziehung stellte sich im Nachhinein als erfunden heraus.

Nach dem Erwerb der Villa riss die Stadt Köln die hinteren Seitenflügel und die Reithalle ab. Das geschah vermutlich in Zusammenhang mit den Planungen des neuen Kölner Stadtteils Chorweiler. Zudem gab es Mitte der 1960er Jahre auch die Versuchsstrecke einer Einschienen-Schnellbahn an dieser Stelle. Die Trabantenstadt Chorweiler entstand in den 1970er Jahren.

Ein Toter im Grusel-Haus

Umbauarbeiten an der Villa Oppenheim erfolgten in den 1970er Jahren. Zu dieser Zeit sollen hier ein Mercedes und ein VW eingemauert worden sein – warum auch immer. Im Jahr 1980 wurde das Herrenhaus in die Denkmalliste der Stadt Köln eingetragen. Warum die Stadt sich in der Folge nicht für den Erhalt dieses Denkmals einsetzte, soll eine Presseanfrage klären, die noch nicht beantwortet wurde.

Ein weiterer Todesfall ereignete sich im Jahr 2007. Ein Mann aus Seeberg wurde tot im Grusel-Haus im aufgefunden. Die Polizei ging von Selbstmord aus. Zu dieser Zeit war das einst prächtige Gutshaus schon zum Lost Place mutiert. Und nicht nur das. Die Villa machte sich im Laufe der Zeit auch den Namen als Grusel- oder Geisterhaus. So zog es im Laufe der Jahre bereits zahlreiche Geisterjäger an. Deren Erzählungen reichen von seltsamen Lichterscheinungen bis hin zu aufgefundenen Grabsteinen. Und auch schwarze Messen sollen hier noch heute immer wieder abgehalten werden. Davon zeugen die vielen Teufelsdarstellungen an den Wänden des nicht gesicherten Anwesens.

Das Grusel-Haus von Koeln Treppe

Wohnungen im Grusel-Haus?

Betritt man das Grusel-Haus heute, gelangt man in den einst prächtigen Flur, von dem eine mächtige Steintreppe ins Obergeschoss führt. Irgendwer hat jedoch ein großes Loch in die Treppe gehauen. Ihre Stufen liegen auf der Treppe zum Keller, durch den immer wieder Menschen hinein gelangen. Möglicherweise wollte man verhindern, dass andere in die oberen Stockwerke gehen. Das funktioniert allerdings nicht. Es ist unschwer zu erkennen, dass immer wieder Neugierige über das gefährliche Loch hinweg klettern.

Im Jahr 2004 verkaufte die Stadt Köln das Haus an eine Investorengesellschaft. Seit 2008 gab es immer wieder Versuche, das Grusel-Haus zu renovieren und zu einer Luxusresidenz oder aber zu Wohnungen umzubauen. 2012 erwarb die Dolphin Capital, die später in Dolphin Trust umbenannt wurde, die Villa und stellte 2017 einen Bauantrag. Die Ablehnung des Bauantrages in 2018 erfolgte wegen Unvollständigkeit der Unterlagen, wie Jutta Doppke-Metz mitteilt. Die Unterlagen seien nicht eingereicht worden, so die Pressesprecheerin. Geplant hatte die Investorengesellschaft 35 Luxus-Wohnungen zwischen 45 und 165 Quadratmetern. Seit Ende 2019 laufen staatsanwaltliche Ermittlungen gegen die Unternehmensgruppe.

Zwei alte Bäume könnten viel erzählen

Immer wieder wurde an dem inzwischen niedergelegten Bauzaun, der das Gelände um das Grusel-Haus umgibt, auf Plakaten für Neubau-Wohnungen. Zuletzt war das im Frühjahr 2020 der Fall. Getan hat sich trotzdem nichts. Stattdessen schreitet der Verfall unaufhaltsam fort. Das Grusel-Haus und seine Nebenflügel sind mit Graffiti bemalt. Umgeben ist es nicht nur von teils undurchdringlichen Brombeerranken, sondern auch von Müll.

Einzig zwei uralte Zwillings-Ulmen zeugen noch der einst hochherrschaftlichen Vergangenheit des heutigen Grusel-Hauses. Würden sie reden können, hätten sich bestimmt einiges Interessantes und bestimmt auch Schauriges zu erzählen. Wie die Pressesprechern mitteilt, wurde der Villa aufgrund fortschreitenden Verfalls der Denkmalstatus im Jahr 2023 aberkannt.

Das Grusel-Haus von Koeln Vorderfront.

Das Grusel-Haus und sein Ende

Die Stadt Köln hatte diese Entscheidung dem Ausschuss für Kunst und Kultur und der Bezirksvertretung Chorweiler mitgeteilt. Als Grund gab sie an, dass sie im August 2022 Gespräche mit dem Insolvenzverwalter der Eigentümergesellschaft geführt hatte, um den Denkmalschutz zu erhalten. Diesem jedoch kamen die Überlegungen zur Aberkennung des Status vermutlich recht. Schließlich ist der Erhalt des Herrenhauses nach seinem jahrlangem Verfall unwirtschaftlich.

Einige Stimmen aus der Bezirksvertretung Chorweiler bedauern den Verlust des historischen Gebäudes. Zudem kam heraus, dass der Investor es sich vor seiner Insolvenz zum Geschäftsmodell gemacht hatte, denkmalgeschützte Immobilien verfallen zu lassen. Ein Mittel gegen solche Vorgehensweise wäre eine erhöhte Grundsteuer für leer stehende Häuser. Aber das steht auf einem anderen Blatt. Fakt jedenfalls ist, dass das Grusel-Haus inzwischen als eines der bekanntesten Deutschlands gilt. In den sozialen Medien berichten Menschen immer wieder über paranormale Beobachtungen in der Villa.

Spannende Grusel-Geschichten gibt es auch als Hörbuch (#Anzeige). Ein Videovom Grusel-Haus gibt es auch bei Youtube.

Mehr spannende Geschichten aus dem Rheinland gibt es in unseren Büchern: “Geschichte(n) aus dem Rheinland“ und „Düstere Geheimnisse des Rheinlands“ (#anzeige)

von Inga Sprünken
Schlagworte: Historie, Köln, Legenden, Lost Place, Rheinland
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