Der Eipbach in Eitorf – und die kleinste Talsperre in NRW
Von Karl Heinz Sterzenbach
Neben der Sieg prägen viele kleinere, ihr zulaufende Gewässer das Bild von Eitorf. Von diesen hat der Eipbach mit rund 24 Quadratkilometern nicht nur das größte Einzugsgebiet, sondern aufgrund seines Verlaufs und mit seinem Namen eine besondere Bedeutung für die Gemeinde Eitorf. Der nachfolgende Beitrag will aufzeigen, warum das so ist – und bei der Gelegenheit ein paar kleine Geheimisse aufdecken. Zunächst fällt nicht auf, dass es sich bei „Eipbach“ um eine Art Dopplung handelt, was die Bedeutung des Namens betrifft. Klar ist, was ein „Bach“ ist: Ein fließendes Gewässer, halt kleiner als ein Fluss, wobei die Grenze dabei fließend ist (wie bei Gewässern eben üblich).
Aber was bedeutet „Eip“ oder woher kommt es? Alle sprachwissenschaftlichen Beiträge dazu sind sich darin einig, das „Eip“ seinen Ursprung in „apa“ hat. Weitgehende Einigkeit besteht auch darin, dass es sich dabei um einen westeuropäischen Flussnamenstypus handelt und das Wort „Wasser“ oder „Fluss“ bedeutet. Der Wortursprung ist indes einigermaßen umstritten, wobei sich geografisch der Streit nicht nur auf Eitorf beschränkt. Das zeigt zum Beispiel ein ausführlicher Beitrag des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde mit dem Titel „Die apa- Frage“. Der Autor Ernst Schwarz betrachtet wohl in den 1950er Jahren eingehend den Streit darum, ob „apa“ keltische oder germanische Sprachwurzeln hat. Ohne den Streit hier entscheiden zu wollen, scheint es nach überwiegender Meinung germanischen Urspungs (#anzeige) zu sein, wobei dann wieder manche meinen, die Germanen hätten das aus dem Keltischen entlehnt.
Der Wasser-Bach in Eitorf
Nun ja, in unserem Bereich von Westeuropa lag nun mal die Vermischungsgrenze keltischer und germanischer Siedlungsbereiche. Ich mag beide. Fest steht damit, dass „Eip-Bach“ bei genauer Betrachtung meint: Wasser-Bach oder Fluss-Bach. Ich denke, der Rheinländer als solcher war sich nicht ganz sicher und dachte sich: Doppelt hält besser, ist auch einfacher auszusprechen und damit hat der „Bach“ gleich auch einen Eigennamen. Nach Lage der Dinge einen wirklich einzigartigen: So sehr man auch googelt, im deutschsprachigen Raum gibt es nur diesen einen Eipbach. Wir können also dabei bleiben, Verwechslungen ausgeschlossen, ein Alleinstellungsmerkmal von Eitorf.
Kaum umstritten und wenig geheimnisvoll ist der Einfluss des Gewässernamens auf den Namen von Eitorf sowie einiger Dörfer: „Eitorf“ erschließt sich dann als „Dorf an der Eipe (apa)“, Mühleip als „Mühle an der Eipe“, Obereip als Siedlung „über der Eipe“ und Kircheib als „Kirche an der Eipe“. Tja, mangels GPS oder Google-Maps war damals namensgebend, was so an Besonderheiten in der fußläufigen Umgebung lag und irgendwie eine Siedlung prägte.
Weder das Ei noch der Torf waren namensgebend
Entgegen dem, was manche, die Eitorf gar nicht kennen, denken hat das also weder etwas mit dem Ei oder dem Torf zu tun. Ich bin sicher, dass viele bei Angabe ihres Wohnorts schon die Frage „Eitorf? Wie schreibt sich das?“ gehört oder in der Wiedergabe dann abenteuerliche Schreibweisen gesehen haben. Diese Irritationen sind geschichtlich nicht verwunderlich. In der ersten urkundlichen Erwähnung unseres Heimatortes A.D. 1144 lautet die Schreibweise „Eidtorph“. Zum einen könnte man glatt auf die Idee kommen, das habe etwas mit einem „Eid“ zu tun und zum anderen: Möchten Sie Ihre Adresse heute so schreiben: 53783 Eidtorph? Nun, der Commissarius Heinrich Rödingen als Beauftragter des damaligen Landesherrn hatte rund 500 Jahre später wohl den Auftrag, Eitorf zu beschreiben.
In einer Urkunde aus 1644 nennt er das Kirchspiel „Eytorff“ und zugleich „Eittorffer Dorff“ (zitiert nach: Willi Hönscheid in „Eitorf – Sonderausgabe der Heimatblätter“ Heimatverein Eitorf e.V., zum 850ten Jahrestag der Gemeinde Eitorf, 1994). Nun ja, aus heutiger Sicht Verwirrung stiftend, nicht gerade aussprachefreundlich und schwer von der Sprache in eine einheitliche Schriftweise transformierbar. Es wundert nicht, dass sich das Ganze in der Neuzeit in „Eitorf“ wandelte.
Diese und andere spannende Geschichten findet man in der aktuellen Ausgabe der Eitorfer Heimatblätter, die ab sofort erhältlich sind beim Heimatverein Eitorf, in der Buchhandlung Windrose, der Kreissparkasse und der Volksbank Eitorf.
Obereip oder Obereib?
Was auch auffällt: Warum schreibt sich Mühleip und Obereip mit scharfem „p“ am Ende und Kircheib mit weichem „b“? Das hat damit zu tun, dass Eitorf an der Grenze zweier historischer Dialekte liegt: Dem nordmittelfränkischen (auch ripuarisch genannt) nördlich der Sieg und dem moselfränkischen südlich angrenzend. Die sogenannte Lautumwandlung nahm dann über Jahrhunderte bis hin zur einheitlichen Rechtschreibung eben andere Wege.
Um es aus der Sicht eines Eitorfer Handwerksbetriebs, hier ganz authentisch wiedergegeben, einmal deutlich zu machen: Der Kundenwunsch (aus dem Kreis Altenkirchen): Ich möchte das Fahrzeug „plau“ lackiert haben. Der sorgfältige Rheinländer sagt: Also in blau? Man ist sich dann einig, gemeint ist blau. Die Lautumwandlung stiftet noch heute Verwirrung. So setzte noch vor einigen Jahren der Landesbetrieb Straßen NRW einen Wegweiser mit „Obereib“ an die L 86 und die Gemeinde Eitorf einen mit „Kircheip“ an den Ortsausgang von Obereip. Soviel zur Lautumwandlung binnen weniger Kilometer Entfernung. Wir erkennen: Eitorf liegt an einer Sprachgrenze und es kommt ganz gut klar damit. Im Übrigen setzt sich die Einzigartigkeit von „Eipbach“ mit „Eitorf“ fort – es gibt weltweit nur dieses eine Eitorf.
Das Geheimnis um die Quelle
Üblicherweise beginnt ein Fließgewässer an seiner Quelle und endet mit der Mündung, sei es in ein anderes Gewässer oder ins Meer. Für den Eipbach wird dessen sich daraus ergebende Länge allgemein mit gut zehn Kilometern angegeben. Die Mündung in die Sieg ist klar zu verorten, aber wo genau liegt die Quelle des Eipbachs? Wie wir noch feststellen werden, gibt es dazu die fachlich-amtliche Feststellung (Geografie, Hydrologie, Vermessung) und die sagen wir mal volkstümliche Sichtweise. Fangen wir mal mit letzterer an.
Weil Wasser bergab läuft, muss die Quelle höher liegen als die Mündung. Sicher ist, dass „Kircheib“ die „Kirche an der Eipe“ meint. Auch hat es eine im Ursprung sehr alte Kirche. Alles spricht dafür, dass bei der Etablierung des Namens zur Bestimmung der Lage der Kirche und der dazu gehörigen Gemeinde das „an der Eype“ (so die erste schriftliche Benennung des Eipbachs 1487) zu Hilfe genommen wurde. Deswegen und weil die Kirche sehr viel höher als die Mündung des Eipbachs liegt, muss dessen Quelle demnach irgendwie in der Nähe der Kirche von Kircheib, sagen wir mal in Sichtweite, liegen.

Der Kircheiber Born
Schauen wir uns das einmal näher an. Der oben erwähnte Commissarius Heinrich Roedingen beschreibt das 1644 so, dass sich der Eipbach (Eipperbach) unterhalb Obereip nach Osten wendet und seinen Anfang, also seine Quelle, im Bereich „heuppelrodt“, also Hüppelröttchen, habe (Willi Hönscheid a.a.O.). Das ist ganz woanders als in der Nähe der Kircheiber Kirche. Zutreffend meint Willi Hönscheid, dass davon ausgehend der Wohmbach „irgendwann umbenannt worden sein“ muss. Genauso gut kann sich der Commissarius auch ganz einfach geirrt haben.
Anders hingegen in „Kircheib – Eine Chronik in Bildern und Dokumenten (2018)“. Dort heißt es auf Seite 130: „Die Eipbachquelle – Kircheiber Born genannt – entspringt ca. 100 Meter oberhalb einer mächtigen Eiche“. Eine Zeichnung von W. Weiper aus Hennef von 1964 soll die Lage verdeutlichen. Geht man diesen Hinweisen nach, findet man etwa 250 Meter nordöstlich der Kirche die alte Eiche, heute abgestorben, am Fuß umspült von einem winzigen Wasserlauf, der aus einem kleinen Hang heraustritt.
Die vermeintliche Eipbach-Quelle
Geht man von dort bergauf etwa hundert Meter nach Süden, trifft man auf eine sorgfältig gemauerte Quellfassung aus dem ortsüblichen Basalt, aus der Wasser austritt. Gewissermaßen gekrönt wird das Ganze mit einem Quellstein mit der Aufschrift „Eibbachquelle – 2002“ und daneben einer jungen Eiche. Da haben wir sie wieder, die Sache mit dem „b“ und dem „p“. Dieses Werk stammt von einem Kircheiber Bürger, unterstützt von der Gemeinde. Nun, eines kann man festhalten: Was die Kennzeichnung und die Ehrung der Eipbachquelle betrifft, zeigt sich in Kircheib deutliches ehrenamtliches Engagement von heimatverbundenen Menschen.
Aber ist das auch geografisch/hydrologisch wirklich die Eipbachquelle? Die amtlichen Kartenunterlagen zeigen, dass es sich nach Einschätzung beider Bundesländer dabei nicht um den Eipbach, sondern den Bornbach handelt. Das deckt sich mit der Aussage aus der Kircheiber Chronik „… Kircheiber Born genannt…“ Wie wir auch sehen, ist mit „Bornbach“ (übersetzt: Quellbach) die Sache mit „apa“ oder „eype“ nicht in Rede. Jedenfalls verschwindet der Bornbach wenige Meter nach seiner Quelle in einem Betonschacht, fließt aus diesem wieder verrohrt und erdabgedeckt aus, bis er an der abgestorbenen alten Eiche wieder zu Tage tritt.
Der Eipbach und der Obereipbach
Mit Überschreitung der Landesgrenze nach etwa 500 Metern weiterem Verlauf heißt der Bornbach dann Obereipbach und mündet nach nur etwa tausend Metern Gesamtlänge etwa oberhalb der Bushaltestelle Obereip in einen anderen Bach. Welchen genau, werden wir noch sehen. Wir können also festhalten: Der gesetzte Quellstein ist ein wunderschöner Ort mit einer tollen Aussicht auf das Siegtal und das Bergische. Auf dem „Zeit-Reise-Weg Kircheib“ einem Erlebnisweg des Natursteigs Sieg, kommt man dort vorbei. Und Respekt für das Engagement des Mannes, der die Quelle fasste und den Stein setzte! Aber es ist die Quelle vom Bornbach, später Obereipbach, und nicht die Eipbachquelle.
Die Suche geht also weiter, zunächst einmal wie erwähnt in Sichtweite der Kirche von Kircheib. Abweichend von der Kircheiber Chronik sagt uns Wikipedia, der Eipbach entstehe „etwas westlich von Kircheib unter dem Namen Birnbach oder Eitorfer Bach noch in Rheinland-Pfalz.“, gehe dann aber „sehr schnell“ auf das Gebiet der Gemeinde Eitorf über. Etwas westlich der Kirche trifft man auf einen flachen Quellsiefen. Der heißt eindeutig „Birnbach“ und tatsächlich quert er auch sehr schnell die Landesgrenze. Allerdings mündet er dann wieder in einen anderen Bach.
Der namensgebende Bach hat keine Quelle
Es nützt alles nichts, wir müssen die Sache „von unten“ angehen und beginnen am Hochwasserrückhaltebecken Obereiper Mühle. Klar ist hier, von Osten kommt der Wohmbach und von Süden der Eipbach in das Becken. Letzteren gehen wir mal flussauf. Alsbald trifft man auf die Stelle, an der der Obereiper Bach (in Kircheib: Bornbach) mit einem anderen Gewässer zusammenfließt, das von Süden entlang der L 86 kommt. Laut Kartenwerken ist dieses der „Eitorferbach“. Dessen Quelle wiederum liegt ganz knapp hinter der Landesgrenze östlich der L 86 und etwa fünfzig Meter unterhalb der Einmündung der K 27 Richtung Lindscheid.
Nun haben wir das Geheimnis der Eipbachquelle gelüftet: Unser Eipbach hat gar keine Quelle. Er beginnt mit dem Zusammenfluss von Eitorferbach und Obereipbach, ersterer gespeist vom Birnbach und letzterer in Rheinland-Pfalz Bornbach genannt. Und folgerichtig heißt der Bach in amtlichen Kartenwerken erst ab diesem Zusammenfluss Eipbach, beginnt damit in Nordrhein-Westfalen in der Gemeinde Eitorf und endet auch in dieser. Dieses Schicksal teilt er zum Beispiel mit der Weser. Auch sie hat keine Quelle, sondern entsteht durch den Zusammenfluss von Fulda und Werra.
Die Sache mit dem See
Der Eipbach ist gerade erst mal rund fünfhundert Meter unterwegs, da zeigt sich ein weiteres kleines Geheimnis. Mit dem von Osten kommenden Wohmbach trifft er auf das Hochwasserrückhaltebecken (HRB) Obereiper Mühle. Dieses wurde bald nach dem Eipbachhochwasser von 1970 gebaut, um den großen und damit hochwasserträchtigen Einzugsbereich des Wohmbachs, an dieser Stelle sehr viel kräftiger als der noch junge Eipbach, dämpfend für Mühleip und Eitorf abzufangen. Weil das HRB im Dauerstau ist, treffen die beiden Bäche auf ein stehendes Gewässer.
Wenig bekannt ist, dass dies ursprünglich so nicht beabsichtigt war. Die Staumauer und das komplexe Ablauf- und Drosselbauwerk aus Beton waren so geplant und genehmigt, dass das HRB und damit das Bauwerk ohne Dauerstau „im Trockenen“ stehen sollten. Will heißen ein Becken, in dem nur die beiden Bachläufe verlaufen und das Wasser nur in definierten Hochwasserfällen gestaut werden sollte. Gewissermaßen nachträglich hatte die Gemeinde Eitorf den Wunsch nach einem für Touristik und Erholungszwecke (Baden, Kahnfahren) nutzbaren, kleinen See geäußert und am Ende auch durchgesetzt. Die wasserrechtliche Genehmigung wurde in der Folge mit einer zweiten Stufe auf den Dauerstau gebracht, also auf die Genehmigung „im Trockenen“ im laufenden Verfahren als zweite Stufe „aufgesetzt“.

Einst war es ein Wasserrückhaltebecken
Was man in den 1970er Jahren nicht bedachte: Das Betonbauwerk war nicht dafür ausgerichtet, dauerhaft halb im Wasser zu stehen. Das bedeutet langfristig große Schwierigkeiten bei der Unterhaltung und erhöht den Verschleiß. Zugleich bedeutet ein stehendes Gewässer erheblich größere Ablagerung von Sedimenten, die besonders der starke Wohmbach fleißig aus den Hügeln einbringt. In der Folge dessen verringerte sich fortlaufend das Rückhaltevolumen, was bei einem trockenen Becken nicht geschieht. Und mit den Sedimenten (auf Deutsch: Schlamm) kommt auch starker Wasserpflanzenbewuchs. Recht schnell war es dann auch vorbei mit der Nutzung zum Baden oder Kahnfahren.
Auch ökologisch war das keine gute Idee: Für die typische Fauna eines Fließgewässers, besonders für die wichtigen Kleinstlebewesen, wirkt ein stehendes Gewässer wie eine Sperre. Wandern wird schwierig, wenn nicht sogar ausgeschlossen. Anders die Amphibien: Mit durch Sedimente und Bewuchs flacher werdendem See wird das Wasser wärmer und für Grasfrosch, Erdkröte und Molche äußerst attraktiv als Laichgewässer. Und so eroberten sich über die Jahre diese Wirbeltiere den See oder besser Teich, wo es vorher keinen gab.
Die Amphibien wandern zum Wasser
Dumm nur, dass er an zwei Seiten durch Straßen eingesäumt ist, eine davon die stark befahrene L 86. Die Hin- und Rückwanderung dieser Wirbeltiere endete also vielfach tödlich, denn niemand hatte in den 1970ern daran gedacht, Amphibien-Leiteinrichtungen oder gar Tunnel unter den Straßen zu bauen. So erklärt sich, dass seit vielen Jahren der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (B.U.N.D.) zusammen mit ehrenamtlichen Helfern alljährlich im Frühjahr das Schlimmste verhindert. Aktuell betreut dort die Amphibienschutzgruppe des Heimatvereins Eitorf die mobilen Leiteinrichtungen.
Der für die Unterhaltung des HRB Obereiper Mühle zuständige Wasserverband Rhein-Sieg-Kreis bemüht sich seit Jahren um die Beseitigung dieser Fehler der Vergangenheit. Dazu muss man wissen, dass die Kosten der Unterhaltung des HRB eins zu eins auf die Gemeinde Eitorf umgelegt werden. Denn es handelt sich um eine Hochwasser-Schutzeinrichtung, von der allein die Gemeinde Eitorf profitiert. Zusammengefasst lautet der Plan des Wasserverbands wie folgt: Mit einer neuen wasserrechtlichen Genehmigung soll der Dauerstau entfallen und das Becken zu einem trockenen werden. Dies erleichtert die notwendige Sanierung und Unterhaltung des Ablauf- und Drosselbauwerks und verbessert seine Haltbarkeit. Zugleich werden die aufwändige Beseitigung der Sedimente und deren weitere Ablagerung vermieden und das Rückhaltevolumen erhalten.
Die Rettung der Lurche
Beides bewirkt langfristig eine erhebliche Minderung der Unterhaltungskosten. In dem dann trockenen Becken sollen wie ursprünglich geplant nur Wohmbach und Eipbach fließen, was im Zusammenhang mit Änderungen an dem Bauwerk für größtmögliche Durchgängigkeit der Gewässer für die Lebewesen in ihnen sorgt. Flankierend soll in der Fläche zwischen Wohmbach und Eipbach eine Tümpelkette als Laichgewässer für Amphibien angelegt werden. Auch wenn die Pläne des Wasserverbands Realität werden: Die Wanderung wird für die Amphibien gefährlich bleiben und Helfer sind willkommen.
Ich kann aus eigener Erfahrung sagen: Es ist ein schönes Erlebnis und ein gutes Gefühl, diesen kleinen Lurchen bei ihrem für unsere Umwelt wichtigen Fortpflanzungsweg zu helfen. Wer helfen möchte: Einfach eine eMail an Vorsitzender@heimatverein-eitorf.de schicken! Bislang konnte der Plan des Wasserverbands noch nicht umgesetzt werden, wie man vor Ort sieht. Das lag auch daran, dass die Bezirksregierung Köln als für die Genehmigung zuständige Behörde umfangreiche Voruntersuchungen und Gutachten forderte. Diese betrafen nicht nur die wasserwirtschaftliche Seite, sondern auch Ökologie und Artenschutz.
Der Eipbach und die Talsperre
Und nicht nur das: Die Behörde sorgte gleich für ein weiteres Geheimnis um den Eipbach. Was die Prüfung und Wartung des HRB betrifft, hat sie dieses als Talsperre eingeordnet, was erhöhte Anforderungen bedeutet. Was also bislang kaum einer wusste: Die Gemeinde Eitorf ist Standort der kleinsten Talsperre des Landes Nordrhein-Westfalen und zugleich Kostenträger ihrer Unterhaltung. Vielleicht kann man aus diesem Alleinstellungsmerkmal touristisches Kapital ziehen nach dem Motto „Machen Sie ein Selfie vor der kleinsten Talsperre des Landes!“
Ob das so bleibt, wird sich zeigen. Denn bei Abfassung dieses Beitrags stand die Genehmigung des Vorhabens des Wasserverbands kurz vor der Genehmigung. Sollte sie wie beantragt erteilt werden, ist es wohl vorbei mit diesem kleinen Geheimnis. Mit der Umsetzung der Genehmigung wäre dann sowohl ein guter ökologischer Zustand als auch die Funktion den HRB mit einem Stauvolumen von bis zu 76.000 cbm bestmöglich gewährleistet.
Geheimnisvolle Mauern bei Scheidsbach
Etwa drei Kilometer weiter nördlich im Verlauf des Eipbachs trifft man mitten im Wald etwa zwischen Scheidsbach und Burg Welterode, etwas westlich des Eipbachs, auf merkwürdige Mauerreste und davor seltsame Gräben im Boden, die den Verlauf des Scheidsbachs kreuzen. Rechterhand nach Norden verlaufend sieht man auf gut 120 Meter Länge Mauerreste mit Erdanschüttungen. Linkerhand ist ähnliches an das ansteigende Gelände gelehnt sichtbar. Dazwischen eine Art Graben mit etwa acht bis zehn Metern Breite. Er endet im Norden wiederum mit einem etwa drei Meter hohen Mauerwerk mit einem durch Metallplatten verschlossenen Durchlass. Warum dieser Aufwand, was steckt dahinter? Handelt es sich gar um Wall-Anlagen im Zusammenhang mit der Burg Welterode?
Schaut man in alte Urkunden, Zeichnungen und Fotos, klärt sich das Ganze auf: Es handelt sich um die Überreste des Mühlenteichs der Kornmühle bei Welterode. Diese Mühle stand Jahrhunderte lang an der alten Straße nach Scheidsbach. Sie war zunächst eine sogenannte Eigenmühle, an die alle zur Burg Welterode gehörenden Landwirtschaften und Pachthöfe ihr Korn zum Mahlen abzuliefern hatten. 1644 wird sie als „Kornmühle Burg Welterode“ im Rent- und Lagebuch des Amtes Blankenberg als Besitz des Grafen Bertram von Nesselrode zu Ehreshoven erwähnt.

Die alte Mühle
Nach Neuordnung der Banngebiete 1690 mussten auch die umliegenden Dörfer ihr Korn dort mahlen lassen. Eine Zeichnung von Roidkin stellt sie 1726 mit einem oberschlächtigen Mühlrad dar. 1790 wird sie in der Wiebekind-Karte mit zwei Mühlrädern aufgezeigt, was den Schluss zulässt, dass sie nicht nur als Korn-, sondern auch als Öhlmühle genutzt wurde. Ab 1838 verlor sie durch den Bau der „Neuen Mühle“ zwischen Berg- und Cäcilienstraße (später Baust-Mühle) mehr und mehr ihre Bedeutung, wurde stillgelegt und brannte irgendwann nahezu unbemerkt ab. Das gleiche Schicksal ereilte ein auf ihren Trümmern erbautes Sägewerk (so H.J. Ersfeld, Eitorfer Bild-Chronik, 1980).
Das Mauerwerk im Süden ist also das Einlaufbauwerk zum Mühlenteich. Gespeist wurde es zum einen vom Scheidsbach, aber auch durch einen Abschlag vom Eipbach etwa da, wo sich die Straße „Nikolausgarten“ als Weg bis zum Eipbach verlängert. Der Graben vom Eipbach zum Mühlenteich ist bis zur Straße nach Scheidsbach noch gut erkennbar. Wohl deswegen heißt die Straße auch „Am Mühlengraben“. Ein übliches Vorgehen, um den nötigen Wasserdruck zu schaffen. Wer in Zeiten vor der Nutzung des elektrischen Stroms verlässlich eine für die Ernährung der Menschen wichtige Mühle betreiben wollte, brauchte möglichst beständigen Wasserdruck auf das Mühlrad.
Der Mühlenteich regelt den Wasserdruck
Anders als zum Beispiel in Bergisch Gladbach die Strunde ist das Heimatgewässer von Eitorf in diesem Punkt sehr schwankend. Ein Mühlenteich versprach Abhilfe: Der Dauerstau gewährleistet zuverlässig den nötigen Wasserdruck. Der besondere Umstand, dass man hier gleich zwei Bäche nutzte, zeigt, dass man auf „Nummer sicher“ gehen wollte. Denn der Mühlenteich hatte grob geschätzt ein Fassungsvolumen von rund 3500 cbm. Offensichtlich ist beiden Bächen trotz über die Jahrhunderte sicher stark schwankendem Wasserstand ein zuverlässiger Mühlenbetrieb gelungen. Heute ist der gesamte Bereich als weitgehend naturbelassen ein perfekter Wald- und Feuchtbiotop.
Es ist zwar kein Geheimnis, aber zumindest bemerkenswert, dass der Eipbach ausgerechnet in der Mitte des Ortes, der ihm seinen Namen verdankt, regelrecht unsichtbar wird. Jeder halbwegs aufmerksame Beobachter kann dies am Posthof erkennen. Der Eipbach verschwindet dort in einem rechteckigen Betonprofil, kurz vor dem Bahnübergang Brückenstraße kann man ihn auf einigen Metern durch einen Gitterrost noch unter den Füßen sehen. Nach insgesamt rund 280 Metern wird er nach Unterquerung der Bahngleise und der Brückenstraße wieder so sichtbar, wie man sich einen Bach vorstellt. Das war nicht immer so. Noch bis in die 1960er Jahre war der Eipbach im Zentrum der Gemeinde sichtbarer Bestandteil des Ortsbilds, natürlich mit etlichen kleinen und großen Brücken und gekrönt von ansehnlichen Ufermauern.
Der Eipbach hinter Gittern
Mit dem ständig wachsenden Verkehrsaufkommen, ganz besonders der Kraftfahrzeuge, musste das früher oder später sein Ende finden. Die Lage des Zentralorts an zwei sich kreuzenden Landesstraßen und das Bevölkerungswachstum der Gemeinde forderten mehr Platz für Straßen und die Kreuzung der beiden Landestraßen sowie der Brückenstraße, die als Gemeindestraße die Anbindung nach Norden an die L 87 und die ebenfalls gewachsene Besiedlung an ihr bewerkstelligt. Mangels seitlichem Platz musste der Eipbach beim Ausbau der Straßen etwa ab 1970 komplett überbaut werden und gelangte so in das ihn unsichtbar machende Betonprofil. Dies wird wohl so lange bleiben, wie es keine Ortsumgehung der L 86 und/oder der L 333 gibt, beides angesichts Topografie und Besiedlung praktisch unmöglich. Nicht unmöglich erscheint es, den Eipbach zumindest auf den letzten durch Gitterroste abgedeckten dreißig Metern wieder sichtbar und erlebbar zu machen.
Die Pläne zur Beseitigung des höhengleichen Bahnübergangs sehen vor, dass die Brückenstraße gleich östlich des Eipbachs unter die Bahnstrecke geführt wird. Dieses technische Bauwerk wird von einer städtebaulichen Planung flankiert, die unter Nutzung des Vorplatzes der ehemaligen Feuerwache und dem dann als Straße nicht mehr benötigten Teils der Brückenstraße eine Art Platz schaffen kann, an dessen Osten dann der geöffnete Eipbach liegt. Vielleicht doch ein kleines Geheimnis, dass er, vielleicht mit einer Stufenanlage und ein wenig Grün, wieder das Tageslicht erblicken und die Menschen mit seinem Anblick erfreuen kann? Man wird sehen, wann und wie es dazu kommt.

Diese und andere spannende Geschichten findet man in der aktuellen Ausgabe der Eitorfer Heimatblätter, die ab sofort erhältlich sind beim Heimatverein Eitorf, in der Buchhandlung Windrose, der Kreissparkasse und der Volksbank Eitorf.









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