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Freizeit und Reisen

Rockparty – oder warum es Tanzen auf Rezept geben sollte

Rockparty - oder warum man Tanzen auf Rezept erhalten sollte

Rockparty - oder warum es Tanzen auf Rezept geben sollt
Eine Rockparty ist der richtige Ort für Menschen, die denken, sie könnten nicht tanzen. Denn das ist falsch. Jeder Mensch kann tanzen. Sich nach dem Rhythmus der Musik zu bewegen, ist uns angeboren. Das haben Studien an Neugeborenen ergeben. Denen spielten Wissenschaftler einen Rhythmus vor und maßen ihre Hirnströme. Dabei ließen sie jeweils ein oder zwei Schläge aus. Es zeigte sich, dass die Babys tatsächlich auf den nächsten Beat warteten.

Tanzen soll sogar ein Nebenprodukt des aufrechten Gangs sein. Doch seltsamerweise behaupten die meisten Menschen in nördlichen Ländern wie Dänemark, Deutschland oder England, sie könnten nicht tanzen. Nur drei Prozent tun es regelmäßig und das ist deutlich weniger, als in südlichen Gefilden. Dabei muss man nicht unbedingt eine Tanzschule besucht haben, um zu tanzen. Tatsächlich kann das jeder, der Musik mag. Schon unsere Ur-Väter tanzten. Hier ging es zumeist darum, sich in Trance zu tanzen, um diverse Kulthandlungen vorzunehmen. Das wird auch heute noch bei indigenen Völkern praktiziert.

Tanzen als Nebenprodukt des aufrechten Gangs

„Tanz ist die Umsetzung von Inspiration in Bewegung. Tanzen ist ein Ritual, eine Therapieform, eine Form sozialer Interaktion oder schlicht ein Gefühlsausdruck“, heißt es bei Wikipedia. Den Wahrheitsgehalt dieser Aussage erkennt man regelmäßig bei den Shine-on- und Nightflight-Partys in der Kultur- und Eventhalle kabelmetal in Windeck-Schladern. Die Baby-Boomer-Generation, also Menschen zwischen 50 und 70 Jahre, treffen sich hier monatlich, um gemeinsam richtig abzurocken.

Das regt den Stoffwechsel an, trainiert den Herzmuskel, stärkt die Muskelkraft, das Immunsystem und fördert das psychische Wohlbefinden. Menschen, die sich nach der Musik bewegen, sind glücklicher, euphorischer, energiegeladener und entspannter, als andere. Die stimmungsaufhellende Wirkung entsteht durch das Freisetzen der Botenstoffe Oxytozin (Bindungshormon) und Glückshormone. So wirkt Tanzen wie eine Art Droge für unser Gehirn. Es spricht das Belohnungssystem an. Das alles können die Fans der legendären Rockparty Shine-on bestätigen.

Rockparty als Therapie

Dabei ist Tanzen eine Bewegungsform, die in allen Kulturen gepflegt wird – und soll sogar klüger machen. Das sagen zumindest Wissenschaftler. Denn Tanzen trainiert das Gehirn wie kaum etwas anderes. Die Schritte und Drehungen erfordern ein hohes Maß an Konzentration und Koordination. Der Musikrhythmus aktiviert Hirnregionen, die auch für das Verarbeiten von Sprache zuständig sind. Außerdem schüttet der Körper beim Tanzen die Glückshormone Dopamin und Endorphin aus.

Auf diese Weise wird das Gehirn auf ganz verschiedenen Ebenen stimuliert. Das geht so weit, dass sich das Gehirn auf Dauer durch die unterschiedlichen Bewegungen beim Tanzen in einigen Regionen vergrößert. Es entstehen zusätzliche neuronale Verbindungen. Das machen sich auch Therapeuten zunutze. Bei der Tanztherapie etwa wird dem Patienten ermöglicht, sein Erleben und seine Handlungs- und Ausdrucksweisen in der Bewegung zum Ausdruck zu bringen. Auf diese Wiese wird psychischen Erkrankungen begegnet. So kann ein Prozess der Veränderung, Linderung und Heilung beginnen.

Klug durch Tanzen

In den USA wurde herausgefunden, dass Jugendliche, die viel tanzen, mit mathematischen Aufgaben besser zurechtkommen. Sie entwickeln ein besseres räumliches Verständnis. An der Uni Bochum entdeckten Wissenschaftler, dass Tänzer reaktionsschneller und beweglicher sind und sich besser konzentrieren können. Eine Studie mit Parkinson-Kranken zeigte, dass das Zittern mit Hilfe von Tanztherapie gelindert werden kann. Denn automatisch ablaufende Bewegungen sind bei Parkinson-Kranken nicht mehr möglich. Beim Tanzen werden diese Bewegungen jedoch spielerisch wieder erlernt.

Die Neubildung von Nervenzellen ist bis ins hohe Alter möglich. Das Bewegen nach Musik verringert sogar das Risiko, an Demenz zu erkranken um 20 Prozent. Und es kann auch das Fortschreiten der Krankheit aufhalten. Tanzen hilft auch gegen chronische Schmerzen, denn es lockert die Muskulatur und löst Verspannungen. Zudem sinkt der Kortisol-Wert im Blut, was den Abbau von Stress bedeutet. Es gibt übrigens auch einige wenige Menschen, die Musik als störend empfinden. Etwa eineinhalb Prozent leiden an der Wahrnehmungsstörung Amusie. Darunter versteht man ein neuropsychologisches Defizit, das zur Unfähigkeit führt, Musik zu erfassen oder selbst zu musizieren.

Rockparty-oder-warum-es-tanzen-auf-rezept-geben-sollte-fenster

Die Rockparty Shine-on

Im Gegensatz zu herkömmlichen Partys geht es auf Rockpartys nicht darum, eingeübte Schrittfolgen durchzuführen. Bei guter Rockmusik kann man sich dieser einfach hingeben und die Bewegungen frei fließen lassen. Die Rockpartys in kabelmetal hat übrigens DJ Joachim Dettenberg vor mehr als zehn Jahren erfunden. „Ich mache authentische Rockpartys mit progressivem Touch“, sagt der 63-Jährige. Dabei legt er größten Wert auf Qualität. Der Pink-Floyd-Song „Shine on you crazy diamond“ (Strahle weiter, du verrückter Diamant) ist der Namensgeber der Shine-on-Partys, deren musikalischer Schwerpunkt bei den 1970er Jahren mit Rockklassikern und Balladen von Led Zeppelin, ACDC, ZZ-Top, Supertramp, The Doors, Deep Purple, Fleetwood Mac und Genesis liegt.

Ergänzt wird die Partyreihe durch die Rockparty „Nightflight“, bei der es etwas rockiger zugeht. „Da spiele ich auch Musik der 1980er und 90er Jahre“, so Dettenberg, der manchmal auch einen zweiten Dancefloor in der „Destille“, der kleineren Halle bei kabelmetal, bespielen lässt. Hier unterhält DJ Snake mit Musik der 1990er und 2000er Jahre mit Musik von Metallica, Rammstein, The Cure, Sisters of Mercy, Pearl Jam, Linkin Park oder Red Hot Chili Peppers.

Homburger Papiermühle als neue Location

Und da diese Rock-Partyreihe perfekt zur Industrie-Kulisse passt, startet sie nun auch in der Homburger Papiermühle. Die erste Nightflight-Party fand am 23. November statt. Die Papiermühle ist nicht nur eine ganz besonders spannende Partylocation, sondern sie hat auch eine ebenso spannende Geschichte. Denn sie ist die älteste Papiermühle in der Region und war noch bis 2007 in Betrieb.

Ursprünglich war die an der Bröl gelegene Papiermühle, die schon im 16. Jahrhundert erstmals erwähnt wurde, im Besitz der Grafen von Nesselrode. Diese ließen dort Papier für die Kanzlei des Schlosses herstellen. Später wechselte sie mehrmals ihre Eigentümer. Ab dem 18. Jahrhundert verselbstständigten sich die Papiermühlen, von denen sich immer mehr an Flussläufen im Bergischen ansiedelten. Denn Wasser war die wichtigste Grundvoraussetzung zur Papierherstellung.

Rockparty oder warum man Tanzen auf Rezept erhalten sollte, Papiermuehle.

Einst wurde hier Papier aus Stoffen hergestellt

Pflanzliche Fasern werden mit Wasser aufgeschwemmt und als wässrige Lösung auf ein Sieb gegeben werden. Das dadurch entstehende Faservlies wird gepresst und getrocknet. Bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden die pflanzlichen Fasern aus alten Textilien gewonnen. Sie wurden sortiert, zerschnitten und unter Zugabe von Wasser zerfasert. Das geschah durch ein Stampfwerk, bei dem ein großer Hammer von einem Mühlrad angetrieben wurde.

Im 19. Jahrhundert lösten mit Messern versehene Walzen (Holländer) den Hammer ab. Die Bildung des Faservlies erfolgte von Hand. Die Bögen wurden aus der Bütte geschöpft, auf Filztüchern abgedrückt, gepresst und dann zum Trocknen aufgehängt. Zur Herstellung von Schreibpapier mussten diese Bögen dann noch einmal in Leim getaucht, erneut gepresst und getrocknet werden, damit die Tinte nicht verlief. In den oberbergischen Papiermühlen führten etwa drei bis acht Mitarbeiter jeden Arbeitsgang per Hand aus.

Eine kleine Einführung in die Papier-Geschichte

Maximal 500 Bögen konnten so pro Jahr hergestellt werden. Das änderte sich, als im 19. Jahrhundert im Rahmen der Industrialisierung die ersten Maschinen in Betrieb gingen. Die erste startete im Jahr 1819 in Berlin. Die Maschinen waren jedoch so teuer, dass sich viele der unzähligen kleinen Papiermühlen im Bergischen Land sie nicht leisten konnten und so nach und nach verschwanden. Das Handschöpfen war nicht mehr konkurrenzfähig.

Nur vier Papiermühlen im Oberbergischen konnten sich die Maschinen leisten und überlebten. Darunter waren zwei erst in den 1860er Jahren gegründete Betriebe der Familie Geldmacher, die auch die Homburger Papiermühle betrieb. In Letzterer wurde 1842 die erste Maschine aufgestellt. Zu den neuen industriellen Herstellungsverfahren gehörte auch die Papierherstellung aus Stroh und aus Holz. So entstanden parallel auf Faserproduktion spezialisierte Holzschleifereien. Die Reste einer von ihnen (Guxmühle) ist heute ein Lost Place unweit der Homburger Papiermühle.

Lost Place und Party

Die Guxmühle war im 16. Jahrhundert eine Getreidemühle gewesen. Im 19. Jahrhundert wurde sie zur Mahl-, Öl- und Knochenmühle. Um 1870 brannte sie ab und wurde wieder aufgebaut. Um 1900 wurde sie zu einer Schnürriemenfabrik eines Wuppertaler Fabrikanten und kam 1919 in den Besitz der Papierfabrikanten-Familie Geldmacher. Deren Schriftzug prangt auch noch in großen Lettern auf den verfallenden Backstein-Gebäuden.

Die Homburger Papiermühle wurde 1997 von einem finnischen Papierkonzern übernommen und stellte noch bis zu ihrem Ende am 30. April 2007 Tapetenpapier her. Nach längerem Leerstand der alten Industrie-Gebäude erwarb Lars-Helge Geitz das Gelände im Jahr 2012. Er gründete die Homburger Papiermühle Verwaltungs GmbH und organisiert seither die Vermietung und Verpachtung von Teilflächen der ehemaligen Papierfabrik.

Rockparty - oder warum man Tanzen auf Rezept erhalten sollte, Lost Place

Vom Papier zur Rockparty

Einige Betriebe siedelten sich dort an. Die Produktionshalle, deren Industrie-Charme sich dafür anbot, wird als Event-Location genutzt. Dort finden Konzerte, Partys und private Veranstaltungen statt. Und auch Filmproduktionen freuen sich über die einzigartige Kulisse der alten Industriegebäude. Fotografen veranstalten hier Shootings und Workshops. Trotzdem stehen einige der teilweise als Denkmal eingetragene Verwaltungs- und Wohngebäude auf dem Gelände leer. Dazu gehören alte Fachwerkhäuser und eine wunderschöne Holz-Villa, die an Pippi Langstrumpf erinnert.

Die Eventlocation in der ehemaligen Produktionshalle erhielt den Namen PM1 (Papiermaschine) und bietet ein spannendes Ambiente für die Rockpartys von Joachim Dettenberg. Nach der Premiere am 23. November ab 20 Uhr (Einlass 19 Uhr) ist für den 25. Januar 2025 eine 80er Flashback-Party geplant. Die 80er Flashback-Reihe ist die jüngste Erfindung von DJ Dettenberg. Hier wird die Musik durch spannende Musik-Videos aus dieser Zeit ergänzt.

Die nächste Rockparty

Zu den legendären Rockpartys in Windeck-Schladern reisen üblicherweise Fans aus dem gesamten Köln-Bonner Raum, von Düsseldorf und sogar aus dem Ruhrgebiet an. In der bisherigen Partylocation kabelmetal finden auch weiterhin Rockpartys statt. Auf Facebook gibt es sogar eine Fangruppe.

Die zusätzliche Party-Location Homburger Papiermühle steht dem Ambiente in Windeck in nichts nach. Gemäß dem sehr angesagten Industrie-Stil zeichnet sie sich ebenfalls durch hohe Decken, überdimensionale Fenster und unverputzte Ziegelwände aus. Ergänzt wird die raue, kühle Ästhetik in der Papiermühle durch Materialien wie Metall, Holz und Beton. Alte Fässer dienen als Stehtisch, Paletten als Sitzgelegenheiten. Wer sich zuvor schonmal warm tanzen möchte, kann das mit Musik tun.

Weitere Geheimnisse des Rheinlandes und der Welt entdecken Sie in unseren Büchern: “Geschichte(n) aus dem Rheinland“ (erschienen 2022) und „Düsteres Geheimnisse des Rheinlands“ (erschienen 2024).

von Inga Sprünken
Schlagworte: Gesellschaft, Lost Place, Rhein-Sieg-Kreis, Rheinland, Windeck
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