Menschen eiskalt erschossen

Seidenraupen

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Nur noch Spinnen hinterlassen hier ihre zarten Fäden. Seidenraupen sind in dem alten zerfallenen Gebäude nicht mehr zu finden. Die alte Seidenfabrik ganz im Süden von Rhodos war ein Ort des Grauens. Menschen wurden hier erschossen. Die Rhodos-Entdecker haben dies recherchiert. Der Ort liegt in der Nähe von Kattavia. Über einen staubigen Feldweg gelangt man dorthin. Die Ruine ist von weitem gut erkennbar.

Seidenraupenfabrik
Die Außenmauern der alten Seidenraupenfabrik sind von weitem zu erkennen. (Foto: Lindemann)

Seidenproduktion brachte Wohlstand

Heute erinnert jedoch nichts mehr dran, dass hier früher hektisches Treiben war. Öde und leer wirkt die Gegend. Um die Seidenraupen zu ernähren, wurden seinerzeit Maulbeerbäume gepflanzt. Auch sie sind nicht mehr zu finden. Wasser ist eine wertvolle Ressource auf der Insel. Maulbeerbäume, die keine Raupen mehr ernähren, brauchten keine Pflege mehr. So vertrockneten sie nach und nach, als die Fabrik ihre Produktion einstellte.

Seidenraupenfabrik auf Rhodos
Nur noch die Betonskelette sind übrig geblieben. (Foto: Lindemann)

Militärgefängnis und Konzentrationslager

Rhodos ist seit rund 7000 Jahren besiedelt. Die Johanniter begannen um 1300 mit der Eroberung der Insel, dann kamen 1523 die Osmanen. Von 1912 bis 1943 dauert die italienische Besatzung. Die römischen Eindringlinge versuchten, die Infrastruktur  der Insel zu verbessern. So bauten sie einen Staudamm an den Sieben Quellen, der heute wegen seines langen Tunnels als Touristenattraktion gilt. Dann kam 1943 die Deutsche Wehrmacht. Sie nutzte das Gebäude als Militärgefängnis und Konzentrationslager. Unschuldige Menschen kamen dort zu Tode. Die Schrecken eines sinnlosen Krieges machten auch vor der malerischen Insel im Mittelmeer nicht halt. Beim Gang durch die Ruine ist zu erkennen, dass es zahlreiche kleine Räume gegeben haben muss, die später als Gefängniszellen genutzt wurden. Nazi-Generalmajor Otto Wagener hatte die Verantwortung. Und er nutzte seine Macht skrupellos aus.  Wie bei den Rhodos-Entdeckern zu lesen ist, wurden Regeln für die Gefangenen eingeführt. Wer sie nicht einhielt, der wurde erschossen.

Seidenraupenfabrik
Nur noch vereinzelt stehen Mauern im Gebäude. (Foto: Lindemann)

Die Regeln des Grauens

Diese menschenverachtenden Regeln galten bei Todesstrafe für die hilflosen Gefangenen:

Wer länger als drei Minuten auf der Toilette verbrachte.
Wer während der halben Stunde Freigang aus den Zellen mit anderen Mithäftlingen sprach.
Wer versucht in der Zelle mit Klopfzeichen auf sich aufmerksam zu machen und so mit anderen Häftlingen kommuniziert.
Wer eine Krankheit simuliert.
Wer die Verfehlungen anderer Häftlinge nicht meldet.

Eine Flucht wird in dem Blog beschrieben: Am 24. April 1945 gelang  fünf Häftlingen die Flucht, zwei von ihnen waren so schwach, dass sie nicht mal aus der Sichtweite des Gefängnisses kamen und  gleich vor allen Mithäftlingen erschossen wurden. Zwei weitere konnten von einer Patrolie aufgegriffen werden und wurden sofort erschossen, über den fünften Flüchtigen ist weiter nichts bekannt. Am nächsten Morgen fand im Gefängnis für alle Gefangenen ein Appell statt. Für die Flucht der Fünf sollten 15 Mitgefangene erschossen werden, drei für jeden Flüchtling. Als wäre das nicht schon die Unmenschlichkeit schlechthin, sollten alle Mitgefangenen diejenigen  benennen, die exekutiert werden sollten. Mit einem Akt der Gnade, wie es der Kommandierende des Lagers nannte, wurden nur 11 Gefangene erschossen. Kurz danach befreiten britische Soldaten bei der Übernahme von Rhodos die Gefangenen. Die Verantwortlichen des Grauens wurden nach der Kriegsgefangenschaft bei den Briten im Januar 1947 der italienischen Justiz übergeben und wurden dann am 16. Oktober 1948 verurteilt. Otto Wagener 15 Jahre Gefängnis, Herbert Niklas 10 Jahre Gefängnis, Walter Mai 12 Jahre Gefängnis.

Konservendosen in der Fabrik
Alte Konservendosen zeigen, dass hier Menschen heimlich gelebt haben. (Foto: Lindemann)

Spuren von Menschen

Die alte Seidenraupenfabrik zerfiel langsam nach dem Krieg. Ab und an hielten sich jedoch in dem alten Gemäuer Menschen heimlich auf und übernachteten dort sogar. Alte Konserven zeigen, dass dort auch gekocht wurde.  Heute findet sich jedoch kein Mensch mehr dort. Wind und Wetter zernagen langsam diese Ruine.

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