Zwangsarbeiter ohne Prozess erhängt

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Es war das Jahr 1943. Deutschland wurde vom Naziterror drangsaliert, Kriegesgefangene als billige Arbeitskräfte missbraucht. Stefan Gruchot gehörte dazu. Er war polnischer Staatsbürger und wurde am 14. Juli 1912 in Kozmin geboren. Den ersten Weltkrieg erlebte er noch als Kind. Als die deutschen Streitkräfte am 1. September 1939 Polen angriffen, war er im wehrfähigen Alter. Noch im Jahr des Überfalles der Deutschen geriet er in Gefangenschaft. In Österreich wurde es registriert, dann kam der junge Mann nach Bocholt. Am 17. August 1940 wurde er dem Arbeitsamt Siegburg zugewiesen. Besonders in der Landwirtschaft wurden Arbeitskräfte gebraucht. Gruchot kam auf einen Hof in Broich, kurze Zeit später nach Oberdorst.

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Eine Stele im Wald erinnert an die Stelle, wo der Zwangsarbeiter erhängt wurde. (Foto: Lindemann)

Kein Hinweis auf einen Prozess

Historiker Hartmut Benz ist im Rheinland bekannt. Er erforscht die Geschichte in der Region. Bei seinen Recherchen fand er heraus, dass am 14. Januar 1943 der Zwangsarbeiter Stefan Gruchot erhängt wurde. Die Stelle befindet sich im Wald an der Wahnbachtalstraße unterhalb der Ortschaft Heister. Burkard Sondermeier, der Besitzer des Kunsthauses Seelscheid, versuchte mit ihm zusammen das Geschehen aufzuklären. Es gelang jedoch nicht vollständig. Nur wenige Dokumente fanden sich. Keines war offiziell. Was genau passierte, konnte bis heute nicht geklärt werden.

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Eine handschriftliche Notiz berichtet von dem Mord. (Repro: Lindemann)

Zur Gestapo nach Köln gebracht

Spuren fanden sich in der Chronik der heute nicht mehr bestehenden Volksschule von Seelscheid. Dort war zu lesen, dass Gruchot plötzlich Arbeit im Sommer 1942 verweigert habe. Der damalige Amtsbürgermeister hätte ihn durch eine Abreibung zur Ordnung bringen wollen. Benz forschte weiter. Am 20. Juni soll der Kriegsgefangene “seinem Brotherrn mit der Hacke auf den Kopf geschlagen” haben. Der Bauer soll dabei schwer verletzt worden sein. Von einem Schädelbruch war die Rede. Der Gefangene wurde daraufhin nach Köln zur Gestapo gebracht. Was dort geschah, ist bis heute nicht geklärt. Einen Prozess gab es wohl nicht.

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Ein Stein erinnert an den Mord im Wahnbachtal. (Foto: Lindemann)

Im Wald an einem Baum erhängt

Gruchot kam irgendwann zurück nach Seelscheid. Einige Monate waren vergangen. Er wurde in den Wald getrieben und an einem Baum erhängt. Bei diesem Mord mussten alle Zwangsarbeiter aus der Umgebung dabei sein. Sie wurden gezwungen, den am Baum hängenden Toten anzufassen. Erst Wochen später wurde der Lynchmord vermerkt. Am 27. Februar 1943 war “Stranguliert auf Anordnung der Gestapo Köln” in den Akten zu lesen. Mehr ist nicht zu finden.

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Der Hinweis auf die Spender der Steele. (Foto: Lindemann)

Leiche ist verschwunden

Was genau mit der Leiche des Toten geschah, ob er beerdigt oder an Ort und Stelle verscharrt wurde, bleibt unklar. Wenn schlimme Dinge vergessen werden, dann können sie nicht mehr als Mahnung dienen. Burkard Sondermeier und Markus Weisheit entschlossen sich daher, mit einem Mahnmal auf diese schreckliche Tat hinzuweisen. Es steht heute dort, wo Stefan Gruchot erhängt wurde. Die an die zwei Tonnen schwere Stele aus Ruhrsandstein soll für immer an diese Unrechtstat erinnern.

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