Skalpiert, amputiert und zerhäckselt

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Es ist eine tolle Errungenschaft: Roboter. Maschinen, die wiederkehrende Tätigkeiten selbsttätig erledigen, erleichtern den Menschen das Leben – und vernichten das Leben von Tieren. Woher kann denn auch der derzeit immer beliebter werdende Mähroboter wissen, dass es kein Stück Rasen ist, das er da zerhäckselt, sondern ein Igel, eine Blindschleiche oder eine Kröte? Ein Test von Stiftung Warentest aus 2020 zeigt, dass Mähroboter auch bei Kindern zuschlagen können. Von den elf geprüften Geräten bekamen alle Mähroboter in der Kategorie „Sicherheit“ lediglich ein „ausreichend“. Die Sicherheitsmängel zweier Rasenroboter waren sogar so gravierend, dass sie komplett durch den Test durchgefallen sind.

Gefahr auch für Kinderfüße

Der Mähroboter hat zugeschlagen.

Getestet wurde die Sicherheit mit Kinder-Prüffüßen, -armen und Fingerelementen. Bei Teilen des Fußes kam es dabei zu deutlichen Schnittverletzungen. Ausgestreckte Hände wurden von keinem der geprüften Rasenroboter als Hindernis erkannt. Ein Mähroboter also, der keine Körperteile erkennt, die unter den Geräterand passen, wird auch Igel, Kröten oder Feuersalamander nicht als Hindernis erfassen. Die Geräte können Igel skalpieren und kleine Tiere ganz überrollen und zerhäckseln. Viele verletzte Tiere ziehen sich zurück und verenden qualvoll. Manche werden gefunden und zum Tierarzt gebraucht, doch meistens kommt auch für sie alle Hilfe zu spät. Die Mitglieder der NABU-Arbeitsgruppe „Kleine Wilde“ im Rhein-Sieg-Kreis können davon ein Lied singen. Denn sie nehmen sich der Tiere an, die ihnen gebracht werden und versuchen sie noch zu retten und gesund zu pflegen, was selten gelingt. https://www.nabu-rhein-sieg.de/

Nachts ist die Gefahr besonders groß

Besonders dramatisch ist der Einsatz von Mährobotern in der Dämmerung und der Nacht. Denn erst wenn es langsam dunkel wird, gehen die Igel als nützliche Schneckenverzehrer auf die Jagd. Kommt ihnen ein Mähroboter zu nah, fliehen sie nicht, sondern rollen sich ihrem Instinkt entsprechend zusammen. So werden sie erfasst und erleiden durch die scharfen Messer massive Verletzungen. Vielfach werden ihnen die Nasen und die Gliedmaßen abgeschnitten. Besonders gefährdet sind Jungtiere wegen ihrer geringen Körpergröße.

Ein kleiner Igel mit verletzten Gliedmaßen.

Während verletzte Igel manchmal noch gefunden werden, erleiden Amphibien einen stillen unbemerkten Tod. Das gilt auch beim Einsatz von Fadenmähern, Freischneidern und Minisensen. Genau mit diesen werden Rasenkanten und das Grün unter Büschen und Hecken geschnitten. Und genau hierhin ziehen sich die Igel und Kröten tagsüber zum Schlafen zurück. Da die Geräte frei Hand geführt werden, variiert der Abstand zwischen Klinge und Boden sehr stark und Tiere, die nicht gesehen werden, werden regelmäßig schwer verletzt. Die Hersteller weisen oft nur mangelhaft auf diese Gefahr hin.

Ganz abgesehen davon ist ein permanent kurz geschorener Rasen eine biologische Brache. Diesen wertlosen Grünflächen fehlen Blühpflanzen und Kräuter, die den Insekten und Kleintieren Nahrung bieten. Wer Tieren helfen will, lässt Laubhaufen unter Büschen liegen und hat mindestens eine wilde Ecke in seinem Garten.

 

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