dm verlässt den Standort Eitorf – die Hintergründe

dm verlaesst den Standort Eitorf aussen weit

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Der dm-Markt in Eitorf soll zum Jahresende schließen. Grund dafür ist, dass der aktuelle Standort laut der Unternehmensführung zu klein ist, um das komplette Sortiment anbieten zu können. Dies teilte Bürgermeister Rainer Viehof vor wenigen Wochen auf Facebook mit. Er sei dazu „bereits im Austausch mit den zuständigen Gebietsleitern von dm, um Lösungen zu finden – sei es für den Erhalt oder einen neuen Standort hier in Eitorf“, so der Bürgermeister.

Alexander Bosbach bestätigt die Aussage auf Nachfrage. „Uns ist wichtig zu betonen, dass wir den Standort Eitorf sehr schätzen. Die derzeitige Verkaufsfläche am Markt 6 entspricht jedoch in Größe und Lage nicht mehr unseren Anforderungen an einen zukunftsfähigen dm-Markt und damit auch nicht den Erwartungen unserer Kundinnen und Kunden an ein modernes Einkaufserlebnis“, teilt der zuständige Gebietsverantwortliche der Drogeriemarktkette mit. Das Unternehmen habe in den vergangenen Monaten intensiv geprüft, ob die Schließung verhindert werden könne. „Leider mussten wir zu dem Ergebnis kommen, dass ein wirtschaftlicher Weiterbetrieb an diesem Standort künftig nicht möglich ist“, so Bosbach.

Es gibt einen Ausweichstandort für dm

Tatsächlich existiert ein potenzieller Ausweichstandort. Dessen Nutzung scheitert bislang an teils auch politischen Rahmenbedingungen. Im Fokus steht ein ehemaliger Baumarkt im Gewerbegebiet „Im Auel“. Das Gebäude bietet ausreichend Fläche für einen modernen Drogeriemarkt und war zeitweise sogar Teil konkreter Planungen für eine gemeinsame Ansiedlung mehrerer Einzelhändler. Und es gibt auch eine Baugenehmigung für Aldi und DM im ehemaligen Extra Bau- und Hobbymarkt. Doch das Gebäude ist nach wie vor ungenutzt.

Innerhalb der Gemeinde gibt zu den Plänen keine einheitliche politische Linie. Verschiedene Akteure bewerten die Situation unterschiedlich. Trotz dem Wunsch nach wirtschaftlicher Weiterentwicklung und der Vermeidung von Leerständen, soll möglichst kein weiterer Einzelhandel in das Gewerbegebiet Im Auel angesiedelt werden, um schädliche Auswirkungen auf das Zentrum zu verhindern. Ziel ist es, die Attraktivität des Ortskerns zu erhalten und eine Abwanderung von Kaufkraft in periphere Lagen zu verhindern.

Unterschriften für den Erhalt von dm

Dass kommt insbesondere auch älteren Bürgern entgegen, die oftmals keine Möglichkeit haben, in außen liegende Gewerbegebiet zu gelangen. Dies thematisierten die Bürger etwa auch beim öffentlichen Workshop „Talachse“ im Leonardo am 27. März 2026. Zu dieser Veranstaltung hatte der gleichnamige Arbeitskreis der Gemeinde eingeladen, um über Zukunftsperspektiven der Gemeinde zu sprechen. Gleichzeitig nutzten es die Bürger, um eine Liste mit 3500 Unterschriften zum Erhalt der dm-Filiale dort auszulegen.

Denn in Eitorf hatte sich „innerhalb kürzester Zeit eine starke Bürgerbewegung entwickelt“, wie eine Bürgerin mitteilt: Innerhalb weniger Tage waren bereits über 3.300 Unterschriften für den Erhalt des dm-Marktes zusammen gekommen. „Der dm-Markt ist für viele Menschen hier mehr als nur ein Geschäft. Er ist Teil der Nahversorgung, Treffpunkt und wichtiger Bestandteil unseres Alltags. Entsprechend groß ist die Resonanz in der Bevölkerung“, so die Bürgerin, die berichtet, dass aus allen Altersgruppen Unterstützung komme. Viele engagieren sich aktiv, teilen die Petition und sprechen andere direkt an, wie sie sagt.

dm verlaesst den Standort Eitorf Unterschriftenliste

Perspektisch will dm in Eitorf bleiben

Auch der dm-Gebietsleiter bestätigt, dass es das Ziel sei, nach der für Dezember 2026 angekündigten Schließung perspektivisch wieder mit einem dm-Markt in Eitorf vertreten zu sein. „Für die Auswahl eines Standortes betrachten wir zahlreiche Faktoren: Neben Verkaufsflächen ab 600 Quadratmetern und einem ausreichenden Parkplatzangebot, sind gut frequentierte und neu entstehende Fachmarktlagen und Nahversorgungszentren mit Lebensmitteleinzelhandel Faktoren für attraktive Standorte“, so Bosbach.

Erstaunlich ist, dass dm angesichts der Konkurrenz von Rossmann im Eitorfer Zentrum seine Filiale am Markt schließen möchte. Zudem steckt hinter dm kein börsennotierter Großkonzern, sondern praktisch ein Familienunternehmen. Es ist also nicht allein der Wunsch nach Gewinnmaximierung, um Aktionäre zu befriedigen, sondern es handelt sich um ein eigenständiges deutsches Unternehmen mit einer besonderen Struktur und Philosophie.

Die Philosophie des Unternehmens

Gegründet wurde dm im Jahr 1973 von Götz Werner in Karlsruhe. Er prägte das Unternehmen nicht nur wirtschaftlich, sondern vor allem kulturell. Seine Ideen zu Mitarbeiterführung, Eigenverantwortung und gesellschaftlicher Verantwortung unterscheiden sich deutlich von klassischen Managementansätzen. Bis heute wirkt dieser Einfluss stark nach. Die Eigentümerstruktur von dm ist vergleichsweise ungewöhnlich. Das Unternehmen ist als GmbH & Co. KG organisiert, mit verschiedenen internen Gesellschaften und einer Stiftungslösung.

Ein Teil der Anteile wurde in eine Stiftung eingebracht, was langfristige Stabilität sichern soll. Diese Konstruktion sorgt dafür, dass dm unabhängig bleibt und nicht unter kurzfristigem Renditedruck steht. Geführt wird das Unternehmen von Christoph Werner, dem Sohn des Gründers. Damit bleibt dm ein familiengeprägtes Unternehmen, auch wenn es international tätig ist und tausende Filialen betreibt. Die besondere Unternehmenskultur gilt als Grund für den Erfolg der Drogeriekette.

Eigenmarkten als Erfolgsschlager

Mitarbeiter erhalten vergleichsweise viel Verantwortung und Entscheidungsspielraum, insbesondere auf Filialebene. Diese dezentrale Struktur fördert Eigeninitiative und bewirkt überwiegend ein höheres Engagement der Beschäftigten. Viele Kunden nehmen dies als besseren Service wahr. Auch die Preisstrategie unterscheidet sich von der Konkurrenz. Während andere Drogerieketten stark auf Rabattaktionen setzen, verfolgt dm eine Politik stabiler, dauerhaft günstiger Preise. Kunden müssen nicht auf Sonderangebote warten, was Vertrauen schafft und die Kundenbindung stärkt.

Ein weiterer Erfolgsfaktor sind die Eigenmarken des Unternehmens. Produkte aus Bereichen wie Kosmetik, Naturpflege, Gesundheit oder Haushalt sind oft deutlich günstiger als bekannte Markenprodukte, bieten aber gleichzeitig eine solide Qualität. Dadurch werden gute Margen erzieht. Darüber hinaus hat dm früh auf Digitalisierung gesetzt. Die hauseigene App kombiniert Funktionen wie Coupons, Kundenprogramme, mobile Bezahlung und digitale Kassenbons. Diese Angebote werden von vielen Kunden aktiv genutzt und tragen zur modernen Wahrnehmung der Marke bei.

dm verlaesst den Standort Eitorf Haus aussen

Der Bürgermeister hofft auf spannende Möglichkeiten

Möglicherweise ist es im Fall Eitorf das Einkaufserlebnis, das in der Firmenphilosophie eine wichtige Rolle spielt. Das zeichnet sich dadurch aus, dass die Filialen meist übersichtlich gestaltet sind, mit breiten Gängen und einer ruhigen Atmosphäre. Im Vergleich zu überfüllten oder stark aktionsgetriebenen Märkten wirken die dm-Filialen weniger hektisch. Zudem setzt das Unternehmen weniger auf kurzfristige Gewinne als auf langfristiges Vertrauen. Werte wie Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung werde hochgehalten. Aber passt das alles auch zu der geplanten Filialschließung in Eitorf?

Der Bürgermeister jedenfalls hofft auf „spannende Möglichkeiten“ in Eitorf, wie etwa ein neuer Standort für das Rathaus und damit neue Chancen für den Einzelhandel wie dm auf dem bisherigen Rathaus-Gelände, wie bei Facebook zu lesen ist. „Unser Ziel ist klar: Wir möchten die Nahversorgung in Eitorf weiterhin stärken und gemeinsam weiterdenken“, so Viehof, der auf die Online-Petition für den Erhalt von dm in Eitorf verweist: https://www.change.org/…/dm-drogerie-markt-in-eitorf…

Wenn der dm-Markt nicht mehr da ist, können Kunden auch auf Kosmetik- und Gesundheitsprodukte wie diese Mariendistelkapseln (#anzeige) im Internet zurückgreifen.