Die tödliche Salamander-Pest

Salamander sind von einer tödlichen Krankheit bedroht. (Foto: Inga Sprünken)

In Belgien und in den Niederlanden sind sie bereits ausgestorben. Die Rede ist von Feuersalamandern. Schuld daran ist die Salamander-Pest. Verursacht wird sie durch einen Pilz namens Chytrid, der bislang in rund 60 Ländern nachgewiesen wurde. Es wird vermutet, dass die tödliche Gefahr aus Asien eingeschleppt wurde, einem Land, in dem die Amphibien immun dagegen sind. Hier jedoch löst der Pilz oder besser gesagt dessen erst 2013 entdeckte Unterart Batrachochytrium Salamandrivorans bei Feuersalamandern die Chytridiomykose aus. Hinzu kommt noch eine Viruserkrankung mit dem Ranavirus. Die Erkrankungen befallen die Haut der Amphibien und sind zu 95 Prozent tödlich, da der Stoffwechsel der Tiere über die Haut abläuft.

Molche sind auch betroffen. (Foto: Inga Sprünken)

Amphibien vom Aussterben bedroht

Nicht nur Feuersalamander sind betroffen, sondern auch Kamm-Molche und Kröten. Aus diesem Grund hat das Amt für Umwelt- und Naturschutz des Rhein-Sieg-Kreises an die Kommunen in einem Schreiben appelliert, zur Vermeidung der Ausbreitung der Krankheit ein Hygiene-Protokoll zu führen. Der LANUV (Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz) und die Universität Trier haben dieses entwickelt. Demnach sollen Mitarbeiter bei Außendiensttätigkeiten insbesondere im Bereich von Ufern, Gewässern und Feuchtlebensräumen Baugeräte und Schuhe mit Ethanol desinfizieren. Denn die Pilzsporen haften an allen Materialien, insbesondere menschlichem Schuhwerk. Sie verbreiten sich sogar über Automatten, auf denen die Schuhe gestanden haben. Daher empfiehlt das Umweltschutzamt, den Fund toter oder verhaltensauffälliger Amphibien zu melden.

In mehr als 50 Jahren hat der Pilz weltweit die Bestände von 500 Amphibienarten dezimiert. Der Chytridpilz wurde 1998 entdeckt und gehört eigentlich zu einer Gruppe von harmlosen Boden- und Wasserpilzen. Durch die Globalisierung verbreitete er sich bis nach Deutschland. In der Eifel wurde der Chytridpilz erstmals 2015 nachgewiesen. Seit 2017 gibt es Nachweise auch dem Raum Essen-Mülheim-Bochum, dem Rand des Bergischen Landes, Rheinland-Pfalz und Bayern. Im Rhein-Sieg-Kreis gibt es aktuell noch keine Nachweise. Martina Noethen vom für den Gewässerschutz der Kommunen zuständigen Wasserverband bestätigt, dass hier bislang noch keine Todesfälle von Amphibien auffällig geworden sind.

Salamander sind auch durch Agrargifte bedroht. (Foto: Inga Sprünken)

Der Handel mit Amphibien als Ursache

Der NABU zitiert auf seiner Seite einen auf Amphibien und Reptilien spezialisierten Tierarzt. Frank Mutschmann nennt als wesentliche Quelle der Verbreitung der Krankheit den Handel mit Amphibien. Denn die Pilzerkrankung sei die häufigste Todesursache bei Terrarien-Tieren, so der Tierarzt. Allerdings vermutet er, dass Amphibien mit intakten Abwehrkräften nicht infiziert werden. Schlechte Umweltbedingungen, Klimaänderungen und Stress schwächen jedoch die Immunabwehr der Tiere, was zum Ausbruch der Krankheit führen könnte.

Sorge bereiten dem NABU jedoch die derzeit sich langsam füllenden Fangeimer bei den Krötenwanderungen. Diese könnten eine Ansteckungsquelle darstellen. Der Naturschutzbund hat daher ebenfalls Regeln für die mit dem Amphibienschutz befassten Ehrenamtler heraus gegeben. So sollen nicht mehrere Gewässer gleichzeitig aufgesucht werden. Die Tiere sollte man nur anfassen, wenn es unbedingt nötig ist, die Ausrüstung sollte immer desinfiziert und getrocknet werden. Vor allen Dingen sollten kranke oder tote Tiere gemeldet werden. Als Öko-Desinfektionsmittel nennt der NABU Per-Essigsäure.

Kröten wandern zu den Laichplätzen. (Foto: Inga Sprünken)

Insgesamt wird auch aus anderen Bundesländern berichtet, dass an den Fangzäunen im Frühjahr 2021 so wenig Tiere wie noch nie gezählt worden sind. In Baden-Württemberg etwa liegt der Rückgang im Landesschnitt bei 50 Prozent, an manchen Stellen sogar bei bis zu 90 Prozent. Als Grund dafür werden allerdings nicht nur die Krankheiten genannt, sondern auch Agrargifte wie Glyphosat, das noch immer nicht verboten ist und auch für das globale Insektensterben verantwortlich gemacht wird.

Lesen Sie auch:

Seltsame Dinge zwischen Himmel und Erde

Anmeldung zum Newsletter

Share on facebook
Facebook
Share on twitter
Twitter
Share on linkedin
LinkedIn
Share on pinterest
Pinterest
Share on email
Email

Eine Antwort

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.