Erdbeben im Rheinland – wenn plötzlich die Häuser wackeln
Es ist der 14. März 1951, abends um 21.49 Uhr als plötzlich ein Donnergrollen ertönt. Die Erde wankt, Geschirr klirrt, Häuser wackeln. Ein Erdbeben der Stärke 5,5 bis 5,8 erschüttert das südwestliche Rheinland zwischen Köln und der Eifel. Schornsteine stürzen um, Dachziegel fallen von den Dächern, Mauern zeigen Risse, Menschen werden durch herabstürzende Steine verletzt. Besonders stark betroffen ist der Raum Euskirchen/Bad Münstereifel. Das Epizentrum des Erdbebens liegt bei Vettweiß. Das Beben ist so stark, dass es die Registrierfedern der Stationen in Jena und Basel beschädigt. Selbst im 9000 Kilometer entfernten Pasadena in Kalifornien kann es noch aufgezeichnet werden.
Bis heute ist das sogenannte Euskirchen-Erdbeben heute genau vor 75 Jahren eines der Referenzbeben für die Erdbebengefährdung in Westdeutschland. Es führte zum Bau der Erdbebenstation Bensberg, die heute dem Institut für Geologie und Mineralogie der Universität zu Köln angegliedert ist. Das Ereignis gab den Anstoß für die systematische seismologische Überwachung im Rheinland. Die war wichtig sowohl für die Wissenschaft als auch für den Bevölkerungsschutz.
Die geologische Struktur begünstigt Erdbeben
Das starke, aber vergleichsweise kurze Erdbeben machte deutlich, dass das Rheinland keine erdbebenfreie Region ist. Die geologische Struktur der Niederrheinischen und Kölner Bucht samt der angrenzenden Eifel gehört sogar zu den aktivsten Erdbebengebieten Deutschlands. Als tektonische Senkungszone entstehen Spannungen entlang alter Verwerfungen wie der Oleftal- und der Swist-Verwerfung.
Um beim nächsten Erdbeben bessere Daten zu haben, setzte sich Martin Schwarzbach, damals Professor für Geologie an der Universität zu Köln, für den Aufbau einer eigenen Station ein. Aufgrund der wachsenden Industrie und ungünstigen geologischen Begebenheiten in Köln fiel die Wahl auf Bensberg als Standort. Nach der Grundsteinlegung 1952 ging die Erdbebenstation 1955 in Betrieb und registriert seither kontinuierlich die seismische Aktivität im Rheinland.

Die Erdbeben-Station in Bensberg. Foto: Ludolf Dahmen
Das Erdbeben in den 1990er Jahren
Diesbezüglich war das Rheinland gut gerüstet, als am 13. April 1992 morgens gegen 3.20 Uhr ein erneutes Beben der Stärke 5,9 die Region erschütterte. Etwa 15 Sekunden grollte es und wackelte die Erde und hinterließ einiges an Schäden. Das sogenannte Roermond-Erdbeben gilt als das stärkste Beben in der Region seit über 200 Jahren und wurde von vielen Menschen im Westen Deutschlands deutlich gespürt. Das Epizentrum lag nahe der niederländischen Stadt Roermond in 18 Kilometer Tiefe.
Das Beben war in einem großen Gebiet spürbar – unter anderem in Köln, Bonn, Düsseldorf und sogar weiter entfernten Regionen Deutschlands. Mehr als 30 Menschen wurden dabei verletzt, meist durch herabfallende Dachziegel oder Gebäudeteile. Hunderte beschädigte Gebäude gab es besonders im Kreis Heinsberg und im Grenzgebiet zu den Niederlanden. Es gab Sachschäden in Millionenhöhe. In einigen Städten gingen Tausende Notrufe bei Polizei und Feuerwehr ein.
Teile des Kölner Doms stürzten zu Boden
Auch bekannte Bauwerke waren betroffen. So lösten sich am Kölner Dom Teile von Steinornamenten und krachten zu Boden. In Bonn stürzten Fassadenteile auf Autos. Viele Menschen berichteten, dass Möbel wackelten, Gläser klirrten und Betten schwankten. Das Roermond-Erdbeben von 1992 war ein relativ starkes Erdbeben für Mitteleuropa. Es zeigte auf, dass das Rheinland geologisch aktiver ist, als viele Menschen denken.
Schaut man in die Vergangenheit, gab es schon einige Erdbeben in der Region. So ereignete sich am 26. August 1878 das Tollhausen-Erdbeben mit einer Stärke von 5,8 bis 5,9. Das Epizentrum lag bei Tollhausen westlich von Köln. Außer Gebäudeschäden gab es bei dem in weiten Teilen des Rheinlands spürbaren Erdbeben sogar ein Todesopfer. Und mehr als ein Jahr zuvor, nämlich am 24. Juni 1977 hatte es bereits das Herzogenrath-Erdbeben gegeben.

Das Euskirchener Erdbeben. Karte: Erdbebenstation Bensberg
Das stärkste Erdbeben überhaupt fand 1756 statt
Mit 5,3 auf der Richterskala befand sich das Epizentrum nahe Aachen bei Herzogenrath. Die Folgen waren Gebäude-Schäden. Das stärkste Erdbeben überhaupt in ganz Deutschland war mehr als hundert Jahre zuvor das Dürener Erdbeben gewesen. Es fand am 18. Februar 1756 statt. Die Folge des 6,1 bis 6,4 starken Erdbebens waren etwa 300 eingestürzte Schornsteine, große Schäden an Gebäuden, zwei Todesopfer und Erschütterungen, die noch in vielen europäischen Städten spürbar waren. Heutzutage wären die Schäden sicherlich größer gewesen.
Noch ältere Erdbeben im Rheinland sind teilweise aus alten Chroniken bekannt. So hatte es etwa ca. 800 n. Chr. ein Beben von einer geschätzten Stärke von 6 im Raum Aachen/Belgien gegeben. Im Jahr 1640 ist ein Beben der Stärke 5,5 aus Düren bekannt. Im Jahr 1692 gab es ein großes Beben in den Ardennen, das im Rheinland deutlich spürbar war.
Rheinische Städte mit erhöhtem Erdbebenrisiko
Festzuhalten bleibt, dass wirklich starke Beben mit mehr als 6 auf der Richterskala statistisch nur etwa alle 200 bis 300 Jahre zu erwarten sind. Besonders gefährdet sind Städte wie Aachen und Heinsberg. Diese Gegend liegt nahe der Peelrand-Störung, einer der aktivsten Bruchlinien der Region. Hier wurden historisch viele stärkere Beben registriert.
In der Region Düren/Euskirchen liegt die Rurrand-Störung. Hier ereignete sich das Erdbeben von 1756. In der Region Köln/Erftgebiet gibt es ein mittleres Erdbeben-Risiko und zwar für die Städte Köln, Frechen, Kerpen und Bergheim. In der Region Niederrhein an der Grenze zu den Niederlanden sind besonders Mönchengladbach, Viersen und Krefeld gefährdet. Tatsächlich finden andauernd kleine Erschütterungen in der Region statt. Und auch der Meteroriteneinschlag in Koblenz am Wochenende wurde in der Erdbebenstation in Bensberg registriert.
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