Exclusive Bilder: Schafherde lag tot auf der Weide

Wolf

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Dieser Artikel enthält weitere abschreckende Bilder. Rufen Sie ihn nicht auf, wenn Sie das belasten könnte. Schon wieder wurde eine Schafherde überfallen. Es ist davon auszugehen, dass ein Wolf die Tiere überfallen hat. Noch gibt es dazu jedoch keine genetischen Beweise. Diese liegen erst nach einigen Wochen vor. Proben wurden eingeschickt. “Es ist ein emotionales Thema”, so ein Wolfsexperte. Man wolle nicht, dass “irgendein Unsinn” geredet werde. Deshalb würde erst auf die Auswertung der Spuren gewartet. Ein Informant hat uns nun Bilder von Anfang November 2021 zukommen lassen. Die überfallene Herde lebt in Rheinland-Pfalz an der Grenze zum Rhein-Sieg-Kreis. Dort ist das Jagdrevier des Leuscheider Wolfsrudels.

Wolfsriss
Die Spuren des Raubtieres sind klar zu erkennen. (Foto: Informant)

Hobbyschäfer geben auf

Fest steht, dass auch die Schäfer im Prinzip nichts gegen Wölfe haben. Allerdings sehen sie den Arbeitsaufwand, der hinter der Sicherung ihrer Herden steht. “Die Zeiten von wenigen Schafen als lebender Rasenmäher ist wohl vorbei”, so ein Hobbyzüchter. Die Herde eines Freundes sei überfallen worden. Alle Tiere “wurden niedergemetzelt” und lagen tot auf der Weide. Jeden Abend Elektrozäune spannen, sei “einfach zuviel Arbeit.” Doch das ist wichtig, damit die Herden geschützt sind.

Elektrozäune
Elektrozäune müssen auch fachgerecht aufgebaut werden, damit kein Wolf sie überwinden kann. (Foto: Informant)

Abschüsse der Tiere nicht einfach

Wölfe, die Herden überfallen, können nicht einfach abgeschossen werden. Das teilt das Land NRW mit: Am 11., 20. und am 22. Oktober 2021 wurde im Wolfsgebiet Schermbeck jeweils ein Kleinpferd (Pony) gerissen, ein weiteres wurde am 21. Oktober am Hinterlauf verletzt. Durch Genetikproben konnten in allen vier Fällen Wölfe als Verursacher nachgewiesen werden. Wie das für das Wolfsmonitoring zuständige Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz nach Analysen des Senckenberg Forschungsinstitutes Frankfurt, Standort Gelnhausen mitteilte, konnte für die Übergriffe am 20. und 21. Oktober erstmals der männliche Wolf GW1587m als Verursacher nachgewiesen werden. Für die Riss-Vorfälle am 11. und 22. Oktober konnte kein bestimmtes Wolfsindividuum nachgewiesen werden, sicher ist allerdings, dass es sich um Wolfsrisse handelt. Die genetischen Analysen weiterer Rissproben vom 29. Oktober und 3. November sind noch in der Bearbeitung.

Die aktuelle räumliche und zeitliche Häufung der Übergriffe auf Kleinpferde hat das Umweltministerium veranlasst, die derzeitige Lage im Wolfsgebiet Schermbeck erneut genau zu prüfen, auch zur Frage der Verhaltensauffälligkeit und damit verbundenen Fragen einer Entnahme. Das dazu kurzfristig in Auftrag gegebene Rechtsgutachten liegt nunmehr vor und kommt zu dem Ergebnis, dass “.davon ausgegangen werden (kann), dass zumutbare Alternativen zur Tötung der Wölfin bzw. des Rudels vorhanden sind, sodass auch diese Voraussetzung für die Erteilung einer Ausnahme gemäß § 45 Abs. 7 S. 1 Nr. 1 BNatSchG nicht erfüllt ist”.

Damit wäre eine Entnahme von Wölfen im Wolfsgebiet Schermbeck auch aktuell weiterhin nicht rechtssicher möglich. Das Gutachten bestätigt somit den Tenor des Urteils des Düsseldorfer Verwaltungsgerichts vom 6. Mai 2021. Zumutbare Alternativen sind Herdenschutzmaßnahmen wie der Bau oder die Nachrüstung einer wolfsabweisenden Zäunung, nächtliches Aufstallen oder der Einsatz von Herdenschutzhunden.

Hütehunde
Die Herdenschutzhunde sollen die Tiere vor Wölfen schützen. (Foto: Inga Sprünken)

Ministerin In Sorge

Landwirtschafts- und Naturschutzministerin Ursula Heinen-Esser: “Die Übergriffe seit Oktober dieses Jahres auf Kleinpferde erfüllen uns mit Sorge. Für die betroffenen Tierhalter stellen die Verluste eine schwere emotionale Belastung dar. Wir nehmen die daraus resultierenden Ängste der Betroffenen vor Ort sehr ernst, beobachten die Lage und Entwicklung sehr genau und passen wo erforderlich und möglich unser Wolfsmanagement an. Eine Entnahme von Wölfen in Schermbeck ist nach aktueller rechtlicher Bewertung nicht möglich. Umso wichtiger ist es, die Weiden mit potenziell gefährdeten Haus- und Nutztieren wolfsabweisend zu zäunen und in den dunklen Tag- und Nachtstunden nach Möglichkeit in einen Stall zu verbringen.”

Damit die in den Wolfsgebieten betroffenen Weidetierhaltungen die zusätzlichen Lasten nicht alleine tragen müssen, unterstützt die Landesregierung die Halter auf vielfältige Weise. Neben den erweiterten Förder- und Beratungsangeboten prüft das Ministerium derzeit, wie die Organisationsstruktur auf der Landesebene verstärkt und das Wolfsmanagement optimiert werden kann. Ministerin Heinen-Esser: “Übergeordnetes Ziel ist und bleibt es, nach der Rückkehr des Wolfs in seine ursprünglichen Verbreitungsgebiete, die Erfordernisse des Naturschutzes und des Herdenschutzes in Einklang zu bringen und das Leben mit dem Wolf so angst- und konfliktfrei wie möglich zu gestalten.”

Link zum Rechtsgutachten:

https://www.land.nrw/sites/default/files/asset/document/rechtsgutachten_wolfsgebiet_schermbeck_ra_redeker_sellner_dahs.pdf

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