Der höchste Feiertag im Rheinland

Schon vor mehr als hundert Jahren gab es auch in kleinen Orten wie Much an Rosenmontag Umzüge. (Foto: Inga Sprünken)

Der Rosenmontag ist im Rheinland der höchste Feiertag. Am Montag vor Aschermittwoch ist fast alles erlaubt. Früher war dieser Tag für Christen von größter Bedeutung. Denn nur am Rosenmontag erlaubte ihnen die Kirche, sich über Sünden lustig zu machen, es mit Geboten nicht so genau zu nehmen und – in Maßen – über die Stränge zu schlagen. Ein Feiertag ist der Rosenmontag trotzdem nicht und daher wird morgen auch im Rheinland ganz normal gearbeitet. Denn in diesem Jahr ist der Rosenmontag wegen der Corona-Krise abgesagt. Eine der Ausnahmen bildet die Siegburger Kreisverwaltung. Dort hat Landrat Sebastian Schuster den Beschäftigten dem Vernehmen nach frei gegeben, um sie für die Mehr-Arbeit in der Corona-Krise zu belohnen.

In allen kleinen Orten wie hier in Uckerath wird der Rosenmontag mit Umzügen gefeiert. (Foto: Inga Sprünken)

Ideen zum ausgefallenen Rosenmontag

Ansonsten fällt der in den Karnevalshochburgen Düsseldorf, Köln und Mainz schon fast heilige Rosenmontag mit seinen beliebten Rosenmontagszügen flach – eigentlich. Denn die Rheinländer werden erfinderisch, wenn man sie der fünften Jahreszeit berauben möchte. So hat das Comitee Düsseldorfer Carneval am Freitagnachmittag bekannt gegeben, dass an Rosenmontag doch Wagen durch die Stadt ziehen werden. Acht von Jacques Tilly (einem Satiriker) gestaltete Mottowagen sollen zwei Stunden lang durch die Düsseldorfer Innenstadt ziehen. Dabei werden sie nicht im Konvoi fahren, sondern einzeln auf drei verschiedenen Routen, um zu verhindern, dass sich Zuschauergruppen bilden und gegen geltende Corona-Regeln verstoßen.

Die Kölner trauen sich dies nicht. Hier hat das Festkomitee Kölner Karneval zusammen mit dem Hänneschen-Theater einen Rosenmontagszug im Mini-Format entwickelt. Im Karnevalsmuseum fahren ab 14 Uhr 177 Puppen und einer Länge von 32 Metern herum. Das WDR überträgt das bunte Treiben im Fernsehen. In Unna wird der 86-jährige Helmut Scherer seinen Traditions-Umzug machen und mit dem „kleinsten Karnevalsumzug der Welt” durch den Klinikpark fahren. In Dülken am Niederrhein wurde ein Zug aus Lego nachgebaut. Samt Musik und Zugsprecher-Kommentare fährt er durchs Internet. In Münster bastelten die Jecken einen Zug aus Pappe, Lego und Playmobil mit 29 Wagen.

In Much gibt es an Rosenmontag immer einen großen Umzug. (Foto: Inga Sprünken)

Feiern an Rosenmontag verboten

Soweit, so gut. Die Realität an Rosenmontag sieht jedoch anders aus. Im gesamten Kölner Stadtgebiet darf bis Aschermittwoch in der Öffentlichkeit kein Alkohol getrunken, an bestimmten Hotspots auch nicht verkauft werden. Partys sind nach der Coronaschutzverordnung sowieso verboten. Dabei spielt keine Rolle, ob sie im privaten oder öffentlichen Raum stattfinden. Wer dennoch feiert – und erwischt wird – muss mit einem Bußgeld von 250 Euro rechnen. Da sind die Menschen in ländlichen Regionen ein bisschen besser dran, weil hier weniger kontrolliert werden kann.

Das ist schon eine harte Nuss für die Jecken im Rheinland. Denn seit Napoleon war das karnevalistische Treiben im Rheinland nicht mehr unterbunden worden. In der Zeit der französischen Besetzung galt französisches Recht. Die ihrer Recht beraubten Kölner interpretierten die Zahl „Elf“ im Geiste der französischen Revolution als Zahl, die die Gleichheit aller Menschen versinnbildlicht. Denn „E.L.F“ lässt sich aus den Anfangsbuchstaben der Losung der Französischen Revolution bilden: „Egalité, Liberté, Fraternité“ (Gleichheit, Freiheit, Brüderlichkeit). 1815 sollte der Karneval nach dem Wiener Kongress reformiert werden. Dazu gründete sich 1823 in Köln das “Festordnende Komitee”. Dessen jährliche Hauptversammlung fand in der Fastenzeit am Tag nach dem Sonntag Laetare statt. Dieser Sonntag wurde seit dem elften Jahrhundert auch „Rosensonntag“ genannt. Der Papst hatte an diesem Tag eine goldene Rose gesegnet und einer verdienten Persönlichkeit überreicht. Später nannte man das „Festordnende Komitee“ auch „Rosenmontagsgesellschaft“. Das Deutsche Wörterbuch von Jakob und Wilhelm Grimm führt die Bezeichnung Rosenmonat indes auf das mittelhochdeutsche „Rasenmontag“ (rasender Montag) zurück.

Aktuelle Themen werden beim Rosenmontagszug aufgegriffen. (Foto: Inga Sprünken)

Der erste Rosenmontagszug

Der erste organisierte Rosenmontagszug fand am 10. Februar 1823 in Köln statt, 1830 wurde der Name offiziell. Von hier aus verbreitete sich das Rosenmontagsdatum bald im gesamten deutschen Karnevalsbrauchtum. Der erste Düsseldorfer Rosenmontagszug startete am 14. Februar 1825, der in Bonn 1828 und der in Mainz am 26. Februar 1838 als „Maskenzug“. 1991 fiel der Rosenmontagszug wegen des Golfkriegs in Köln, Düsseldorf und Mainz aus. Weitere Ausfälle waren diversen Sturmwarnungen geschuldet. Ab angekündigter Windstärke sieben bis acht wird die Lage betrachtet, ab neun wird der Rosenmontagszug gemeinhin verkürzt oder ganz abgesagt.

In Rodenkirchen sind an Rosenmontag auch Pferde unterwegs. (Foto: Inga Sprünken)

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