16 Menschen rasten in den Tod

Talbahn

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Alte Bahngleise an den Hängen im Siebengebirge erinnern an die Zeit, als hier noch täglich Bergbau betrieben wurde. Der Drachenfels mit seinem Vulkangestein war bei den Baumeistern in der ganzen Region geschätzt. Auch im Kölner Dom sind Steine aus dem Siebengebirge zu finden. Abgebaut wurden wurden sie in zahlreichen Steinbrüchen. Eine Bahn brachte sie ins Tal. Von dort ging es dann weiter ins Rheinland auf die Baustellen.

Steinbrocken an den Hängen erinnern an die Zeit des Bergbaus. (Foto: Lindemann)

Die Fahrt in den Tod

Doch es gab auch Bahnverbindungen für Menschen. Am 14. September 1958 kam es zum schlimmsten Unglück in der 125-jährigen Geschichte der Drachenfelsbahn. Der Heimatverein Oberdollendorf und Römlinghoven hat dazu Zeitzeugen befragt. Ein Schaffner des Unglückszuges berichtet, dass der Zug an “der steilsten Steigung der Strecke Fahrt wie noch nie zuvor bekam”. Die Bremse schaffte es nicht mehr. Die Fahrt am 14. September 1958 um 18:44 Uhr sollte eigentlich nie stattfinden, doch auf dem Berg seien noch so viele Menschen gewesen, dass die Bahn doch noch einmal startete. Nicht alle Passagiere kamen lebend ans Ziel.

Talbahn
Eine Brücke führte über die Gleise eine alten Bahntrasse. (Foto: Villinger)

Die Bremsen schafften es nicht mehr

Für 16 Menschen wurde es die Fahrt in den Tod. “Vor allem der erste Waggon war betroffen”, erinnert sich der Zeitzeuge an jenen Unglückstag. Dort hätte es die meisten Toten und Verletzten gegeben. Als es klar war, dass der Zug immer schneller wurde, sprangen einige Passagiere noch rechtzeitig vor dem Tunnel ab. “Hätte sich die Lok dort quergestellt, wäre es noch schlimmer geworden. Aber sie rutschte durch; hinter der nächsten Kurve passierte es jedoch.” Sie schleuderte aus ihrer Führung.

Zug
Die Natur hat sich die alte Gleisanlage fast zurückerobert. (Foto: Lindemann)

Heizer sprang in den Tod

Nicht alle, die verzweifelt in letzter Sekunde aus dem Zug springen wollten, konnten ihre Leben retten. So fand der Heizer der Dampflock bei diesem Versuch den Tod neben den Gleisen. Großalarm wurde gegeben. Das THW, die Feuerwehr, Polizei, das Rote Kreuz, Krankenwagen waren da, so der Heimatverein in dem Zeitzeugenbericht. Erster am Unglücksort sei Gastwirt Schmitt vom “Burghof” gewesen. Er hätte ein merkwürdiges Rauschen gehört und sei an die Bahn gestürmt. Er zog ein kleines Mädchen aus den Trümmern. An der Rettungsaktion beteiligten sich viele Königswinterer. Sie brachten Tragen hoch, so ein Zeuge des Unglückes in dem Bericht. Viele Fahrgäste seien im Schock orientierungslos durch den Wald geirrt.

Bahntunnel
Zugewuchert ist der Tunnel neben dem Wandwerweg. (Foto: Lindemann)

Waggon gegen Baum geschleudert

Aus dem Bericht der Feuerwehr: Die Lokomotive des talwärts fahrenden Dampfzuges war entgleist und lag an der rechten Seite des Bahndammes. Die drei folgenden Personenwagen waren circa zwanzig Meter weiter gelaufen, wobei der erste Wagen aus den Schienen sprang und von den nachfolgenden gegen einen Betonmast und anschließend gegen einen Baum geschleudert und eingedrückt wurde. Innerhalb von zwei Stunden seien an die hundert Verletzte ins Krankenhaus gekommen. “Wir haben zwei Tage und drei Nächte lang operiert”, so ein Arzt in dem Zeitzeugenbericht. Hilfreich sei auch die US-Armee gewesen. Sie schickte Blutkonserven vom Frankfurter Flughafen los. Hubschrauber landeten damit auf dem Parkplatz des Lemmerzbades.

Zu geringer Druck auf dem Kessel

Die Ursache des Unglücks wurde untersucht: Wegen zu geringen Drucks auf dem Kessel konnte die Geschwindigkeit nicht verringert werden, so der Bericht. Nachdem deshalb die Notbremse gezogen wurde, riss sich die Bahn los, sprang aus den Schienen und prallte gegen ein Hindernis, so die Erklärung für das schreckliche Geschehen.

http://www.brueckenhofmuseum.de

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