Geheime Kräfte im Auge des Vulkans

Die Orte haben etwas geheimnis- und machtvolles. Manche erscheinen wie eine große Pyramide, andere wie riesige Säulen oder wie Kugeln. Ihr teilweise skurriles Aussehen regt die Fantasie an und hat diverse Legenden und Geschichten hervorgebracht. An diesen Orten sollen Fabelwesen und Zwerge hausen. Zudem sollen sie eine besondere Energie ausstrahlen. Oft finden sich sogar Gruften und Altare dort – die Rede ist von Basalt-Steinbrücken. Diese sind insbesondere im Westerwald, aber auch in der Eifel an vielen Stellen zu finden. Der Abbau von Basalt hat die unglaublichsten Formationen zum Vorschein gebracht. Denn es handelt sich um ein vulkanisches Ergussgestein – oder einfacher – erkaltete Lava. Das dünnflüssige Magma drang in Hohlräume ein und wurde zu dunkelgrauen bis blauschwarzem Steinen mit einer hohen Dichte. Manche aber enthalten auch geheimnisvolle Einschlüsse und natürlich Mineralien wie Plagioklas, Pyroxen, Magnetit oder Quarz.

Im Basaltsteinbruch Stein sind die Basaltsäulen gut zu erkennen. (Foto: Inga Sprünken)

Einschlüsse im Basalt

Im Westerwald stammen die Basalte zumeist aus dem Oberen Oligozän, sind also rund 25 Millionen Jahre alt. Zu dieser Zeit gab es dort noch überall Vulkanismus, hervorgerufen durch die Kollision der afrikanischen und der euroäisch-asiatischen Platte. Tiefe Erdspalten machten den Weg frei für das nach oben dringende Magma. Die typischen sechsseitigen Basalt-Säulen sind ein Hinweis auf die Rissbildung durch die Erkaltung des Gesteins – zu finden am „Blauen Stein“ bei Kuchhausen (Windeck) oder dem früheren Basaltsteinbruch Stein in Eitorf, der heute – wie viele – als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist. Neben den Säulen gibt es auch andere, teilweise kugelige Formen.

Die Wolfsteine bei Bad Marienberg bestehen aus Basalt. (Foto: Inga Sprünken)

Ein Beispiel dafür sind die Wolfssteine bei Bad Marienburg, um die sich diverse Legenden ranken. Ein besonders skuriles Aussehen hat der Druidenstein in Herkersdorf (Landkreis Altenkirchen). Pyramidenähnlich geformt wirkt er so mächtig und geheimnisvoll, dass er sowohl zu heidnischen, als auch christlichen Zwecken genutzt wurde, wovon Kreuze und Altäre zu seinen Füßen zeugen.

Der geheimnisvolle Druidenstein in Herkersdorf. (Foto: Inga Sprünken)

Auch Tuffe sind dem Vulkanismus geschuldet, denn sie sind ebenfalls ein Eruptivgestein, oftmals erkaltete Asche. An manchen Stellen sind im Basalt zudem Gas-Einschlüsse zu finden. Wegen ihres schaumigen Aussehens werden diese Basalte auch Lungstein genannt. Überwiegend jedoch sind Basaltsteine sehr hart. Schon in der Steinzeit wurden sie daher als Ausgangsmaterial für verschiedene Werkzeuge geschätzt. Lag der Schwerpunkt des professionellen Basalt-Abbaus zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch auf der Gewinnung von Basaltsäulen sowie der Herstellung von Mühlsteinen, Kreuzen, Pflaster- und Bruchsteinen etwa für den Gleis- oder Deichbau, gewann später die Produktion von Schotter und Splitt an Bedeutung. Zahlreiche aufgelassene Steinbrüche zeugen noch heute davon. Inzwischen hat der Basalt-Abbau seine Bedeutung verloren, weil die Vorkommen weitestgehend erschöpft sind und er seine wirtschaftliche Bedeutung verloren hat. Doch es gibt noch einzelne Stellen.

Die Stöffelmaus im Basalt

Zahlreiche Mythen ranken sich um den Druidenstein. (Foto: Inga Sprünken)

Auch der berühmte Stöffelpark im Hohen Westerwald ist nichts anderes. Hier wurde 1992 die Stöffel-Maus bei Grabungsarbeiten gefunden. Es war das erste mausähnliche Säugetier samt Haaren und Magen-Darminhalt aus der ausgestorbenen Nagerfamilie der Eomyiden. Ähnlich der noch heute existierenden Flughörnchen konnten diese fliegen, wenn sie Wind unter ihre ausgebreiteten Häute bekamen. Die gefundene Maus wurde vermutlich auf einen See hinausgetragen, in dem sie ertrank. Dass Basalt-Steinbrüche oft als Kraftorte bezeichnet werden, kann außer durch ihre geheimnisvollen Formationen an ihrem teilweise magnetischen Gestein liegen. Zudem finden sie sich im Bereich ehemaliger Vulkanschlote und haben damit eine direkte Verbindung ins Erdinnere.

 

Moose bevölkern den Basaltkrater Blauer Stein.  (Foto: Inga Sprünken)

Basalt zieht ganz besondere Pflanzen wie Flechten und Moose an, die mit den bläulich schimmerndem Gestein ein spannendes Bild ergeben. Diese wachsen vornehmlich auf kargen Untergründen, wo andere Pflanzen keine Chance haben. Aber auch Baumsamen können sich hier ansiedeln. Aus ihnen erwachsen Bäume, deren Wurzeln sich auf der Suche nach Halt krakenartig über die Steine ziehen bis sie den Erdboden erreichen. Die darunter entstehenden Hohlräume sind ideale Schlupflöcher nicht nur für allerlei Getier, sondern auch für Feen, Trolle und andere Naturgeister. Denn eins haben alle Basalt-Krater gemeinsam: sie ziehen jeden in ihren Bann, der sie aufsucht. Die Fantasie und die Ehrfurcht vor der Natur als Gestalterin wunderlicher Formationen tun ein Übriges, um die Legenden um diese kraftvollen Orte zu befeuern. Und wer weiß, vielleicht haben hier wirklich fabelhafte Wesen ein unentdecktes Zuhause gefunden?

 

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