Versteckte Sarkophage und Grabkammern

Auf dem Südfriedhof findet sich dieser Sarkophag. (Foto: Inga Sprünken)

Die Spuren der Römer sind überall im Kölner Stadtgebiet zu finden – auch im Kölner Süden. Und das, obwohl dieser Bereich vor rund 2000 Jahren, der Zeit der Gründung der Colonia Claudia Ara Agrippinensium (CCAA), gar nicht zur Stadt gehörte. Denn das damalige Gebiet der Provinzhauptstadt des römischen Niedergermaniens war deutlich kleiner als das heutige.

Am Kalscheurer Weiher war einst ein römischer Friedhof, wie diese Grabkammer beweist. (Foto: Inga Sprünken)

Innerhalb der vier Kilometer langen römischen Stadtmauern gab es ein pulsierendes Leben im Knotenpunkt für Handel und Verkehr. Ein umfangreiches Straßennetz verband CCAA mit Rom. Deren gradliniger Verlauf ermöglichte es, Militär, Händlern und Kurieren, ihre Ziele schnell zu erreichen. Die über Trier bis nach Lyon führende Agrippastraße, die heutige Brühler Landstraße, verband Köln mit Zülpich, dem ehemaligen Tolbiacum. An dieser wie den andren Heeres-, Handels- und Wasserstraßen befand sich, jeweils im Umfeld der Städte und Militärlager, ein dichtes Netz römischer Gutshöfe. Diese versorgten die Bevölkerung und Soldaten mit Lebensmitteln.

Römische Gutshöfe und ihre Friedhöfe

Ein unscheinbares Schild weist auf die römische Grabstätte hin. (Foto: Inga Sprünken)

Ihr jeweiliger Mittelpunkt war die „villae rusticae“, die aus einem Haupthaus mit mehreren Neben- und Wirtschaftsgebäuden bestand. Alle Gebäude waren samt Wiesen und Feldern zum Schutz vor Plünderern von einer Mauer umgeben. Laut Dr. Marcus Trier, dem Direktor des Römisch-Germanischen Museums, befanden sich etwa alle 400 bis 500 Meter solche römischen Gutshöfe, die wiederum über eigene kleine Friedhöfe verfügten. Von einem solchen stammt vermutlich auch der römische Steinsarkophag aus dem vierten Jahrhundert n. Chr. auf dem Südfriedhof. Gefunden worden war er schon im Jahr 1936 bei den Arbeiten zur Verlängerung des Hönninger Wegs.

Solche Relikte können indes nur mit bürgerschaftlichem Engagement erhalten werden, da die Stadt keine Gelder für deren Pflege und Erhaltung hat. So war es der Förderverein der Europaschule, der im Jahr 2011 die Restaurierung des römischen Brunnens in der Gesamtschule zu verdanken ist. Dieser, bei den Bauarbeiten 1974 entdeckt, gehörte vermutlich zur gleichen villae rusticae wie der Sarkophag. Er hatte bis zu seiner Restaurierung aus Sicherheitsgründen ein Schattenda sein unter einer Holzplatte gefristet. Heute bildet das Denkmal aus dem zweiten Jahrhundert n. Chr. unter einer Glaspyramide den optischen Mittelpunkt der Aula.

Der römische Brunnen wurde in der Europaschule freigelegt. (Foto: Inga Sprünken)

Die römische Grabkammer am Kalscheurer Weiher

Zu einem anderen Gutshof gehörte indes die römische Grabkammer am Kalscheurer Weiher. Versteckt unter Bäumen und von einem Zaun und einem Dach geschützt, finden sich direkt neben dem Gewässer die dicken Tuffquader einer 1,60 Meter hohen Kammer mit einer Grundfläche von 3,80 mal 2,90 Metern. Entdeckt wurde das Bauwerk aus dem ersten bis dritten Jahrhundert n. Chr., das früher einen leicht gewölbten Deckel hatte, bei der Gestaltung des Grüngürtels 1928. Weitere römische Relikte im Stadtbezirk sind laut Museumsdirektor Trier zwei Sarkophage am Giersdorfer Hof in Rondorf.

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