Vor 50 Jahren: der Schneemord von Much

An dieser Stelle starb der 18-Jährige. (Foto: Inga Sprünken)

Genau 50 Jahre ist es her, dass an der Landstraße 352 zwischen Much und Neunkirchen-Seelscheid ein junger Mann auf grausige Weise sein Leben verlor. Der „Schneemord von Much“ ging in die Geschichte ein. Selbst in den USA wurde darüber berichtet. Heute erinnert noch ein Gedenkstein an die Begebenheiten in der eiskalten Nacht zum 2. Januar 1971. In dieser Nacht waren auf der Höhenstraße zwischen den beiden Kommunen drei jugoslawische Gastarbeiter und ein 18-jähriger Deutscher in einem Pkw unterwegs.

Letzterer saß nicht freiwillig in dem Fahrzeug, denn die Gastarbeiter hatten den jungen Mann nach einer ausgedehnten Feier in Köln überfallen, um mit dessen Fahrzeug nach Hause zu fahren. Nachdem einer der Männer ausgestiegen war, wollten sich die beiden übrigen des jungen Mannes entledigen. Sie zogen ihn bis auf die Unterhose und die Socken aus und banden ihn bei hohem Schnee und Minus-Temperaturen an einen Baum. „Das war eine Zeit, in der wir mit viel Nebel zu kämpfen hatten“, erinnert sich Hermann-Josef Fielenbach, der unweit des Tatortes nahe des kleinen Ortes Wohlfahrt wohnt. Man habe die Kleidung des Opfers später in einem kleinen Wäldchen gefunden, berichtet er.

Das Opfer hüpfte bis zur Straße

Der 18-Jährige konnte sich jedoch befreien und er schaffte es trotz seiner Hand- und Fußfesseln bis zur Straße zu gelangen. „Er muss wohl gehüpft sein“, mutmaßt der ehemalige Landwirt. Dort angekommen, versuchte der Gefesselte Hilfe zu bekommen. Doch diese blieb ihm versagt, obwohl belegt ist, dass mehrere Autofahrer an ihm vorbeigefahren sind. Um fünf Uhr morgens endlich wurde er entdeckt, doch da war es zu spät. Er war erfroren. Wie eine unweit des Tatorts lebende Familie berichtet, klingelte ein herbeigerufener Mucher Arzt die Eheleute aus dem Bett, damit diese mit zu der Stelle gingen, wo das Opfer aufgefunden worden war. „Seine Füße waren mit Isolierdraht umwickelt“, erinnert sich der Zeuge an das grausige Bild.

Die Gastarbeiter wurden gefasst und zwei von ihnen im Februar 1972 in Bonn zu lebenslanger Haft verurteilt. Auch der aus Siegburg stammende Zeuge, der an dem Opfer vorbeigefahren war, ohne zu helfen, konnte ermittelt werden. Er wurde wegen unterlassener Hilfeleistung zu einer Geldstrafe verurteilt. Denn in Paragraph 323c des Strafgesetzbuches ist geregelt: „Wer bei Unglücksfällen oder gemeiner Gefahr oder Not nicht Hilfe leistet, obwohl dies erforderlich und ihm den Umständen nach zuzumuten, insbesondere ohne erhebliche eigene Gefahr und ohne Verletzung anderer wichtiger Pflichten möglich ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft. Ebenso wird bestraft, wer in diesen Situationen eine Person behindert, die einem Dritten Hilfe leistet oder leisten will“.

Ein Gedenkstein erinnert an den Mord

Eine Frau aus Wiehl, die selbst Opfer unterlassener Hilfeleistung geworden war, hatte im Jahr 2010 das Aufstellen eines Gedenksteins an der Stelle angeregt, an der das Opfer erfroren war. „Zum Gedenken an Ulrich Nacken, + 2.1.1971, und alle anderen Opfer unterlassener Hilfeleistung“ steht auf dem Mahnmal, das – inzwischen stark vermoost – unweit der viel befahrenen Landstraße steht. Man muss indes schon genau hinschauen, um den Stein zu entdecken. Fakt ist jedenfalls: Es war mehr als nur eine unglückliche Verkettung von Umständen, die einen Tag nach Silvester zum Tod des jungen Ulrich Nacken geführt hatte.

Ein Gedenkstein erinnert an das Unglück vor 50 Jahren. (Foto: Inga Sprünken)

 

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