Tödliche Gefahr auf der Wiese

Das Jakobskreuzkraut ist eine Giftpflanze. (Foto: Inga Sprünken)

Es sieht harmlos aus, ist es aber nicht: das Jakobskreuzkraut. Seit 2004 tritt die Giftpflanze, die auch unter dem Namen Jakobsgreiskraut bekannt ist, in Nordrhein-Westfalen verstärkt auf. Im Unterschied zu den sich immer weiter verbreitenden Neophyten wie Bärenklau oder Ambrosia handelt es sich zwar um eine alte heimische Pflanze, aber sie hat es in sich. Ihr Gift gefährdet nicht nur Weidetiere, insbesondere Pferde, sondern auch Menschen. Denn wenn man das „Unkraut“ ausreißt, gelangt der Saft und damit seine Giftstoffe über die Haut ins Blut. Es sind verschiedene Pyrrolizidin-Alkaloide, die bei Warmblütlern zu chronischen Lebervergiftungen – und damit sogar zum Tod – führen können.

Das Gift des Jakobskreuzkrauts reichert sich in der Leber an

Für alle Warmblüter giftig ist das Jakobskreuzkraut. (Foto: Inga Sprünken)

Bei einem Pferd reichen 20 Pflanzen im Leben, da das Gift nicht abgebaut wird, sondern sich in der Leber anreichert. Zwar meiden Pferde das Jakobskreuzkraut instinktiv – ein Grund warum es sich gerade auf Pferdeweiden besonders gut ausbreiten kann. Aber es kann über das Heu in den Organismus der Tiere gelangen. Denn das Jakobskreuzkraut ist im getrockneten Zustand ebenso giftig. Rinder und Schafe scheinen indes weniger anfällig für das Gift des Korbblütlers zu sein, der sich besonders auf extensiv genutzten Weiden, Stilllegungs- und Grünlandflächen, an Wegrändern und Böschungen ausbreitet.

Und es gibt noch eine Gefahr durch Senecio jacobaea, wie das Jakobskreuzkraut mit botanischem Namen heißt. Wenn Bienen zu viel Nektar davon sammeln, kann das Gift auch in den Honig gelangen. Allerdings sind bisher noch keine Vergiftungen über Honig bekannt geworden. Das Problem tritt eher in Gegenden wie Schleswig-Holstein auf, wo es ganze Felder des Krautes gibt. Die Biologische Station in Eitorf hat ein Förderprogramm für Landwirte aufgelegt, die im Rahmen von Naturschutzmaßnahmen auf extensiv genutzten Weiden Probleme mit der Ausbreitung der Pflanze bekommen. Sie erhalten 250 Euro, wenn sie die Pflanze mechanisch entfernen. Das heißt, sie vor der Mahd von Hand (mit Handschuhen!) ausreißen oder aber die Flächen vor der Blüte im Juni und im Herbst zu mähen und das Mahdgut etwa in einer Biogasanlage zu entsorgen.

Das Jakobskreuzkraut ist auch eine Futterpflanze

Das Jakobskreuzkraut ist an der typischen Rosette zu erkennen. (Foto: Inga Sprünken)

Es gibt aber auch Tiere, für die das Jakobskreuzkraut eine wichtige Futterpflanze ist. Der Jakobskreuzkraut-Bär, eine Schmetterlingsart, lebt auf ihr und macht sich ihr Gift zunutze, um sich vor Fraßfeinen zu schützen. Darum sind Naturschützer dagegen, die Pflanze, deren Samen sich früher sogar in Wildblumenmischungen für Straßenränder befand, komplett auszurotten. Letzteres ist der Grund, warum sich das Jakobskreuzkraut vielfach an Straßenrändern findet.

Die Wuchskraft des Jakobskreuzkrautes ist enorm. Im ersten Jahr bildet es eine Rosette mit tief geschlitzten und gewellten Blättern aus. Von der Pfahlwurzel ausgehend, erstrecken sich zahlreiche Faserwurzeln im Umkreis von 30 Zentimetern. Im zweiten Jahr wächst der aufrechte Stängel, der sich in der Mitte verzweigt und ab Mitte Juni erscheinen viele 15 bis 20 Millimeter große goldgelbe Einzelblüten, die bis zu 1,20 Meter hoch werden können. Sie ähneln dem Johanniskraut, das aber ganz andere Blätter hat. Ihre Hauptblütezeit ist Juli bis August, woher auch der Name stammt: Jacobi am 25. Juli.

Das Jakobskreuzkraut hat eine enorme Wuchshöhe. (Foto: Inga Sprünken)

Die Verbreitung des Jakobskreuzkrautes erfolgt wie beim Löwenzahn über den Wind, der die Samen verteilt. Eine Pflanze kann, wenn sie regelmäßig geschnitten wird, bis zu acht Jahre alt werden. Lässt man sie ungestört blühen und aussamen, treibt sie im Folgejahr zumeist nicht mehr aus. Zwar ist dann die Mutterpflanze weg, ihre Samen sorgen allerdings für unzählige neue Pflanzen.

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