Der schaurige Bahnsteig

Der Bahnsteig bei Merten. (Foto: Inga Sprünken)

Ein bisschen gruselig ist es schon. Der Bahnsteig Merten liegt ziemlich einsam umgeben von verwunschenen Wäldern. Wer hier im Dunkeln auf den Zug wartet, dem kann es schon mal unheimlich werden – zumal, wenn man weiß, was hier so alles passiert ist. Denn der einsame Bahnsteig ist auch bei Selbstmördern „beliebt“. So nahm sich am 20. Oktober 2009 eine junge Frau das Leben. Sie stellte sich auf die Gleise der Siegtal-Eisenbahn und wurde von einem Zug erfasst. Der Lokführer der Richtung Au fahrenden S-Bahn konnte trotz Notbremsung nicht verhindern, dass die Frau vom Zug überrollt wurde. Sie war sofort tot.

Auf diesem Abschnitt starben Menschen. (Foto: Inga Sprünken)

Am 18. September 2021 gab es einen weiteren Unfall im Bereich des Mertener Bahnsteigs. Am Morgen kurz nach 10 Uhr wurde ein Mann vom Regionalexpress erfasst und getötet. Ob es sich um einen Selbstmord gehandelt hat, blieb unklar. Der Zugführer erlitt einen Schock. 270 Reisende mussten ihre Fahrt mit dem Bus fortsetzen.

Die verschwundene Burg

Unweit des Bahnsteigs finden sich die zudem Reste einer hochmittelalterlichen Motte. Eine Erhebung direkt neben der Straße ist jedoch alles, was von der Mosbacher Burg übrig geblieben ist. Wer genau hinschaut, entdeckt im Hang zur Straße Mauerreste. Diese erkennt man auch auf der rechten Seite des 33 mal 36 Meter großen Hügels. Dort ist ein großer Baum umgestürzt und hat in seinem Wurzelbereich Mauerreste freigelegt.

Der Burghügel unweit des Bahnsteigs. (Foto: Inga Sprünken)

Die Burg wurde nach dem Mosbach benannt, der unterhalb verläuft. Burgen wurden früher häufig an Wasserläufen errichtet, da damit der Wassergraben gespeist werden konnte. Der Graben und die Wälle sind noch zu erkennen. Es wird vermutet, dass die Herren von Wildenburg die Anlage errichtet haben und es sich um einen Vorgängerbau des Rittersitzes Merten handelt. Dieser wurde 1247 erstmals erwähnt und ist noch heute gegenüber dem Kloster Merten zu finden.

Mord am Mosbach

Am Mosbach, der beim Eisenbahn-Bau in Stein gefasst wurde und ganz romantisch in mehreren Kaskaden zum Burghügel hin abfällt, verläuft ein Wanderweg. Auf diesem machte eine Joggerin am 2. August 2020 eine grausige Entdeckung. Im damals trockenen gefallenen Bachbett lag die teilweise verbrannte Leiche eines Mannes, bedeckt mit Erde und Ästen. Der Geruch hatte die Frau darauf aufmerksam gemacht.

Der Weg führt entlang des Mosbachs. (Foto: Inga Sprünken)

Wie sich später herausstellte, war der Tatort gleichzeitig ein Sommerlager, in dem die obdachlosen Täter zusammen mit dem späteren Opfer mehrere Nächte verbracht hatten. Bei den Tätern handelte es sich um zwei 21 und 30 Jahre alte Drogensüchtige aus dem Rhein-Sieg-Kreis und dem Kreis Altenkirchen. Am 22. Juli 2020 kam es im Lager zu einem Streit. Der spätere Mordopfer war am Morgen vor der Tat aufgebrochen, als die anderen noch schliefen und hatte vermeintlich die Schuhe des Älteren ins Feuer geworfen. Als die beiden wach wurden, fanden sie jedenfalls die angekokelten Schuhe. Sie brachen nach Bonn auf, wo sie ihren Übernachtungsgast wieder trafen. Gemeinsam konsumierte man über den Tag verteilt Alkohol und Drogen und fuhr am Abend zurück ins Mertener Lager.

In Kaskaden fällt der Mosbach hinab. (Foto: Inga Sprünken)

Kurz nach Mitternacht kam es zum Streit über die verkohlten Schuhe. Nach eigener Aussage wollten die beiden ihren angeblich aggressiven Gast wieder loswerden und zum Bahnsteig bringen. Wann genau der Streit eskalierte, ist nicht bekannt. Jedenfalls schlugen die Männer dem 46-Jährigen mit einem Ast auf den Kopf. Dann rammten sie ihm eine abgebrochene Bierflasche in den Bauch und zertrümmerten sein Gesicht mit einer Schaufel. Danach schleppten einer oder beide den Mann in den trockenen Bachlauf, übergossen seinen Kopf mit Spiritus und zündeten ihn an. Später überdeckten sie den Toten mit Erde und Ästen. Die beiden Männer verbrachten die Nacht trotzdem in dem Lager, bevor sie am nächsten Tag verschwanden. Da sie polizeibekannt waren, führten Fingerabdrücke und DNA-Proben schnell zu ihnen. Sie wurden festgenommen und des Totschlags verurteilt.

Der verwunschene Wald. (Foto: Inga Sprünken)

Verwunschene Landschaft

Ebenfalls unweit des Bahnsteigs findet sich auf dem Weg Richtung des bei Drachenfliegern beliebten Berges Stachelhardt ein mit Gewässern durchzogenes Waldstück, das sehr verwunschen anmutet. Grüne Felswände ragen steil in die Höhe. Dann plötzlich trifft man auf einen seltsamen Berg. Der lässt sich wegen seines mageren Bewuchses unschwer als Abraumhalde erkennen. Dies sind Reste des Erzbergbaus, der ab 1747 in Merten betrieben wurde.

Die Abraumhalde der Grube. (Foto: Inga Sprünken)

Die Gruben Clara, Ehrenkreuz, Erzengel, Ehrenkreuz und Waldmeister gehörten zum großen Stollensystem der Grube Pascha. Deren Abluftschächte finden sich noch entlang eines Wanderweges oberhalb von Merten. Ein Stollenmund ist nicht mehr zu entdecken. Abgebaut wurden Silber, Blei, Kupfer und Zink.

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