Geheimnisvoller Fund an uralter Kultstätte

Fundort der Himmelsscheibe von Nebra. (Foto: Inga Sprünken)

Es ist ein ganz besonderer Ort. Schon die Landschaftsstruktur wirkt irgendwie anders, geheimnisumwoben. Das spürten bereits unsere Vorfahren. Denn hier befindet sich eine uralte Kultstätte und vermutlich Sternwarte. Auf dem 252 Meter hohen Mittelberg im Burgenlandkreis in Sachsen-Anhalt gibt es nicht nur eine früheisenzeitliche Wallanlage, sondern hier ereignete sich etwas, das sich wie ein Krimi liest. Denn die Wallanlage, in der schon Archäologen seit 1986 gegraben hatten, lockte nicht nur Forscher, sondern auch Schatzsucher an.

Auf dem Mittelberg befindet sich diese Wallanlage. (Foto: Inga Sprünken)

Am 4. Juli 1999 suchten zwei Männer mit Metalldetektoren den unbewaldeten Gipfel des Berges ab. Plötzlich fiel ihr Blick auf einen vermeintlichen Topfdeckel der aus der Erde herausragte. Sie gruben ihn aus, aber warfen ihn achtlos zur Seite. Sie gruben weiter und stießen auf zwei Schwerter mit goldverzierten Griffen, zwei Beile, einen Meißel und zwei zerbrochene Armreifen. Der Fund veranlasste sie, den 32 Zentimeter großen „Deckel“ doch noch einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Sie rieben den Dreck ab und entdeckten Bronze und Gold. Sie hielten die größte Entdeckung der Menschheitsgeschichte in ihren Händen: die Himmelsscheibe von Nebra.

Eine Nachbildung der Himmelsscheibe von Nebra. (Foto: Inga Sprünken)

Der abenteuerlichste Krimi der Archäologie-Geschichte

In Ebay versuchten die Schatzsucher die gefundenen Stücke über einen Zwischenhändler zu verkaufen. Das war strafbar, denn die Fundstücke gehörten dem Land Sachsen-Anhalt. So blieb ihr Schatz nicht lange unentdeckt. Für 117.000 Euro ging die Himmelsscheibe von Nebra an eine Frau, die wiederum den Schatz dem Landesmuseum in Halle für 380.000 Euro zum Kauf anbot. Der Museumsdirektor informierte die Polizei. Es wurde ein fingiertes Verkaufsgespräch in einem Hotel in Basel verabredet. Und dabei schnappte die Falle zu. Die Zwischenhändlerin Hildegard Burri-Bayer und ihr Kompagnon wurden am 23. Februar 2002 verhaftet.

In nachfolgenden Prozessen versuchten Gerichte in den folgenden Monaten Licht in den abenteuerlichsten Krimi der Archäologie-Geschichte zu bringen. Im September 2003 schließlich wurden die Schatzsucher und die Zwischenhändlerin zu Bewährungsstrafen verurteilt. Doch das war noch nicht das Ende. Der Krimi ging weiter, denn nun ging es darum, herauszufinden, ob die Himmelsscheibe, die der Museumsdirektor als bedeutendsten Fund seit Entdeckung des Ötzi bezeichnete, echt oder nur eine geniale Fälschung ist. Nach mehrere Millionen Euro teuren Forschungen, bei denen die grün korrodierte Bronzeplatte mit Mikroskopen, mit Röntgen-, Laser- und Protonenstrahlen untersucht wurde, sind sich die Forscher zu 99 Prozent sicher, dass der Fund echt ist.

Aussichtsturm und Zeiger einer Sonnenuhr. (Foto: Inga Sprünken)

Echt oder unecht?

Die 3600 Jahre alte bronzene Himmelsscheibe mit ihren goldenen Auflagerungen soll ein uralter Bauernkalender sein und aus der Bronzezeit stammen. Ihre goldenen Verzierungen werden als Abbild des nächtlichen Sternenhimmels gedeutet. Sieben eng beieinander liegende Goldpunkte symbolisieren den Sternenhaufen der “Plejaden”. An ihnen orientierten sich die Bauern: Verschwanden die Plejaden im März am westlichen Abendhimmel, war es Zeit, zu säen, tauchten sie im Oktober wieder auf, kam die Zeit der Ernte. Neben den goldenen Sternen, finden sich zwei Horizontbögen und eine goldene Scheibe auf der Bronze. Sie soll Sonne oder Mond symbolisieren. Daneben findet sich eine Mondsichel. Während ihrer geschätzten, 300 Jahre dauernden Benutzung wurde sie mehrfach geändert. Beispielsweise wurde nachträglich eine Himmelsbarke unten eingefügt, wie die Wissenschaftler herausfanden.

Die Arche Nebra wurde 2007 eröffnet. (Foto: Inga Sprünken)

Um die Himmelsscheibe und ihren abenteuerlichen Fundort Besuchern zu präsentieren, eröffnete das Land Sachsen-Anhalt im Jahr 2007 das Besucherzentrum Arche Nebra (https://www.himmelsscheibe-erleben.de/). In einer Hanglage oberhalb des Ortes, findet sich das mit goldenen Metallplatten verkleidete Ausstellungsgebäude, das wie ein Ufo in der Landschaft wirkt. Auf 300 Quadratmetern dreht sich hier alles um die Geschichte des rätselhaften Fundes. Frühere Handelsbeziehungen, vergessene handwerkliche Fähigkeiten und faszinierende astronomische Erkenntnisse lassen erahnen, wie hochentwickelt die Kulturen der Bronzezeit waren. Ein digitales Planetarium ergänzt das Bild. Die Original-Himmelsscheibe findet sich jedoch nicht vor Ort. Sie ist im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle ausgestellt: https://www.landesmuseum-vorgeschichte.de/

Das Himmelsauge

Das Himmelsauge von Nebra. (Foto: Inga Sprünken)

Von der Arche Nebra aus kann man etwa zweieinhalb Kilometer zum Fundort auf den Gipfel des Mittelbergs wandern, der auch von einem Shuttle bedient wird. An der Fundstelle inmitten der eisenzeitlichen Ringwallanlage wurde ein Himmelsauge in den Boden eingelassen. In der leicht gekrümmten Scheibe aus poliertem Edelstahl spiegelt sich der Himmel. So verbindet das Himmelsauge genau an der Stelle Himmel und Erde miteinander, an der 3600 Jahre lang die Himmelsscheibe verborgen lag.

 

 

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