Haff mit Eisschicht überzogen

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Eisige Temperaturen dominieren zurzeit das Rheinland. Unsere Norddeutschland-Reporterin Michaela Heitz, die lange in Köln gelebt hat, hat in Wismar eine interessante Entdeckung gemacht. Dort ist die Ostsee in Küstennähe mit einer dicken Eisschicht überzogen. “So etwas passiert nicht oft”, berichtet Bernd Lublinski. Er erinnert sich, dass vor ungefähr zehn Jahren schon einmal solch ein Eis-Chaos an der Küste herrschte.

Dicker Eispanzer am Ufer

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Der Uferbereich der Ostsee ist mit einer dicken Eisschicht überzogen. (Foto: Heitz)

Deswegen sind für Wildtiere, wie unsere heimischen Stockenten, an den Küsten im Norden Notzeiten angebrochen. Das Stettiner Haff ist derzeit mit einer rund zehn Zentimeter dicken Eisschicht überzogen. Am Kap Arkona auf Rügen liegen 24 Zentimeter Schnee. Angesichts dieses „Flockdowns“ versammeln sich Enten und Möwen in der Wismarer Bucht an halbwegs offenen Stellen oder suchen gleich einen windgeschützten Platz außerhalb des Wassers am Ostseeufer. Dabei ist es nicht die bittere Kälte oder die Gefahr, im Ostseeeis einzufrieren, die den Tieren so zusetzt, sondern ganz lapidar die eingeschränkte Möglichkeit zur Futtersuche.

Mit einem Trick überleben die Enten

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Enten frieren nicht auf geschlossenen Eisflächen fest. (Foto: Heitz)

Gründeln geht nicht mehr und so dienen Bucheckern und Eicheln dem vagabundierenden Federvieh als zusätzliche Nahrungsquelle. Stockenten können auf ihren federlosen Beinen nicht auskühlen, denn sie haben immer kalte Füße. Bei einer Temperatur von ein Grad Celsius in den Beinen ist gewährleistet, dass die Tiere nicht frieren und ihnen auch nicht das Eis unter den Füßen wegschmilzt, sodass sie bei einem Temperatursturz im Eis einfrieren. Ihre Körpertemperatur hingegen beträgt annähernd 40 Grad Celsius. Wie koordinieren die Tiere diese Temperaturunterschiede? Mit einem Trick, wie er auch in modernen Häusern angewandt wird: dem Gegenstromprinzip. Dort sind die Abwasserleitungen so nah an die Frischwasserleitungen gebaut, dass die Restwärme des Abwassers das frische Wasser gleich vorwärmt. Gleich diesem Wärmetauschprinzip liegen die Venen der Enten parallel beieinander. Sauerstoffreiches warmes Blut fließt in die Schwimmpaddel und erwärmt dabei das zurückfließende Blut, so dass die Tiere im Winter stundenlang auf kalten Gewässern umherdümpeln können, sofern diese eisfrei sind.

Attraktion auch für Küstenbewohner

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Auch für die Küstenbewohner der Ostsee ist der Eispanzer des Meeres ungewöhnlich. (Foto: Heitz)

Dass die Ostsee einen Eispanzer hat, ist auch für die Küstenbewohner eine kleine Attraktion. Sie machen gerne Ausflüge an ihre eiskalte Ostsee. Auf den zahlreichen Landungsstegen kann man sicher über das Ufer hinaus „über“ das Meer gehen.

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